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Serie Ausprobiert
Auf Streife mit der Polizei

Serie Ausprobiert: Auf Streife mit der Polizei
Polizeioberkommissar Thomas Lamsfuß mit unserem Autor vor dem Start in die Nachtschicht. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Unser Autor schaut den Polizisten der Wermelskirchener Wache bei ihrer Arbeit über die Schulter. Die Beamten fahren mit dem Streifenwagen durch das Stadtgebiet und sind beruhigt, dass es in dieser Nacht keine besonderen Vorfälle gibt. Von M. Eickhorn

Wermelskirchen Samstagmorgen, 1 Uhr. Im Musikerviertel sind die Wermelskirchener längst zu Bett gegangen. Keine Partys, keine Musik. Die einzigen Lebewesen weit und breit sind eine Katze und ein Autofahrer, der im Schutz der Dunkelheit ordentlich Gas gibt. Für die Polizeioberkommissare Thomas Lamsfuß (39) und Sabrina Vor der Wülbecke (32) bedeutet die kalte Herbstnacht, dass sie, abgesehen von administrativen Arbeiten, nicht viel zu tun haben. In einer lauen Sommernacht hätten sie um diese Uhrzeit schon mehrere Partygäste zur Ruhe ermahnen müssen.

Ich begleite die beiden Beamten in ihrem Streifenwagen, gemeinsam schauen wir an bestimmten Punkten im Stadtgebiet nach dem Rechten. Thomas Lamsfuß fährt auf einen Parkplatz nahe der Zufahrt zur Eschbach-Talsperre am Autobahn-Motel. Die einzige Lichtquelle ist zu dieser späten Stunde ein mit blinkenden Sternengirlanden dekorierter Wohnwagen. Wir drehen eine Runde, leuchten ein parkendes Auto mit der Taschenlampe aus und stellen fest: Hier ist alles in Ordnung. Ebenso im Industriegebiet, in Süppelbach, an der Schuberthalle und auch sonst überall. In Wermelskirchen ist wirklich nichts los.

Das Funkgerät knarzt, die Kollegen der zweiten Streifenwagenbesatzung fragen etwas, ich verstehe kein Wort. Wenn mich jemand über das Funkgerät um Hilfe bitten würde, wäre derjenige verloren und ich restlos überfordert. Dass der digitale Funk tatsächlich Nachteile birgt, erklärt mir Oberkommissar Dragan Löffler auf der Wache. "Als wir noch mit dem analogen Funk gearbeitet haben, konnten wir die Stimmen besser verstehen. Die Umstellung war vor eineinhalb Jahren. Jetzt müssen wir wirklich zweimal hinhören und häufiger nachfragen", sagt Löffler. Er zeigt mir das Computerprogramm, mit dem die Polizei arbeitet. Wir tun so, als sei mein Kfz auf einer Fahndungsliste, Löffler gibt das Kennzeichen zur Probe ins System ein. Ich stutze. Der Computer weiß vieles, was ich nicht wusste. Zum Beispiel, dass ich angeblich nicht schneller als 156 Stundenkilometer fahren kann. Na, das werden wir ja sehen ...

Aber nicht jetzt. Sabrina Vor der Wülbecke zeigt mir die Ausnüchterungszellen im Keller der Polizeiwache. Ihre Warnung "Fass nichts an, das ist nicht so angenehm" nehme ich mir zu Herzen. In diesen Räumen ist von den Wänden bis zum Holzbrett-Bett alles abwaschbar. Das muss so sein, denn viele Insassen verbringen hier eine Nacht zum Ausnüchtern. "Hier ist es unbequem, und so soll es auch sein", stellt Vor der Wülbecke klar.

Als Wermelskirchener beruhigt es mich, dass die Wache an der Telegrafenstraße rund um die Uhr besetzt ist. Zumindest bis Januar. Dann wechseln die Polizisten in die neue Wache nach Hilgen. Eines ändert sich aber nicht: Die Wege im Einzugsgebiet sind lang, von Wermelskirchen bis Kürten brauchen selbst Polizisten 20 Minuten. Dragan Löffler ahnt, dass dies für Bürger, die einen Notfall erleben, beängstigend sein kann. "Wir wünschen uns mehr Personal", sagt Löffler.

In Kürten und Olpe nimmt die Polizei besonders viele Wildunfälle auf. Hauptkommissar Ingolf Vorländer ärgert es, wenn sich Autofahrer in solchen Fällen über Straßensperren hinwegsetzen. "Viele fahren bis vor das Flatterband und fragen mich tatsächlich, ob die Strecke gesperrt sei. Teilweise räumen die Leute die Sperren auch einfach weg, weil sie weiterfahren wollen", berichtet Vorländer und fügt an: "Aber wenn ich mich darüber noch aufregen würde, bekäme ich ja ein Geschwür."

Quelle: RP
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