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Wermelskirchen
Anregungen für Kopf und Geist

Wermelskirchen. Die unterschiedlichen individuellen Werke überraschen bei der 19. Jahresausstellung des Kunstvereins Wermelskirchen. Von Bernd Geisler

Es könnte fast nicht schöner sein: Der erste Rundumblick in die Jahresausstellung des Kunstvereins lässt das Anfangsthema von Modest Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" hochkommen. Da wird die Freude um so größer, sich auf diese Übersicht lokaler bildender Kunst in den Bürgerhäusern einzulassen.

Was zündete die Anfangsfaszination? Die den Raum beherrschende Skulptur "Flosse 2016" von Take Bijlsma im Kaminzimmer links, nur mit einem flüchtigen Seitenblick wahrgenommen? Der Jazz-Standard "Don't Get Around Much Anymore" (Duke Ellington), locker, leicht und dezent gespielt von der "Hausband" mit Les Searle (Piano), Michael Regenbrecht (Bass) und Michael Krautstein (Schlagzeug)? Die vielen Stellwände, behängt mit unterschiedlichen Werken und davor Menschen, im angeregten Gespräch vertieft? Begrüßungsgetränke und Knabberkram? Vermutlich alles zusammen.

Der neugierige, zweite Blick muss zunächst verschoben werden: Vorsitzender Bernhard Schulte betont in seiner Rede die "Vielfalt der Werke in ihren unterschiedlichen Techniken, Formen und Material". Geschäftsführer Michael Dangel konstatierte eine "zunehmende Experimentierfreude im Kunstverein". Er ist überzeugt: "Das Niveau ist stetig angestiegen." Er sah dies unter anderem als eine Folge des individuellen Schaffens der Mitglieder. Jeder könne nach seinem Gusto werkeln. Bürgermeister Rainer Bleek bekannte, dass er sich im vorigen Jahr ein abstraktes Bild gekauft hat, das für ihn treffend Verwaltungsvorgänge symbolisiere. Vielleicht finde er auch heuer etwas Ansprechendes.

So liefern manche Exponate viel Platz für eigene Deutungen und Inspirationen. Etwa die Collage "Reiseerinnerungen" von Iris Seelig-Bayer. Die heitere Grundstimmung liefert gleichwohl nicht nur Friede, Freude, Sonnenschein. Oder "Farbe und Form" von Gisela Matenar: Die Ausgewogenheit der Farben bietet zweierlei - Lichtblicke und Düsteres, wie ein Kampf zwischen Gut und Böse. Und wohin verschwindet eigentlich Take Bijlsmas Wal? Er scheint abzutauchen hinein in Wermelskirchens Untergrund. Will er dort für rechtens sorgen, sich den Bauch vollschlagen oder einfach nur verschwinden? Der Tanz der beiden Figuren in der Installation von Rainer Groß-Hardt - ist es ein Tanz um den Vulkan oder ums Goldene Kalb? Und wer ist der Hexenmeister in der Mitte unten? Einige Bilder bestechen durch ihre Technik. Sich dafür zu interessieren, bedeutet Zeit.

Diethart Spickermann hat zwei Ansichten aus Venedig von einer Malreise mitgebracht. Hierbei komme es auf den Fokus an, der das Auge des Betrachters lenke, erläuterte er. Der Rest drum herum sei Beiwerk. Er zeigte sich besonders angetan von Roswitha Geislers Kreativität. Die Art, wie sie einen dreidimensionalen Raum über ihre Bilder lege, habe er noch nie irgendwo gesehen. Sie schaffe zusätzlich Bewegung. Es sei große Kunst.

Quelle: RP
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