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Ostern Starke Frauen
15 Stunden Ehrenamt für Gottes Lohn

Ostern Starke Frauen: 15 Stunden Ehrenamt für Gottes Lohn
Dorothea Hoffrogge am Waffelstand der Kirchengemeinde Hilgen-Neuenhaus an der Balkantrasse - es ist ein Platz in Wermelskirchen, an dem sich die 53-Jährige sehr gerne aufhält. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Dorothea Hoffrogge ist seit fast 20 Jahren Presbyteriums-Vorsitzende in Wermelskirchens kleinster evangelischer Gemeinde. Von Wolfgang Weitzdörfer

Dorothea Hoffrogge ist eng mit der kleinsten evangelischen Kirchengemeinde in Wermelskirchen verbunden: "Ich bin in der Gemeinde Hilgen-Neuenhaus aufgewachsen, mein Vater war hier seinerzeit Pfarrer", sagt die 53-Jährige, die erst kurz vor Ostern erneut zur Vorsitzenden des Presbyteriums gewählt wurde.

Nach ihrem Bauingenieurs-Studium, das sie in Hannover und Aachen absolviert hatte, und einer ausgedehnten Elternzeit - Hoffrogge und ihr Mann, ebenfalls Ingenieur, haben vier gemeinsame Kinder - ist sie erst vor sieben Jahren als Mathelehrerin an einem Gymnasium in Leverkusen wieder in die Berufswelt eingestiegen. "Ich hätte mir zwar nach dem Abi nie träumen lassen, dass ich eines Tages als Lehrerin arbeiten würde, aber mich erfüllt der Beruf mittlerweile sehr", sagt Hoffrogge lachend.

Die Presybteriumsarbeit begleitet sie bereits seit 24 Jahren: "Damals war ich noch einfaches Mitglied, der Lenneper Superintendent schlug aber vor 19 Jahren vor, dass den Vorsitz auch ein Nicht-Theologe übernehmen könnte. Ich war damals mit dem vierten Kind schwanger und habe mir gedacht, dass ich das doch einfach mal ausprobieren könnte." Was eigentlich als Übergang gedacht war, hat sich indes zum zeitlich durchaus umfangreichen Ehrenamt auf Dauer gemausert, wie Hoffrogge schmunzelnd sagt: "Das sind 15 Wochenstunden für Gottes Lohn."

Ihre Aufgaben sind vor allem administrativer Natur: die Leitung der Gremiumssitzungen, die Umsetzung der Beschlüsse, Hoffrogge ist siegelführungsberechtigt und außerdem dem Küster, dem Organisten und dem Posaunenchorleiter dienstvorgesetzt: "Eine Menge Vertrauen und ebenso viele Pflichten" - so fasst die 53-Jährige ihre Aufgaben zusammen.

Neben diesen Verwaltungsaufgaben ist die Flüchtlingsarbeit für Hoffrogge ein beherrschendes Thema - und das nicht erst, seitdem die Menschen aus dem arabischen Raum nach Europa strömen: "Ich habe das Thema erstmals bewusst wahrgenommen, als ich eine Familie vom Balkan kennenlernte, aus der der Mann abgeschoben werden sollte. Da habe ich gemerkt, was an so einer Flüchtlingsgeschichte alles dranhängt", erzählt Hoffrogge. "Wenn man sich selbst als Christ bezeichnet, muss man die Menschen, die bei uns Schutz suchen, ansehen, mit ihnen sprechen, sie kennenlernen wollen."

Hoffrogge war zudem von Anfang an bei der Initiative "Willkommen in Wermelskirchen" dabei: "Für mich ist diese Arbeit eine persönliche Bereicherung, ich habe dadurch so viele wertvolle Menschen kennengelernt - aus der ganzen Welt, aber auch aus Wermelskirchen selbst", sagt die 53-Jährige, die mit ihrer Familie in Burscheid wohnt.

Da sie in Kontakt mit der Diakonie Kosovo steht, sind ihr die Menschen aus dieser Region besonders ans Herz gewachsen, auch weil sie die Lebensumstände vor Ort aus eigener Erfahrung von mehreren Besuchen kennt: "Für mich ist die Situation dort immer noch der Inbegriff von Zerstörung. Und wenn man sieht, in welcher Armut vor allem die Roma dort leben müssen, dann passt es für mich nicht, von 'Wirtschaftsflüchtlingen' zu reden", sagt sie. Folgerichtig unterstützt die Gemeinde in Hilgen-Neuenhaus die Menschen im Kosovo - und sorgt zudem für regen Austausch. "Im Juli kommt eine Gruppe jugendlicher Kosovaren mit einer Tanzgruppe zu uns, im Herbst wird dann eine Jugendgruppe von uns in den Kosovo fahren", sagt Hoffrogge.

Entspannung findet sie in ihrer Familie - und der Musik: "Ich spiele Posaune und Klarinette. Es ist wichtig, für Freiräume zu sorgen", sagt sie lächelnd. Dann gehe auch die teils anstrengende Arbeit leichter. Denn bei aller Freude, die sie bereitet: "Manchmal gibt es auch Schwierigkeiten, wenn man mit Menschen zu tun hat. Aber man wächst da rein."

Quelle: RP
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