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Wermelskirchen
Alle arbeiten Hand in Hand für die Natur

Wermelskirchen: Alle arbeiten Hand in Hand für die Natur
Junge Laubbäume, die in Wermelskirchen in einem Waldstück hochgezogen werden, das der NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat und Kulturpflege gehört. Zweck ist, den vorhandenen Fichtenwald durch Laubbäume zu ersetzen. FOTO: wolfgang Weitzdörfer
Wermelskirchen. Die Biologischen Stationen Rhein-Berg und Oberberg kümmern sich mit Landwirten, Naturschutzverbänden und der Politik um den Naturschutz. "Die Zusammenarbeit ist hervorragend", sagt Leiter Frank Herhaus beim Besuch der BM. Von Wolfgang Weitzdörfer

Es steht 24:4 - zumindest in Jahren. "Vor 24 Jahren wurde die Biologische Station Oberberg gegründet, die ihren Sitz in Nümbrecht hat. Vier Jahre ist es jetzt her, dass auch in Rhein-Berg eine Biologische Station mit Sitz in Rösrath gegründet wurde", sagt der Leiter der beiden Stationen, der Diplom-Ökologe und Förster Frank Herhaus. Das Gründungsziel wurde klar formuliert: "Es ist ganz simpel: Wir wollen etwas für die Natur bei uns im Bergischen Land tun", erklärt Herhaus, der vor einem knappen Vierteljahrhundert Gründungsmitglied war. Zudem war es wichtig, eine "Drittel-Priorität" der Beteiligten zu schaffen. "Es sind die Landbewirtschafter, also Landwirte, Waldbauern und Jäger genauso involviert wie die Politik und die Verwaltung sowie der ehrenamtliche Naturschutz mit Bund, Nabu oder die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald", berichtet Herhaus.

In der praktischen Arbeit der beiden Stationen gibt es vier Bausteine. "Erster Baustein ist der Vertragsnaturschutz, dann gibt es die Betreuung der Naturschutzgebiete und Umsetzung der Landschaftspläne. Der dritte Baustein besteht aus Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit, und im vierten Baustein laufen unterschiedliche Projekte", erläutert Herhaus.

Bei der Arbeit im jungen Laubbaumbestand (v.l.): FDJler Björn Müller, Uwe Halbach (Biostation Rhein-Berg) und Frank Herhaus (Leiter Biostationen). FOTO: Wolfgang Weitzdörfer

Beim Vertragsnaturschutz werden Verträge mit Landwirten bestimmter Wiesen und Auen abgeschlossen, die besonders artenreich sind. "Das wollen wir erhalten und fördern", sagt Herhaus. Für die Vertragsbauern bedeutet das: Eine Bewirtschaftung der Wiesen nach Gesichtspunkten durchzuführen, die den Naturschutz berücksichtigen. Konkret: Späteres Mähen, damit die Pflanzen ihre Samen möglichst umfangreich verbreiten können. Und natürlich: "Kein Dünger", betont der Leiter.

Die Flächen in Rhein-Berg und Oberberg sind dabei nicht unerheblich: "250 Hektar in Rhein-Berg und 1200 Hektar in Oberberg. Dabei ist die Zusammenarbeit mit den Landwirten sehr eng und intensiv", sagt Herhaus lobend.

Christoph Weitkemper ist seit acht Jahren bei der Biologischen Station Oberberg. Der Förster hält die Betreuung der Naturschutzgebiete für sehr wichtig. "Hier machen unsere Biologen eine Bestandsaufnahme vor Ort. Auf dieser Basis werden dann Pflegepläne erstellt." Ziel ist die Förderung und Vergrößerung der vorhandenen Pflanzenklientel. Für die meisten Bürger am offensichtlichsten sind die Maßnahmen der Umweltbildung. "Hierfür arbeiten wir mit unterschiedlichen Partnern zusammen, etwa dem Landschaftsverband Rheinland oder dem Naturpark Bergisches Land", sagt Herhaus. Im Angebot sind Flyer, Broschüren, aber auch konkrete Angebote wie Wanderungen. Besonders beliebt ist die mit mehr als 100 Seiten umfangreiche "Entdeckungsreise WupperVielfalt". Neben Informationen zu Flora und Fauna im Gebiet der einstmals als einer der schmutzigsten Flüsse Deutschlands verschrienen Wupper gibt es Ausflugstipps, Hintergrundinformationen zur industriellen Nutzung und Wanderbeispiele für Fußläufer und Radfahrer im oberen Wupper-Tal.

Die unterschiedlichen Projekte des vierten Bausteins wechseln über die Jahre. Viele sind aber auch langfristig angelegt, etwa das Projekt "Tote Bäume für das Leben", sagt Herhaus: "Tote Bäume, wenn etwa ein Blitz eingeschlagen hat, sind Lebensraum für viele Tierarten - etwa die Fledermaus oder den Specht." In enger Zusammenarbeit mit Waldbesitzern machen sich die Mitarbeiter der Biologischen Stationen auf die Suche nach Totgehölz. "Die Waldbesitzer verpflichten sich dann, die Bäume stehen zu lassen und bekommen eine Entschädigung dafür, etwa den Brennholzpreis als Gegenwert", sagt Herhaus. Außerdem gibt es stationsübergreifende Projekte, wie zum Vorkommen regionaler Obstsorten im Rheinland, Ausstellungen oder das KuLa-Caching: "Da wird das beliebte Geo-Caching genutzt, um die Kulturlandschaft vor Ort spielerisch kennenzulernen", sagt Weitkemper. Biologische Stationen gibt es nicht nur im Bergischen Land, sondern bundesweit. Allerdings hat Nordrhein-Westfalen durchaus eine Vorreiterrolle und macht mit insgesamt 40 Biologischen Stationen sehr viel für die Umwelt.

"Die Zusammenarbeit mit unseren Landwirten im Bergischen Land funktioniert super. Das gibt es in dieser Form wohl kein zweites Mal in NRW. Die Kreisbauernschaften, die Landwirtschaftskammer und auch die Landfrauen - alle arbeiten Hand in Hand für unsere Natur", sagt Herhaus.

Quelle: RP
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