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Wermelskirchen
Alte Friedhofslinde wird vorsichtig zersägt

Wermelskirchen: Alte Friedhofslinde wird vorsichtig zersägt
Jan Renker hängt, gesichert wie ein Bergsteiger, frei im Baum und sägt die Äste, ebenfalls gesichert, ab. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Stück für Stück wird ein 30 Meter hoher Baum in dichter Bebauung von der Spitze zerkleinert. Eine Aufgabe für zwei Spezialisten. Von Walter Schubert

Ganz vorsichtig rangiert Jan Renker (37) den Traktor mit einem großen Anhänger rückwärts in die Einfahrt des Hauses Remscheider Straße 13. Die Häckselmaschine steht schon bereit und wird die Äste zerkleinern. Die Aufgabe besteht darin, eine zirka 30 Meter hohe Linde im Garten hinter dem Haus zu entfernen. Eine Fällung ist bei der dichten Bebauung nicht möglich.

"Wir klettern in den Baum und tragen ihn von oben nach unten ab", erklärt Renker, der sich im Juli 2016 mit einem Forstbetrieb selbstständig gemacht hat. Höhenangst gibt es nicht, denn Renker war zwölf Jahre bei den Fallschirmjägern der Bundeswehr im Einsatz. Außerdem hat er eine SKT-Ausbildung (Seilkletter-Technik).

Zusammen mit dem Forstwirt Malte Haas (19) wird der bisher "größte oder höchste" Auftrag bearbeitet. "Wir sind beide selbstständig, machen aber einige Aufgaben auch zusammen", sagt Haas. Die Linde sollte ursprünglich nur zurückgeschnitten werden. Doch dann entdeckten die Fachleute einen "V-Zwiesel". "Bei dieser V-förmigen Verwachsung dringt Feuchtigkeit zwischen die Stämme, der Baum fault und ein sicherer Stand ist nicht mehr gewährleistet."

Nun wird der Baum bis auf eine Höhe von ungefähr drei Metern entfernt. "Die Linde treibt dann wieder aus und bildet eine neue runde Krone", sagt Renker. Das funktioniert, wie eine andere Linde im Garten zeigt. "Da ist vor vielen Jahren der Blitz eingeschlagen", erzählt Bewohnerin Ursula Vogel. "Zunächst ist nichts passiert, aber zehn Jahre später ist der Baum umgestürzt. Zum Glück war niemand draußen, nur die Garage wurde zerstört."

Seit diesem Erlebnis hatte sie bei jedem Gewitter und bei jedem Sturm Angst. Das Haus wurde 1939 /1940 gebaut und steht auf dem ehemaligen katholischen Friedhof. Vogel zeigt eine alte Karte von 1883. Dort ist vermerkt, dass die Remscheider Straße 1829 gebaut wurde und auch der Friedhof ist eingezeichnet. "Es tut mir leid um den Baum, aber es ist einfach zu gefährlich", sagt Vogel.

Stück für Stück und Ast für Ast wird der Baum immer kleiner. Eine Genehmigung für diese Arbeit ist in Wermelskirchen nicht nötig. Es gibt keine Baumsatzung. "Historische Bäume wie der Weihnachtsbaum sind natürlich geschützt. Ein kleines Schild mit einer Eule zeigt diesen Schutz an", sagt Haas. "Brut- und Nist-Zeiten sind einzuhalten und auch seltene Tiere müssen geschützt werden. Aber sonst darf der Besitzer über seinen Baum selbst bestimmen". Über mangelnde Arbeit können sich die beiden Selbstständigen nicht beklagen. Sie arbeiten für private Gartenbesitzer, für Firmen und Kommunen.

Quelle: RP
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