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Serie Ende Des Zweiten Weltkriegs
Alte Ordnung ist weg, neue noch nicht da

Bunker in NRW - Überreste des Krieges
Bunker in NRW - Überreste des Krieges FOTO: dpa, cas tmk
Wermelskirchen. Wilfried Krause hat viele beeindruckende Erinnerungen an das Kriegsende zusammengetragen.

Die Welt scheint aus den Fugen im April 1945. Ohne Halt, ohne Ordnung, voller Angst und geprägt von Hunger. Die Diktatur ist verschwunden, eine neue Ordnung ist noch nicht erkennbar. Wilfried Krause (78) hat nach dem BM-Aufruf in seinem Umfeld in Bechhausen, Nüxhausen und Löh mit vielen Bekannten gesprochen, die ihm Geschichten um den 14. April 1945 erzählt haben. Sinnlose Brutalität, im nächsten Moment wieder freundliche, menschliche Reaktionen. In einem Brief hat er Erkenntnisse aus den Gesprächen mit den Zeitzeugen zusammengetragen.

Die Amerikaner kommen, die Menschen hängen weiße Tücher aus den Fenstern. "Meine Mutter hat in ihrer Angst alle Naziabzeichen in die Jauchegrube geworfen", erinnert sich Krause. Dann entsteht ein Gerücht: "Else, Else, hol die Fahnen wieder rein! Es sind die unseren!", rief eine Nachbarin. Sie erwartete deutsche Soldaten, und die weißen Tücher als Zeichen der Kapitulation hätten böse Folgen haben können. Doch es waren amerikanische Soldaten - so kamen die Tücher wieder raus.

Berichtet wird von einem "Held in Bechhausen". Zwei deutsche Soldaten kamen mit einem Motorrad von Nüxhausen in Richtung Dabringhausen. Sie sahen den Feind, warfen ihr Motorrad in den Graben und flüchteten. Dies hatte Walter Müller, ein Schüler aus Düsseldorf, beobachtet. Er holte das Motorrad aus dem Graben und fuhr den Panzern entgegen. "Neben dem Panzer fuhr der Walter Müller einher, die Soldaten haben gelacht und Applaus gespendet", berichtet Emmi Stöcker. Die Amerikaner durchsuchten jedes Haus und jede Wohnung. Krause hatte eine Kinderburg mit Figuren in Naziuniform. "Einer trat meine Burg mit Füßen", erinnert er sich, "und sein Vorgesetzter, für mich der erste Mensch mit schwarzer Haut, befahl dem Weißen, die Burg wieder aufzubauen."

Die Ziegelei in Hilgen diente als Versteck. "Der Jäger Walter Lambeck hatte seine Gewehre unter einem Schacht des Brennofens versteckt, und auch etliche Wertsachen der Bevölkerung aus Hilgen blieben unentdeckt", schreibt Krause. Seine Schulfreundin Liesel Weber berichtet von ihrer Mutter, die vor ihrem Haus saß, als die Amerikaner über Buddemühle nach Löh kamen. Die Mutter sagte freundlich "Good morning", die einzigen englischen Worte, die sie kannte. Offenbar freundlich genug, denn der flüchtige deutsche Soldat, versteckt hinter der Kartoffelkiste im Keller, wurde nicht entdeckt.

Manfred Heider berichtet, dass am 14. April zwei deutsche Soldaten einen amerikanischen Jeep beschossen haben im Bereich des ehemaligen Autohauses Plütt. "Der Wagen fuhr in den Graben. Ob es Tote gegeben hat, ist unbekannt." Heider sagt einen Satz, den viele Zeitzeugen bestätigt haben: "Nach dem 14. April 1945 waren alle Nazis verschwunden." Krause berichtet von Horst Bork (85), der mit 15 Jahren am 20. April 1945 im Osten in Gefangenschaft geriet. Da war der Krieg in der bergischen Heimat seit sechs Tagen zu Ende. Die Aufzeichnungen von Wilfried Krause enden mit dem Satz: "Jetzt hatten wir 70 Jahre eine gute Zeit."

Quelle: RP
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