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Wegberg
Zurück ins Mittelalter

Wegberg: Zurück ins Mittelalter
Detlef Hoffmann (v.l.), Dirk Peters, Sabina Peter-Janssen, Leon und Tobias arbeiten in der Kreativ-Schmiede an Messern und kunstvoll gebogenen Haltern. Kurse, Kindergeburtstage und Ferienbetreuung können dort organisiert werden. FOTO: Jörg Knappe
Wegberg. Sehr ursprüngliche handwerkliche Tätigkeiten wie Schmieden, Filzen oder Arbeiten mit Holz können bei einem "Ausflug ins Mittelalter" in der Kreaktiv-Schmiede von Dirk Peters und Sabina Peters-Janssen ausgeführt werden. Von Nicole Peters

Hammerschläge hallen kraftvoll durch die Luft. Ein niedriges Feuer erhellt einen Teil des Raumes. Es brennt in der Schmiedeesse, der Luft mit einem elektrischen Gebläse zugeführt wird. Die Teilnehmer eines vierstündigen Workshops, der den Titel "Ein Ausflug ins Mittelalter" trägt, lassen die Stahlteile so lange im Feuer liegen, bis sie gelb-orangfarben glühen. Temperaturen von bis zu 1200 Grad verändern die Struktur des Materials in der Form, dass es sich nun mit ihren Hammerschlägen bearbeiten lässt.

An diesem Tag fertigen die Schmiedeleute Messer oder kunstvoll gebogene Halter in der Kreativ-Schmiede an. Im Innenhof wird gefilzt, werden Holzarbeiten gefertigt und garen Speisen nach mittelalterlicher Rezeptur im Topf über offenem Feuer. "Bei uns darf jeder machen, was er kann und soll Spaß haben", erzählt Sabina Peters-Janssen, die Kfz-Meisterin ist und den Workshop zusammen mit Ehemann Dirk Peters leitet. "Wir wollen Fähigkeiten vermitteln und altes Handwerk wiederaufleben lassen."

Wie viel Muskelkraft und Ausdauer das Schmieden fordert, erfahren die Freunde Niclas und Luca (zehn Jahre). Rund eine Stunde lang haben sie wiederholt den Stahl erhitzt, unter Sicherheitsvorkehrungen auf den Amboss gelegt und mit dem Hammer bearbeitet. Das Stauchen des Messergriffes gehört ebenso zu den Arbeitsschritten wie das Austreiben des Stahls für die Schneidefläche. "Kraft braucht man beim Schlagen", beschreibt Niclas seine Erfahrung, die ihm sehr viel Spaß gemacht hat, "außerdem ist es in der Nähe des Feuers richtig heiß." Heiß und anstrengend fand auch Luca die Tätigkeit. Jeder Junge wird im Anschluss ein Messer mit nach Hause nehmen. Im Innenhof sind weitere Teilnehmer mit dem Filzen von zarter Merino-Schafwolle und fester Bergschaf-Wolle zugange. Mit Olivenseife und Wasser erzeugen sie durch Reiben mit den Handflächen mehrfarbige Filzlagen, in deren Rand sie Löcher bohren. Sie filzen passende Kordeln, die sie einfädeln und somit sehr individuell gestaltete farbige Beutelchen erhalten. Heike Kuipers, die mit Tochter Daniela Chomicz und Enkelin Lena (sechs) filzt, ist über den Aufwand erstaunt: "Man sieht, wie viel Arbeit und Zeit man mit der Herstellung einzelner Sachen verbringt. Heutzutage nimmt man eine Nähmaschine und ein Stück Stoff." Sie sei zuvor schon einmal auf dem Flachsmarkt in Rheindahlen gewesen, auf dem Kinder kleinere Handgriffe ausüben könnten. Der Workshop biete allerdings viel mehr Möglichkeiten, sich handwerklich zu betätigen. "Wenn man Dinge selbst herstellt, haben sie eine ganz andere Wertigkeit", bestätigt Sabina Peters-Janssen, die mit ihrem Mann ganze Schulklassen etwa beim Schmieden von Schlangen und Schnecken betreut, "Menschen jedes Alters erhalten hier die Fertigkeiten, um ihren eigenen Geschmack umsetzen zu können."

Weiteres Handwerk an diesem Tag: Holzvorlagen in Mäuseform abschmirgeln und mit dem Akku-Bohrer Löcher für Schwänzchen und Ohren bohren, die aus geflochtenen Bändern und bunten Effektfäden bestehen. Wenige Meter weiter köchelt Hähnchenfleisch in Salbei-Sahnesoße im Emailletopf über dem offenen Feuer. Rund eine Stunde braucht es, um gar zu werden. Tobias Fossen kocht nach überlieferter mittelalterlicher Rezeptur und trägt Mehl, Eier und Gewürze herbei, aus denen er Teig für Spätzle anfertigt. Die Kräuter für Kräuterbutter hat er bereits gehackt, und als Nachtisch wird es Quark mit Honig und Walnüssen geben. Fossen ist Mitglied der Krefelder Gilde "Der freie Haufen zu Krinvelde" - die 30 Mitglieder besuchen an etwa 15 Wochenenden im Jahr Heerlager. Dann kocht er auch für große Gruppen.

Quelle: RP
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