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Wermelskirchen
264.000 Jodtabletten für den Ernstfall

Wermelskirchen. Sollte es zum GAU in den belgischen Reaktoren kommen, werden Tabletten mit spezieller Dosierung an Kinder, Jugendliche und Schwangere verteilt. Wie, ist noch völlig unklar, heißt es beim Kreis. Von Udo Teifel

153 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Wermelskirchen und dem belgischen Atomreaktor Tihange. "Bröckelreaktor" nennt NRW-Umweltminister Johannes Remmel die Anlagen in Tihange und Doel. Aus Sorge vor einem GAU kauft das Land Jodtabletten - und verteilt sie an die Katastrophenschutzbehörden im Land. Wann die hoch dosierten Tabletten ins Bergische geliefert werden, ist völlig unklar, sagt Hannah Weisgerber, Sprecherin des Rheinisch-Bergischen Kreises.

264.000 Jodtabletten wird der Kreis erhalten und an seine Kommunen verteilen. Diese Zahl hat nicht die Kreisverwaltung ermittelt, sondern das Land Nordrhein-Westfalen. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren und Schwangere sollen diese Tabletten bekommen. Wann, darüber ist auch die Kreisverwaltung noch nicht informiert. Ordnungsamtsleiter Arne Feldmann wüsste auch gern, wie die Verteilung in einem Katastrophenfall abläuft. "Es liegt eine entsprechende Anfrage der CDU vor. Wir haben die weitergeleitet an den Kreis, aber noch keine Antwort erhalten."

Die Angst vor einer Reaktorkatastrophe in den belgischen Reaktoren ist da, sonst würde NRW keine Vorsorge treffen. Warum aber unbedingt Jodtabletten? Tritt bei einem Atomunfall radioaktives Jod aus, kann dieses über Haut, Schleimhäute des Körpers und Atemwege vom Körper aufgenommen und in der Schilddrüse gespeichert werden. Radioaktives Jod kann Schilddrüsenkrebs auslösen. "Durch die Einnahme hoch dosierter Jodtabletten wird die Aufnahme des freigesetzen radioaktiven Jods in der Schilddrüse blockiert", erklärt die Gesellschaft für Endokrinologie.

Diese Tabletten schützen aber nur vor Schilddrüsenkrebs, nicht aber vor anderen Krankheitsbildern, die nach dem Kontakt mit radioaktiven Stoffen auftreten können - etwa die Strahlenkrankheit oder andere Krebsarten. Im Grenzbereich kaufen Bewohner bereits Ganzkörperanzüge, Atemschutzmasken mit besonders guten Filtern und Schutzbrillen.

Relativ gelassen scheinen die Wermelskirchener das Thema hinzunehmen. Apothekerin Ursula Buhlmann hat noch keine Anfragen von Bürgern. Auch sie hat keine Informationen, wie die hoch dosierten Jodtabletten verteilt werden sollen. Andererseits werde in den sozialen Netzwerken "hochemotional" diskutiert. "Ich habe mehrfach versucht, sachlich zu informieren und zu argumentieren. Das ist aber schwierig", berichtet sie.

Sie empfiehlt besorgten Bürgern eine Homepage des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, wo jede Frage ausführlich und einfach erklärt werde. "Es ist wichtig zu wissen, dass die benötigten Jodtabletten eine spezielle Dosierung haben und nicht zu vergleichen sind mit normalen Tabletten zur Jodergänzung, die viele einfach kaufen wollen", so die Apothekerin.

www.jodblockade.de

Quelle: RP
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