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Aufregung in Wegberg
Flüchtling baut "Sprengstoffgürtel" für Kunstaktion

Wegberg-Petersholz: "Sprengstoffgürtel" nur eine Attrappe
Die Polizei rückte am Dienstag mit Spezialfahrzeugen in der ZUE Wegberg-Petersholz an, nachdem ein Flüchtling gegenüber einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin der Diakonie von einem "Sprengstoffgürtel" gesprochen hatte. FOTO: Uwe Heldens
Wegberg. Weil er sich mit der Attrappe eines Sprengstoffgürtels filmen lassen wollte, hat ein Flüchtling in Wegberg einen Großeinsatz von Polizei und Staatsschutz ausgelöst. Der Mann führte allerdings nichts Böses im Schilde. Es ging ihm um die Kunst. Von Michael Heckers

Der Flüchtling bat eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes NRW darum, ihn dabei zu filmen, wie er mit der Attrappe eines Sprengstoffgürtels zur Taschengeldausgabestelle geht. Daraufhin alarmierte die Einrichtungsleitung die Polizei.

Die Polizei rückte mit Spezialfahrzeugen an, außerdem kamen der Staatsschutz, der Rettungsdienst des Kreises Heinsberg und die Leitung der Wegberger Feuerwehr in die Flüchtlingsunterkunft. Unter den üblichen Sicherheitsbedingungen durchsuchten Polizeibeamte das Zimmer, in dem der Flüchtling lebt, und entdeckten die Attrappe eines Sprengstoffgürtels. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach sieht die Attrappe täuschend echt aus.

Die Polizei nahm den Mann in Gewahrsam und befragte Zeugen. Nach Bewertung der Aussagen kommt die zuständige Staatsanwaltschaft Mönchengladbach zu dem vorläufigen Schluss, dass keine Bedrohungslage vorgelegen habe. Der Mann habe die möglichen Konsequenzen seines ungewöhnlichen Verhaltens nicht erkannt, aus strafrechtlicher Sicht sei ihm aber kein Vorwurf zu machen.

Wie Oberstaatsanwalt Lothar Gathen gegenüber unserer Redaktion erklärt, habe der Mann eine ehrenamtliche Mitarbeiterin gebeten, ihn beim Basteln einer Sprengstoffgürtel-Attrappe zu helfen und ihn mit ihrem Smartphone dabei zu filmen, wie er mit der Attrappe zur Geldausgabestelle der Einrichtung geht. Die Frau habe diesen Wunsch zurückgewiesen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat die Frau den vermeintlichen Sprengstoffgürtel auf einem Foto, das ihr gezeigt wurde, zwar als unecht eingestuft, sich zur Sicherheit dennoch an die Leitung der ZUE Wegberg gewandt. Dann sei die Polizei informiert worden.

Attrappe sollte Kunst sein

Bei seiner Vernehmung soll der Bewohner der ZUE erklärt haben, dass er im Irak Kulturschaffender gewesen sei und er den Welttag des Theaters (27. März), der sich der darstellenden Kunst widmet, zum Anlass genommen habe, um sich mit der Attrappe des Sprengstoffgürtels filmen lassen zu wollen. Nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hat der Mann keinen Druck auf die ehrenamtliche Mitarbeiterin ausgeübt, nachdem diese seinen Wunsch zurückgewiesen hatte. Außerdem habe er sich entschuldigt, nachdem ihm sein Fehlverhalten klar geworden sein. Der Mann war noch am Dienstagabend wieder freigelassen worden und hält sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft nun wieder in der ZUE Petersholz auf.

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Seit Mitte 2015 dient die ehemalige Wohnsiedlung der britischen Streitkräfte als ZUE Petersholz Flüchtlingen nach ihrer Ankunft in Deutschland als erste Heimat, bevor sie nach drei bis sechs Monaten auf kommunale Einrichtungen in ganz NRW verteilt werden. Mit 800 Plätzen für Flüchtlinge und weiteren 800 Reserveplätzen hat das Land die ZUE Petersholz zur größten Erstaufnahmeeinrichtung im Regierungsbezirk Köln ausgebaut. Zurzeit leben dort rund 400 Menschen aus mehr als 20 unterschiedlichen Nationen. Betreiber der Einrichtung, ist seit dem 1. Februar 2017 der Verein Zukunftsorientierte Förderung (ZOF).

 
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