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Wermelskirchen
75 deutsche und polnische Musikschüler geben ein Konzert

Wermelskirchen. Musik verbindet. Bei den Proben für ein Klassikkonzert von deutschen und polnischen Schülern werden Unterschiede im Schulsystem deutlich. Von Melina Eickhorn

Wenn sich am Donnerstagnachmittag die Türen im Inneren des Bürgerzentrums öffnen, schallt immer andere Musik heraus: Mal sind es Fetzen von Celine Dions "My Heart Will Go On", dem Titelsong des Films "Titanic", ein anderes Mal hört der aufmerksame Zuhörer, dass im Nebenraum leise Tonleitern gesungen werden. Bis Sonntag noch proben 27 polnische Musikschüler aus Tychy und deutsche Freizeitmusiker aus den Musikschulen in Wermelskirchen und Leichlingen für ein klassisches Konzert, bei dem Filmmusik vorgetragen wird; insgesamt nehmen 75 Schüler im Alter von elf bis 18 Jahren teil.

Die polnischen Gäste sind unter diesen musikalischen Rahmenbedingungen sehr willkommen. Denn während es für sie meist gut läuft, heißt es für die Deutschen von Musikschulleiter David Hecker, der mit den jungen Streichern, Kontrabassisten, Gitarristen und Pianisten übt, manchmal: "Ihr spielt Quatsch!" Und Susanne Bonenkamp, Kulturreferentin des Rheinisch-Bergischen-Kreises, beschreibt die Niveauunterschiede zwischen den deutschen und polnischen Teilnehmern, indem sie ihre Arme so weit wie möglich auseinanderhält.

Die polnischen Schüler kommen von der Zespól Szkól Muzycznych w Tychach, einer Musikschule, für die sie sich in einer Aufnahmeprüfung bewerben mussten. Sechs Jahre lang erlernen sie eines oder mehrere Instrumente, die Älteren singen meist im Chor, viele der Schüler werden Berufsmusiker. Bei den Instrumenten, von denen sie dabei Gebrauch machen dürfen, bekomme sie vor Neid ganz große Augen, sagt Susanne Bonenkamp; in beinahe jedem Klassenraum stehe ein namhaftes Klavier.

In Polen wählen Schüler bereits in der Grundschule einen Schwerpunkt, bei den 27 Gästen, die am Donnerstag nach 14 Stunden Busfahrt in Wermelskirchen ankamen, ist es die Musik. In Deutschland wird die Begeisterung für Musik meist in der Freizeit ausgelebt. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich die Deutschen mit den Noten etwas schwerer tun. Das wissen auch die Musiklehrer und Susanne Bonenkamp. Man habe versucht, ein Programm zusammenzustellen, das für alle Beteiligten auf Augenhöhe liege, das sei die Kunst. "Unsere sind professionelle, die Deutschen sind Amateure", heißt es von Danuta Wencel, die als Dolmetscherin mitgereist ist. Hinter der Bläsergruppe, die fast vollständig aus deutschen Kindern besteht, und die den Titelsong zu "Familie Feuerstein" schon prima beherrscht, sitzt ein polnischer Schlagzeuger, der an diesem Donnerstag als Einziger improvisiert.

Die polnischen Gäste sind meist in den Familien der deutschen Kinder untergebracht, die ebenfalls bei dem Projekt mitmachen. Gestern besichtigten sie Schloss Burg, heute Abend gibt es im Jugendzentrum Leichlingen eine Party. Natürlich wird auch noch ganz viel musiziert. Am Sonntag findet das Konzert statt.

Quelle: RP
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