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Wegberg
Wie in einem Klangrausch

Wegberg. Jazz-Vibraphonist Matthias Strucken begeisterte sein Publikum in der Wegberger Mühle. Von Andreas Speen

Das wohl lyrischste Instrument aus der weiten Welt des Schlagwerks, das Vibraphon, stellte Matthias Strucken bei einem Jazzabend in der Wegberger Mühle vor und strich zugleich dessen perkussive Seite heraus. Mit viel Applaus wusste das Publikum zu würdigen, wie weit Strucken den klanglichen Bogen spannte, den dieses Instrument einem Musiker ermöglicht.

Matthias Strucken ist Jahrgang 1977, Dozent für Vibraphon an der Musikhochschule Köln sowie Gründer und Leiter eigener Bands. Einen Schwerpunkt seiner Konzerttätigkeit legt er auf die Musik von Milt Jackson, der als Mitbegründer des "Modern Jazz Quartetts" weltberühmt wurde und als eine der wichtigsten Persönlichkeit des Modern Jazz gilt. Strucken widmet dessen Wirken das "Milt Jackson Project" und hatte auch für das Konzert in Wegberg einige Kompositionen seines musikalischen Vorbilds mitgebracht. Das Fundament für den Solisten bereiteten Walfried Böcker (Kontrabass), Martin Sasse (Piano) sowie André Spajic (Schlagzeug). Eingeladen zu dem Konzert hatte der Kulturring Wegberg, der bereits für den 10. März und 19. Mai 2017 weitere Jazzkonzerte ankündigte, deren Solisten und Bandmusiker wie stets André Spajic zusammenstellen wird. Dass ihm vorschwebe, einen Abend mit einer Sängerin zu gestalten, verriet der am Rande des letzten Jazzabends dieses Jahres in der Mühle.

Mal war Matthias Strucken am Freitagabend die treibende Kraft, der sein Instrument wie im "Road Song" von Wes Montgomery in einen Klangrausch spielte. Oder der, wie im "Work Song" von Net Adderley, die Akkorde und chromatischen Läufe über sein Vibraphon jagte. Dann aber brachte er sein Instrument auch zum Singen, so in Georg Gershwins Ballade "I loves you, Porgy", oder tanzte sich durch Blue Mitchells Latin-Nummer "Fungii Mama". Viel Spaß verbreiteten Strucken und das Böcker-Sasse-Spajic-Trio mit dem Blues "Bags' Groove" von Milt Jackson, einem von Strucken komponierten Bossa Nova sowie mit dem Arrangement über den Marlene-Dietrich-Song "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt".

Matthias Strucken überzeugte seine Zuhörer als Solist, der sein Ensemble mit Blicken und Zeichen durch den Abend leitete, es aber auch verstand, seinen Mitmusikern das Feld für viele ausgedehnte eigene Soli zu bereiten. Wie er sich in diesen Momenten hinter sein Vibraphon, ein Instrument aus dem Hause Musser, hockte und seinen linken Oberarm auf die Metallstäbe legte, mag dabei vielleicht als sinnbildlich für seine Fähigkeit angesehen werden, in einem Konzert gleichermaßen Solist und Mitglied eines Jazz-Quartetts mit ebenso hervorragenden Kollegen sein zu können.

Quelle: RP
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