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Wermelskirchen
An düsteres Kapitel deutscher Geschichte erinnert

Wermelskirchen. Über das Vergessen - Autorin Marie-Louise Lichtenberg gab eine Lesung vor Schülern in Sachsen-Anhalt. Von Bernd Geisler

Mit ihrem Projekt "Gegen das Vergessen" macht sich die ehemalige Lehrerin Marie-Louise Lichtenberg stark für die Erinnerung an den Terror des Nationalsozialismus (1933-1945). Sie suchte und fand Menschen in Deutschland und mehreren europäischen Ländern, die als Zeitzeugen (noch) darüber berichten konnten. Ihre Schicksale dokumentierte sie höchst eindrucksvoll in ihrem Buch "Zwischen Glück und Grauen". Es erschien im Oktober 2010. Seitdem unternimmt sie Lesereisen quer durch die Republik. Im Rahmen des Projektes "Literanauten" des vom Bund geförderten Arbeitskreises für Jugendliteratur nahm Lichtenberg Kontakt mit Sophie Benkenstein, Lehrerin am Gymnasium Landsberg, auf. "Kommen Sie auch zu uns?", fragte sie die Autorin. "Aber natürlich, erst recht!", antwortete Lichtenberg.

Landsberg liegt in Sachsen-Anhalt, knapp 20 Kilometer von Halle entfernt. Die Frage der Lehrerin schien berechtigt. Auch so mancher hier wunderte sich über ihren Mut, mit diesem Thema in Sachsen-Anhalt auf Lesereise zu gehen, sagte Lichtenberg. Immerhin ist in Sachsen-Anhalt von vielen rechtsmotivierten Gewalttaten die Rede. "Ich stehe hinter dem, was ich mache", sagt Lichtenberg.

Sie gestaltet ihre Lesungen umfassend: "Ich lese nicht nur aus meinem Buch vor, sondern erzähle auch von meinen Begegnungen mit den Zeitzeugen und den Hintergründen. Das Gehörte vertiefe ich mit Bildern in Form einer Power-Point-Präsentation." Zwei Tage nach der Lesung sitzt Marie-Louise Lichtenberg ruhig und ausgeglichen in ihrer Wohnung und erzählt freudestrahlend von ihrer Lesung in Landsberg. "Es war ein voller Erfolg", sagt sie.

Sie habe von rund 30 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 16 Jahren gelesen. Die Schüler seien hoch motiviert, konzentriert, sehr aufmerksam und gut informiert gewesen. Es habe nicht die kleinste Störung, unangebrachte Zwischenbemerkungen oder zwischendurch Geschwätz gegeben. Sie sei mit einem sehr guten Gefühl wieder nach Hause gefahren. Jeder Schüler habe, finanziert vom Arbeitskreis, ein Exemplar des Buches "Zwischen Glück und Grauen" überreicht bekommen. Die meisten seien geblieben, um das Buch signieren zu lassen und hätten dafür den regulären Schulbus verpasst.

In das Exemplar eines Mädchens sollte die Autorin schreiben: "Für meine Mutter". Damit sei ihr klargeworden, dass auch die Eltern der Schüler mit dem Buch konfrontiert werden würden. Unter diesen Eltern seien wahrscheinlich auch AfD-Anhänger. Es sei der richtige Weg, Kinder frühzeitig zu informieren.

Viele hätten sich mit Dank in ihrem Gästebuch verewigt. "Das war eine runde Sache", freut sich Marie-Louise Lichtenberg.

Quelle: RP
 
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