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Wegberg
"Wunden werden nie ganz heilen"

Wegberg: "Wunden werden nie ganz heilen"
Der Heimatverein wird nach Absprache mit der Familie einen Gedenkstein am Ehrenmal in Harbeck aufstellen. Pfarrvikar Theo Wolber sagt: "Ja, wir dürfen es nicht vergessen, um auch künftige Generationen immer wieder zu mahnen: Du Mensch, du hast nur ein einziges Leben, achte deines wie das der anderen." FOTO: RP
Wegberg. Der Heimatverein Harbeck lädt zur Kirmes ein. Es ist die erste nach dem schrecklichen Ereignis vom 13. Juli 2014, als ein junger Mensch sein Leben ließ. Von Michael Heckers

Etwas sorgenvoll schauen die Verantwortlichen dem Kirmeswochenende in Harbeck (17. bis 21. Juli) entgegen. Die Erinnerung an das schreckliche Ereignis aus dem vergangenen Jahr ist noch wach: Nach einer Messerstecherei vor dem Festzelt ließ in der Nacht zum Kirmessonntag ein 17-Jähriger sein Leben, sein Bruder wurde schwer verletzt. Eine solche Tragödie ausgerechnet in Harbeck? Wo man stets das Gefühl hatte, dass dort eine große Familie feiert? Schon damals kam die Frage auf: "Können wir hier überhaupt wieder unbeschwert feiern?" "Ja", sagt Theo Wolber, Pfarrvikar an St. Martin Wegberg. Seine Antwort lautet: "Es geht sicher nicht darum so zu tun, als sei nichts gewesen. Aber ich bin fest davon überzeugt: Wir sollen und müssen wieder feiern und beisammen sein."

Das gemeinsame Feiern möchte Theo Wolber auch als Mahnung verstanden wissen. Ein Fest des Friedens mit dem Wunsch, dass es soweit nie mehr kommen darf. "Keine Meinungsverschiedenheit ist es wert, dass sie so eskaliert", schreibt Theo Wolber im Vorwort der Harbecker Kirmeszeitung, die der Heimatverein herausgibt und mit einer Auflage von 1200 Stück an die Haushalte im Dorf verteilt hat.

Pfarrvikar Wolber ist überzeugt: "Die Wunden des vergangenen Jahres werden nie ganz heilen, weder auf Opfer- noch auf Täterseite. Aber möge es gelingen, mit ihnen Leben zu können. Leben mit dem festen Willen, dass Gewalt niemals eine Option in unserem menschlichen Zusammenleben sein darf."

Nach Absprache mit der betroffenen Familie stellt der Heimatverein einen Gedenkstein in Erinnerung an das Opfer am Ehrenmal an der Harbecker Straße auf. "Ja, wir dürfen es nicht vergessen, um auch künftige Generationen immer wieder zu mahnen: Du Mensch, du hast nur ein einziges Leben, achte deines wie das der anderen", sagt Theo Wolber. Der Täter, ein damals 18 Jahre alter Mann aus Erkelenz, wurde im April 2015 nach zwölf Verhandlungstagen vor der Ersten Großen Jugendkammer des Mönchengladbacher Landgerichts wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu einer Einheitsjugendstrafe von sechs Jahren verurteilt.

Pfarrvikar Wolber hofft, dass die Harbecker Kirmes am kommenden Wochenende ein frohes Fest wird, bei dem man zusammenrückt und Freundschaft pflegt. Den Auftakt zu den Kirmesfeierlichkeiten macht am Freitag um 19 Uhr das Aufstellen des Maibaumes am Kirmesplatz an der Venloer Straße. Am Samstag geht es ab 18.45 Uhr (ab Gaststätte Jackels, Harbecker Straße) mit dem Festzug durch den Ort mit Gefallenenehrung und dem Festball im Festzelt (20 Uhr) weiter, bei dem die "Federation Party- und Coverband" aufspielt. Am Sonntag gestaltet Pfarrvikar Theo Wolber ab 11 Uhr mit Unterstützung der Männergesangvereine "Harbecker Sänger" und Vogelsrath einen Gottesdienst im Festzelt. Anschließend wird nach altem Brauch im Harbecker Festzelt der neue König ausgeguckt. Für die kleinen Besucher steht am Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr das Kinderfest auf dem Programm.

Am Montag geht es mit der Klompenparade (18.45 Uhr) und dem Klompenball (19 Uhr) mit dem "Sunshine Trio" weiter. Den Abschluss der Harbecker Kirmes bildet am Dienstag der Festzug (19 Uhr) mit anschließendem Königsball (Sunshine Trio), dem Auftritt der Horbecker Jonges und dem traditionellen Heringsschürgen.

Quelle: RP
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