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Wermelskirchen
AfD-Diskussionsrunde artet in hitzige Wortgefechte aus

Wermelskirchen. Bei einer Diskussionsrunde der AfD Wermelskirchen zur europäischen Regierungskrise ging es am Sonntag hoch her. Statt um das eigentliche Thema ging es erst einmal um die Haltung der AfD in der Flüchtlingskrise, die vielen Wermelskirchenern gar nicht gefällt. 

Etwa 50 Gäste waren der Einladung der AfD Wermelskirchen zu einer Diskussionsrunde in die Bürgerhäuser gefolgt - weit mehr als die Hälfte war AfD-Gegner. Ratsmitglied Karl Springer hatte eine Diskussion zur "Europa- und Regierungskrise" vorgesehen. Erst 40 Minuten nach Veranstaltungsbeginn begannen die Besucher, sich über dieses Thema auszutauschen.

Zuvor hatten die Parteigegner lautstark deutlich gemacht, dass sie sich in ihrer Hilfsarbeit für Flüchtlinge in Wermelskirchen von der AfD behindert fühlen. Sie kritisierten, dass sich der Ortsverein von hetzerischen Aussagen eigener Mitglieder und denen des Landesvorsitzenden Marcus Pretzell nicht eindeutig distanziere.

Der Vorwurf lautete: Mit diesem Verhalten gebe man Anhängern des Nationalsozialismus' Anknüpfungspunkte. Bereits nach wenigen Sekunden artete die Veranstaltung in hitzige Wortmeldungen aus. Diskutierende beider Seiten unterbrachen sich, nur wenige ergriffen sachlich das Wort. "Wermelskirchen ist, was die Erstaufnahmeeinrichtungen angeht, eine Vorzeigestadt", meinte Mike Galow, zuletzt Bürgermeisterkandidat für "Die Linke". Die AfD versuche, aus den Ängsten der Anwohner Profit in Form von Wählerstimmen zu schlagen. AfD-Ortsvorsteher Hans-Joachim Lietzmann sagte, dass die Partei es begrüße, wie die Wermelskirchener den Flüchtlingen helfen. "Ich bin aber zu der Entscheidung gekommen: Ich arbeite da nicht mit", meinte er und kritisierte die Willkommens-Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Dies stieß wiederum den AfD-Gegnern sauer auf. Sie forderten Lietzmann auf, ihnen in der Flüchtlingsaufgabe mit konstruktiver Hilfe zur Seite zu stehen. "Helfen Sie mit, dann wird es auch für uns einfacher. Denn gemeinsam schaffen wir das", lautete der Tenor. Wer versuchte, seine Meinung sachlich zu äußern, kam an diesem Abend meist nicht weit. Wer schrie, wurde von lauterem Geschrei übertönt. "Wir geben hier ein erbärmliches Bild ab, unter dem Aspekt, dass hier erwachsene Menschen sitzen und sich nicht vernünftig miteinander unterhalten können", sagte Karl Springer.

Nach mehr als einer Stunde verließen die AfD-Gegner - einige hatten sich mit Ansteckern der Initiative "Willkommen in Wermelskirchen" und beschrifteten T-Shirts ("bunt gegen braun") ausgerüstet - erzürnt die Bürgerhäuser. Draußen machten sie noch ein Foto mit Protest-Plakaten. "Wir haben die Veranstaltung bewusst nicht im Vorfeld blockiert. Wir wollten die AfD demaskieren", sagte Karl-Reiner Engels (Die Linke). In den Bürgerhäusern wurde dann über Merkels Politik gesprochen.


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(rbrt)