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Wermelskirchen
370.000 Euro Schaden durch Einbrüche

Wermelskirchen: 370.000 Euro Schaden durch Einbrüche
Einen kleinen Teil des Diebesgutes präsentierte die Polizei gestern. Den Großteil der Beute hat die Einbrecherbande bereits im In- und Ausland verkauft. Die Polizei geht zurzeit von einem Beuteschaden von 370.000 Euro aus. FOTO: Radermacher
Wermelskirchen. Eine von der Polizei festgenommene Bande aus Rumänien ist für 200 Einbrüche in ganz NRW verantwortlich - auch in Beutelshufe in Wermelskirchen schlug sie zu. Ein aufmerksamer Zeuge brachte die Ermittlungen im Juli ins Rollen. Von Sebastian Radermacher

Einem aufmerksamen Zeugen ist es letztlich zu verdanken, dass die Polizei Rhein-Berg am Donnerstag eine landesweit agierende Einbrecherbande aus Rumänien zerschlagen konnte (BM berichtete). Gestern gab die Polizei Einzelheiten zu einem der größten Fahndungserfolge der Behörde in Bergisch Gladbach bekannt. Der Zeuge hatte im Juli einen Einbruch in Bergisch Gladbach beobachtet. Die Täter konnten zwar fliehen, der Mann merkte sich aber das Kennzeichen des Autos. "Bereits nach kurzer Zeit wussten wir, dass die Täter im Bereich Herne und Gelsenkirchen ihre Aufenthaltsorte hatten", sagte Ingo Gebhardt, Leiter der Ermittlungsgruppe. Von dort aus starteten sie ihre Einbruchsserie. Gebhardt: "Sie waren äußerst reisefreudig, waren auch in Holland, Schweden, Dänemark und ihrem Heimatland unterwegs."

Bei der Fahndung nach den Tätern arbeiteten die Polizeibehörden Rhein-Berg und Bochum vorbildlich zusammen. Sie überwachten die Telefone der Personen und konnten so zehn Mitglieder, darunter eine Frau, im Alter von 23 bis 42 Jahre identifizieren. Das Diebesgut hat einen Schaden von mehr als 370.000 Euro. Es fehlt noch etwa ein Viertel der Strafanzeigen, erst dann steht eine genaue Summe fest. Laut Gebhardt ist aber wahrscheinlich, dass der Gesamtschaden (mit Sachschaden an und in Gebäuden) mehr als eine Million Euro beträgt.

Der Ermittlungsgruppe war es gelungen, am Donnerstag in einer groß angelegten Aktion die sogar europaweit agierende Einbrecherbande aus Rumänien zu zerschlagen, mehr als 120 Einbrüche seit Juli dieses Jahres (darunter einer in Beutelshufe am 21. August) aufzuklären und vier Personen festzunehmen. Drei Haftbefehle wurden vollstreckt, die vierte Person befindet sich wieder auf freiem Fuß. Fünf weitere Bandenmitglieder sind im Ausland untergetaucht und werden mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Familien-Clan aus Rumänien, der bislang in Deutschland unbekannt war - weitere 80 Einbrüche begangen hat.

Einen Großteil der Beute (Schmuck, Handys, Laptops, Tablets, Besteck) hat die Bande bereits auf dem Schwarzmarkt und in Geschäften wieder verkauft. Teilweise wurde die Beute per Post oder mit Bussen nach Rumänien transportiert, weil Diebesgut dort einfacher verkauft werden kann. Die sichergestellte Beute wird zurzeit erfasst. Die Polizei versucht, sie den einzelnen Einbrüchen zuzuordnen.

Die Täter gingen immer nach dem selben Muster vor: Sie fuhren - meist zu viert - mit einem Auto durch Wohngebiete und guckten sich Wohnobjekte aus, in der Regel Einfamilienhäuser. Dann klingelten sie an der Tür. Wenn niemand öffnete, gingen sie in den Garten, schlugen mit einem Stein die Terrassentür oder ein Fenster ein und gelangten so ins Haus. Meist warteten zwei Täter im Auto und hielten Kontakt. Ungewöhnlich: Die Bande schlug nicht in den Abendstunden oder nachts zu, sondern meist am Vormittag. "Teilweise wurden vier Einbrüche pro Tag verübt. Wenn die Bande vormittags nicht erfolgreich war, hat sie es nachmittags weiter versucht", sagte Ermittler Gebhardt.

Die Festnahmen am Donnerstag sind ein wichtiger Schritt, die Ermittlungen aber noch lange nicht beendet. Am Montag gibt es ein Treffen der Ermittlungsgruppe mit Vertretern von LKA und Europol. "Die internationale Zusammenarbeit der Polizei ist intensiviert worden", sagte Polizeichef Gerhard Wallmeroth. Und Hermann Terjung, Leiter des Kriminalkommissariats zwei, fügte an: "Wir müssen davon ausgehen, dass die gesuchten Täter weitere Einbrüche verüben werden. Es liegt noch viel Arbeit vor uns." Es ist wahrscheinlich, dass weitaus mehr Personen zu der Bande gehören als die zehn identifizierten. "Es ist wie ein großer Stammbaum, bei dem jeder Ast eine kleine Gruppierung ist. Die Täter waren immer in wechselnden Besetzungen unterwegs", sagte Gebhardt.

Quelle: RP
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