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Pfarrer Franz Xaver Huu Duc Tran
Wallfahrt mitgetragen von der ganzen Pfarrei

Pfarrer Franz Xaver Huu Duc Tran: Wallfahrt mitgetragen von der ganzen Pfarrei
" Es freut mich sehr, dass es durch die Unterstützung vieler gelungen ist, dass mit Beginn der Holtumer Oktav die durch Brand entstandenen Schäden in der Josephskapelle in Holtum behoben sind und in der Kapelle wieder Gottesdienste stattfinden können", teilt Pfarrer Huu Duc Tran mit. Vor der Pilgermesse am 25. Juni (8 Uhr), dem Eröffnungssonntag der Oktav, werden er und der Leiter der Oktavwoche, Pfarrer Kurt Josef Wecker, in feierlicher Prozession mit den Gottesdienstbesuchern in die Kapelle einziehen, sie einsegnen und für liturgische Dienste wiederöffnen. FOTO: Heckers
Erkelenz. Zur Marienoktav (25. Juni bis 2. Juli) werden Tausende Pilger in Holtum erwartet. Das Thema lautet "Maria - Mutter und Königin des Friedens".

Holtum ist seit Jahrhunderten Wallfahrtsort. Hier wird die "Schwarze Madonna" besonders verehrt. Wann haben Sie den Wallfahrtsort Holtum kennengelernt und was hat Sie besonders beeindruckt?

Pfarrer Tran Kennengelernt habe ich diesen Wallfahrtsort Holtum erst im Juli 2010 mit meinem Dienstantritt in Wegberg. Ein winziges Dorf mit quasi einer Handvoll Einwohnern wird für eine Woche zum Treffpunkt für rund 6000 Pilgerinnen und Pilger hier im Erkelenzer Land. Mich beeindruckt es heute noch, mit wie viel Herzblut die Mitglieder des Holtumer Kapellenvorstandes mit ihren jeweiligen Helfern schon seit Jahren diese Woche organisatorisch auf die Beine stellen. Es ist einfach eine tolle Leistung. Mit ihrem Einsatz macht diese Truppe erst das Zusammenkommen der Pilger möglich und stiftet damit Gemeinschaft untereinander. Dafür bin ich als Pastor sehr dankbar. Mit diesem Organisations- und Helferteam ist mir nicht bange um die Zukunft der Holtumer Oktav.

Pater Franz, der letzte Pfarrer der ehemaligen Pfarrei St. Vincentius Beeck, hat Ihnen vor seinem Tod die Holtumer 0ktav ganz besonders ans Herz gelegt. Seither haben Sie sie fortgeführt. Warum ist Ihnen diese Oktavwoche so wichtig?

Pfarrer Tran Zunächst einmal hat mich Pater Franz beeindruckt. Leidenschaftlich kämpfte er, schon todkrank, um den Fortbestand dieser Oktav, die in seinem Leben eine ganz große Rolle gespielt hat. Sie war sein Lebenswerk. So viele Menschen kommen aus allen Himmelsrichtungen zusammen, um Maria zu ehren und ihrem Glauben Ausdruck zu verleihen - dies ist für mich wie ein Geschenk des Himmels. Wie hätte ich da eine solche gewachsene Tradition nicht fortführen wollen.

Pfarrer Huu Duc Tran erzählt auch von der Marienverehrung in der eigenen Familie. FOTO: Laaser (Archiv)

Das Programm zeigt, dass Sie besonders auch bestimmte Zielgruppen während der Woche ansprechen wollen. Welcher Gedanke hat dabei Pate gestanden und welche Erfahrungen haben Sie in den letzten Jahren damit gemacht?

