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Wegberg
Zwischen Hoffen und Bangen

Wegberg: Zwischen Hoffen und Bangen
Gabi Peterek (von links) vom Verein "Asyl in Wegberg" im Gespräch mit Mohamad Firoz aus Afghanistan, Boubacar Barry aus Guinea und Sunita Firoz aus Afghanistan. FOTO: Jürgen Laaser
Wegberg. Flüchtlinge berichten, wie sie ihren Alltag gestalten und die deutsche Sprache lernen. Obwohl sie erleichtert sind, in Deutschland endlich in Sicherheit zu sein, zehren Ungewissheit und fehlende Arbeit an ihren Nerven. Von Nicole Peters

Vereinsvorsitzende Gabi Peterek hat die Flüchtlinge bei mehreren Gelegenheiten während ihrer ehrenamtlichen Arbeit zunächst für die Bürgerinitiative und später für den sich daraus formierenden Verein "Asyl in Wegberg" kennengelernt. Sie sitzt zusammen mit ihnen in ihrem Büro. Nach und nach erzählen sie von sich.

Etwa über Freizeitgestaltung, das Erlernen der deutschen Sprache oder ihre Situation in der Heimat. In erster Linie überwiegt die Erleichterung darüber, in Deutschland in Sicherheit zu sein. Wobei auf der anderen Seite fehlende Arbeit und Ungewissheit darüber, ob der Asylantrag Erfolg haben wird, Ängste und Stress auslösen.

Boubacar Barry aus Guinea ist seit anderthalb Jahren in Deutschland und hat die Aussicht, ab Februar eine Hilfstätigkeit in einem Wegberger Unternehmen beginnen zu können. Nur die Agentur für Arbeit muss noch zustimmen - die 15 Monate Wartefrist hat er ja bereits hinter sich. Genau so lange ist es ungefähr her, dass er seinen Asylantrag stellte. Das große "Interview" dazu fehlt bisher.

"Ich fände es gut, arbeiten zu können", sagt er in flüssigen Sätzen, "ohne Arbeit ist es langweilig, ich bleibe nur zu Hause, habe hier keine Familie und weiß nicht, ob ich bleiben kann." Vor allem die Ungewissheit darüber, wie seine Zukunft aussieht, macht ihm sehr viel Stress. Und er bedauert es, dass er Frau und Kind zuhause lassen musste. Grund für ihn, bei der deutschen Botschaft in seinem Heimatland ein Visum für den Flug hierher zu beantragen, ist ein gesundheitlicher. "In Afrika konnte ich nachts aufgrund der Schmerzen nicht mehr schlafen", erzählt er, "jetzt ist es besser, seit ich Schmerztabletten bekomme." Gute ärztliche Versorgung gebe es in Guinea jedenfalls in seinem Fall nicht.

Bei Ehepaar Mohamad und Sunita Firoz, deren Tochter inzwischen in den Kindergarten "Pusteblume" geht, hatte es 50 Tage gedauert, bis sie den Weg von Afghanistan aus bewältigt hatten. Zwischen der Türkei und Italien hatten sie eine Woche auf einem Schiff verbracht, ansonsten waren sie mit Auto, Zug oder zu Fuß gereist. Zehn Jahre hatte er für die "ISAF" der Nato gearbeitet und war mehrfach von den Taliban bedroht worden. Beide haben in Deutschland Sprachkenntnisse im Sprachcafé in Dalheim und in VHS-Anfängerkursen erlangt. Zurzeit hört Mohamad Firoz drei Tage die Woche beim Sprachkurs der Arbeitsagentur in Erkelenz zu - dieser wird nur für Bewohner aus Syrien, Eritrea oder dem Irak gefördert - und sie nimmt, wie Boubacar Barry auch, an den zweimal wöchentlich stattfindenden Sprachkursen teil, die Ehrenamtliche der katholischen Kirche in der kommunalen Einrichtung in Tüschenbroich anbieten. Das Paar geht gerne ins Schwimmbad, liest viel und lernt in seiner Freizeit. Auch die Eheleute warten in erster Linie auf die Entscheidung über ihren Asylantrag - sie kamen vor etwa 14 Monaten her. Mohamad Firoz hofft, bei einer Zusage als Dolmetscher in der Flüchtlings-Unterkunft Petersholz arbeiten zu können, was er bereits ehrenamtlich macht. Sunita Firoz wird demnächst im Büro des Vereins "Asyl in Wegberg" mithelfen - sie hatte in ihrer Heimat anderthalb Jahre Jura studiert.

Ein Besucher - der Syrer Ayas Shekhmus - ist an diesem Tag nicht gekommen. Er ist am Samstag stolzer Vater des kleinen Ibrahims geworden. Damit hat seine Flucht zusammen mit seiner hochschwangeren Frau insofern schon einmal ein gutes Ende gefunden. "Seit November vergangenen Jahres ist er im Land und hofft darauf, in Zukunft als Betreuer in Petersholz beschäftigt zu werden", sagt Peterek. Sobald er der deutschen Sprache mächtig ist, wird er sich als gelernter Bauingenieur voraussichtlich auch bei Baufirmen bewerben.

Quelle: RP
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