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Flüchtlingsunterkunft in Wegberg
"Unsere Hausmeister sind keine Nazis"

Flüchtlingsunterkunft in Wegberg: "Unsere Hausmeister sind keine Nazis"
180 Menschen leben zurzeit in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber und Obdachlose an der Nordstraße in Arsbeck. FOTO: Jürgen Laaser (Archiv)
Wegberg. Drogenhandel, verschmutzte Toiletten, Schimmel an den Wänden: Flüchtlingshelferin Gabi Peterek macht die Stadt für Missstände im Arsbecker Asylbewerberheim verantwortlich - Hausmeister und Sozialarbeiter hätten keine Handhabe, etwas zu ändern. Die Verwaltung weist die Vorwürfe entschieden zurück. Von Michael Heckers

Gabi Peterek lässt nicht locker. Auch nachdem die Flüchtlingshelferin kürzlich den Vorsitz des von ihr gegründeten Vereins "Asyl in Wegberg" niedergelegt hat, ist sie fest entschlossen, weiterhin ihre Stimme für Asylbewerber und Obdachlose zu erheben. Doch das ehrenamtliche Engagement der 56-Jährigen stößt zurzeit nicht überall auf Begeisterung.

Täglich ist Gabi Peterek im städtischen Asylbewerberheim an der Nordstraße in Arsbeck unterwegs, weil sie nach eigenen Angaben den dort lebenden rund 180 Flüchtlingen helfen möchte. Unterstützt wird sie unter anderem von Nadine Dewies, Urte Achter und Dr. Gert Arndt. Die "Netzwerk-Ehrenamtler ohne Verein", wie sich die Flüchtlingshelfer selbst bezeichnen, werden nicht müde, auf Missstände in der Unterkunft hinzuweisen. Deshalb haben sie zum Pressetermin in die Gemeinschaftsunterkunft nach Arsbeck eingeladen. Beim Rundgang beklagen sie, dass ein junges Ehepaar aus Eritrea - die Frau ist im fünften Monat schwanger - in einem Raum leben müssen, in dem Stock- oder Schimmelflecken an Wänden und Fensterrahmen zu sehen sind. "Die hygienischen Voraussetzungen sind katastrophal", sagt Peterek. Die Missstände sind tatsächlich augenscheinlich: Verstopfte Toiletten, defekte Kochherde, alte Gartenstuhlauflagen dienen offenbar als Matratzen. Heißes Wasser gibt es in der Gemeinschaftsunterkunft laut Peterek nur dreimal am Tag.

Bei der Besichtigung der Gemeinschaftsunterkunft an der Nordstraße in Arsbeck waren Stock- oder Schimmelflecken zu sehen. FOTO: RP

Doch wer ist für diese Zustände verantwortlich? Auch wenn sich viele Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft um Sauberkeit und Hygiene bemühen, reichen einige wenige, um diese Bemühungen zunichtezumachen, erklärt Peterek. "Seit Jahren treibt eine Familie ihr Unwesen auf der Nordstraße: Sie betreibt Handel mit Sachspenden und gestohlenen Fahrrädern, die nach Polizeiangaben nach Holland verkauft werden, um mit dem Geld Drogen zum weiteren Handel zu kaufen. Das Familienoberhaupt und die drei Söhne sind vorbestraft und terrorisieren die anderen Bewohner", berichtet sie. Es sei schon häufiger zu Ausschreitungen und gewalttätigen Übergriffen gekommen. "Die Leute haben Angst", sagt Peterek. Den Hausmeistern, Sozialarbeitern und der Verwaltung sei das bekannt. Doch es geschehe nichts. Im Gegenteil: "Asylbewerber werden durch einen Hausmeister respektlos behandelt und gemobbt", fügt sie hinzu. Sie kritisiert, dass die städtischen Mitarbeiter lieber wegschauten als sich um die Probleme vor Ort zu kümmern. Vielleicht seien sie auch einfach überfordert, mutmaßt Peterek. "Von der Stadt hört man immer nur: Kein Handlungsbedarf", sagt sie.

Bei der Wegberger Stadtverwaltung weist man diese Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück. Erste Beigeordnete Christine Karneth sagt auf Anfrage, dass die Hausmeister, die städtische Angestellte sind, bereits beauftragt wurden, mögliche hygienische Mängel in der Arsbecker Gemeinschaftsunterkunft zu beseitigen. Das Ehepaar aus Eritrea werde einen anderen Raum in der Unterkunft erhalten, der in einem besseren Zustand sei. Laut Christine Karneth gibt es in der Arsbecker Gemeinschaftsunterkunft das Problem, dass einige Bewohner "mit unseren Wohn- und Lebensverhältnissen nicht vertraut sind". Deshalb würden Räume nicht ausreichend durchlüftet, was zu besagten Stockflecken an den Wänden und Fensterrahmen führe. Das hätten Mitarbeiter der Stadt den Menschen in Arsbeck zwar schon häufig erklärt, allerdings gebe es offensichtlich einzelne, die sich jeder Form von Integration bewusst widersetzten. "Das führt zwangsläufig zu Problemen", sagt Karneth.

Im Umgang mit den Menschen, die in der Unterkunft an der Nordstraße leben, praktiziert die Stadt das Prinzip "Fordern und fördern." "Wir fordern die Bewohner regelmäßig dazu auf, Sprachkurse zu belegen und Integrationswillen zu zeigen", erklärt Gerd Pint, Leiter des Fachbereichs Bildung und Soziales. Die Stadt sei durchaus bemüht, Anreize zu setzen und denjenigen, die sich offenkundig integrieren wollen und sich entsprechend verhalten, möglichst gute Räume zur Verfügung stellen zu können. Den Vorwurf, dass einer der beiden Hausmeister in Arsbeck Asylbewerber respektlos behandele, weist die Stadt ebenfalls entschieden zurück. Ein Unbekannter hatte kürzlich das Wort "Nazi" auf die Tür eines Hausmeisterbüros in der Arsbecker Gemeinschaftsunterkunft gesprüht. Die Stadt Wegberg stellte daraufhin Strafanzeige. "Unsere Hausmeister sind keine Nazis", sagt Gerd Pint. Es ist offenkundig, dass sich die Begeisterung über Petereks privates Wirken in der Flüchtlingshilfe bei der Stadtverwaltung zurzeit sehr in Grenzen hält. Weil das Thema sehr sensibel ist, hält sich Bürgermeister Michael Stock auf Anfrage mit einer Einschätzung zurück. Allerdings weist er darauf hin, dass die Stadtverwaltung auch Beschwerden von Flüchtlingen über das Verhalten von Gabi Peterek vorliegen habe.

"Uns geht es nicht darum, Stunk zu machen", sagt Gabi Peterek, "sondern wir möchten die Situation der Menschen in Arsbeck verbessern und entsprechende Lösungen finden."

Quelle: RP
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