Pfarrer Tran Die Idee mit den Zielgruppen stammt von Pater Franz. Ich kann mir gut vorstellen, dass er sich gewünscht hat, dass die unterschiedlichen Gruppen vom jeweiligen Oktav-Prediger gezielt angesprochen werden sollen. Zudem machen diese verschiedenen Gruppen deutlich, wie vielfältig und lebendig Kirche ist. Übrigens: Auch wenn im Programm zum Beispiel Wallfahrt der Bruderschaften, Verbände und Vereine steht - niemand ist ausgeschlossen, immer sind alle herzlich zu den Pilgermessen eingeladen. Bei der Beteiligung gäbe es noch "Luft nach oben". Vielleicht liegt das auch daran, dass sich der eine oder andere durch diese Benennung von Gruppen nicht angesprochen fühlt.

Seit der Fusion gibt es die Pfarrei Sankt Vincentius Beeck nicht mehr. Welche Auswirkung hat diese Entwicklung auf die Oktav gehabt?

Pfarrer Tran Eigentlich gibt es mit der Fusion keine Auswirkung auf den Ablauf und die Arbeit der Hauptverantwortlichen. Als Oktavbeauftragte nun der Pfarrei St. Martin organisiert und koordiniert Frau Klein, unsere Ehrenbürgermeisterin, diese besondere Woche, stets in enger Zusammenarbeit mit dem Kapellenvorstand und mir. Was sich aber entwickelt hat: Die Holtumer Oktav ist nicht mehr nur eine Angelegenheit von Beeck beziehungsweise Holtum. Vielmehr wird diese Woche mitgetragen von der ganzen Pfarrei St. Martin, indem bei den Pilgermessen beispielsweise Messdiener, Lektoren, Kommunionhelfer und Chöre aus allen Filialgemeinden unserer Pfarrei zum Einsatz kommen.

Welche Bedeutung hat die Marienverehrung für die katholische Kirche und für Sie persönlich?

Pfarrer Tran Mit der Marienverehrung werden bei mir viele Bilder lebendig. Diese sind zumeist verknüpft mit meiner Heimat, in besonderem Maße mit meinen beiden Omas. In ihrer Nähe habe ich erfahren, wie wichtig das gemeinsame Gebet ist. Wie Maria haben meine beiden Omas ihre Familien um sich geschart zum Gebet. Sie gaben mir damit eine spirituelle Basis für mein Leben. Bis heute gibt mir dies Halt und inneren Frieden. Und was wären die Jünger nach der Erfahrung vom Tod Jesu und dem Verlassenwerden ohne Maria gewesen? Sie hat die verängstigten Jünger im Obergemach in Jerusalem um sich geschart. Dank dieses Ausharrens im Gebet wurden die Jünger aus ihrer verzweifelten und verängstigten Isolation in die Gemeinschaft zurückgeholt. Das war die Voraussetzung für die Erfahrung des Heiligen Geistes an Pfingsten, und damit für das Entstehen von Kirche.

Ist Holtum in jedem Jahr immer nur für eine Woche Ziel von Pilgern, oder wird der Wallfahrtsort auch zu anderen Zeiten im Laufe eines Jahres aufgesucht?

Pfarrer Tran Beides ist wichtig, die lebendige Gemeinschaft in der Oktavwoche, aber ebenso das stille Gebet für sich alleine. Die Gnadenkapelle ist das ganze Jahr über offen. Wer will, kann immer bei der Gottesmutter Zuflucht suchen, seine Anliegen ihr anvertrauen, eine Kerze anmachen für einen lieben Menschen oder einfach nur zur Ruhe kommen.

Seit Jahren hat Holtum auch ein Pilgerheim, das während der Oktavwoche jeden Tag für die Pilgerinnen und Pilger geöffnet ist. Warum ist Ihnen dieser Aufenthaltsraum so wichtig?

Pfarrer Tran Leib und Seele gehören zusammen. Im Pilgerheim geht es vordergründig um das Frühstücken, um die Mahlzeit, aber es ist mehr als ein Butterbrot, eine Tasse Kaffee oder ein Glas Bier. Wir essen und trinken und erzählen miteinander. Menschen begegnen sich und kommen ins Gespräch - über Gott und die Welt.

MICHAEL HECKERS FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
 
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