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Wermelskirchen
Anwohner sollen "zugemauert" werden

Wermelskirchen: Anwohner sollen "zugemauert" werden
Tageslicht wird es wohl nicht mehr geben, wenn die bis zu 7,50 Meter hohe Aluminium-Lärmschutzwand vor dem Fenster der Wohnung von Doris Ramroth-Liesendahl aufgestellt wird. Sie wird jetzt dagegen klagen. FOTO: Nico Hertgen (archiv)
Wermelskirchen. In Kolfhausen gibt es immer noch keine Einigung zwischen Anwohnern und Tente Rollen. Die Betroffenen würden zwar eine Lärmschutzwand akzeptieren, aber keine geschlossene Alu-Wand. Jetzt soll es der Petitionsausschuss richten. Von Udo Teifel

In Kolfhausen herrscht weiterhin dicke Luft zwischen einigen Anwohnern und der Firma Tente Rollen. Denn: Auch der jüngst Runde Tisch, zu dem die Stadtverwaltung eingeladen hatte, brachte keine Annäherung, geschweige denn Lösung des bestehenden Lärmproblems durch Anlieferung und Produktion auf dem Firmengelände von Tente Rollen. Deshalb hat sich die betroffene Eigentümerin einer Wohnung, Doris Ramroth-Liesendahl, jetzt an den Petitionsausschuss des Landtages gewandt. Denn Mitte bis Ende Mai soll mit dem Bau der bis zu 7,5 Meter hohen Aluminium-Lärmschutzwand dicht vor ihren Fenstern begonnen werden. "Dann haben wir kein Tageslicht mehr. Dann sind wir ja zugemauert."

Mit einer Lärmschutzwand sind Ramroth-Liesendahl und ihr Mitstreiter, Nachbar Hans-Gerd Herbertz, einverstanden. "Aber so eine Wand muss transparent sein. Sonst ist es ja duster. Dann fällt ja kein Tageslicht mehr in die Räume."

In den Häusern Kolfhausen 25 und 27 liegen längst die Nerven blank. Denn seit August 2013 hat Tente Rollen Anlieferverkehr und Drei-Schicht-Produktion verändert. An Schlaf ist da teilweise nicht mehr zu denken. Ein Gutachter, im Auftrag der Firma Tente Rollen, hat bestätigt, dass es tagsüber zu laut ist. Die Firma Tente Rollen ist laut Ramroth-Liesendahl aber nicht bereit, den Anlieferverkehr zu verlagern. Die Werte des Gutachtens zweifeln die Betroffenen auch nicht an, wohl aber die Umstände, wie sie entstanden sind.

Nach dem Runden Tisch im September vorigen Jahres hat Tente Rollen die Baugenehmigung für die Lärmschutzwand beantragt und bekommen - "wir sind überhaupt nicht gefragt und ins Verfahren eingebunden worden", berichtet Ramroth-Liesendahl. Sie ist inzwischen aktiv geworden und hat das Landesumweltministerium informiert. Das hat 28 Mess-Stationen in ihrer Wohnung aufgebaut: Zwei Wochen wurden Lärm, Vibration und Tiefenfrequenzschall gemessen. Dabei mussten die Geräte teilweise von Hand ausgelöst werden. Das Ergebnis: Nachts waren die Werte in Ordnung, tagsüber war es aber entschieden zu laut.

Vier Anwohner haben inzwischen gegen die Schallschutzwand Widerspruch eingelegt - das sei so aber nicht möglich, bekam Ramroth-Liesendahl von der Stadtverwaltung zu hören. Anwohner müssten klagen. "Ich habe mir jetzt einen Anwalt genommen. Wir klagen jetzt." Ihr Anwalt hätte ihr auch mündlich erklärt, dass die Stadt die Anwohner auch in das Bauantragsverfahren einbinden, also anhören müssen.

Inzwischen hat sie sich an den Petitionsausschuss gewandt. Die haben bereits Unterlagen angefordert. Sie hofft nun, dass der Antrag beim Land für der Bau der geplanten Lärmschutzwand aus Aluminium aufschiebende Wirkung hat. "Sonst bekommen wir hier eine Berliner Mauer ohne Tageslicht in den Räumen dahinter. Denn der Abstand sei höchstens fünf bis sechs Meter."

Ihrer Ansicht nach könnte Tente Rollen den Lieferverkehr anders regeln. "Diese Möglichkeit gibt es auf dem Gelände. Dann wäre es generell leiser."

Zwei Mieter werden, beziehungsweise sind schon, ausgezogen. "Wir haben schon jetzt einen Wertverlust unserer Eigentumswohnungen zu beklagen. Wohin soll das führen, wenn die Mauer kommt?", fragt sie.

Quelle: RP
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