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Wermelskirchen
Aus Kult-Kneipe wird ein Schmuckstück

Wermelskirchen: Aus Kult-Kneipe wird ein Schmuckstück
Daniel Rose an der Theke der ehemaligen Kultkneipe "Chelsea" - zusammen mit (v.l.) Tochter Vivien (7), Lebensgefährtin Agnes Scheffczyk, Daniela Roth (Mieterin) und Tochter Amy (2). FOTO: jürgen moll
Wermelskirchen. 2003 schloss das "Chelsea" in Hückeswagen. Daniel Rose aus Wermelskirchen hat das Haus gekauft. Die Theke - das Herz der Kneipe - wird abgebaut. Aus dem früheren Schankraum könnte ein Versicherungsbüro oder Jugendtreff werden. Von Heike Karsten

Wer noch einen Funken Hoffnung hatte, dass die ehemalige Kult-Kneipe "Chelsea" in Hückeswagen doch noch einmal wiederbelebt wird, der muss sich nun mit der Realität abfinden. Das Haus an der Ecke Weierbach-/Kölner Straße ist verkauft und das Kneipeninventar ausgeräumt. Überraschend kam das Ende nicht, denn schon vor zehn Jahren schloss die kleine Eckkneipe ihre Pforten.

Die neuen Eigentümer der Häuser Weierbachstraße 2 und 4 sind Daniel Rose und seine Lebensgefährtin Agnes Scheffczyk mit den gemeinsamen Kindern Vivien (7) und Amy (2). Der 33-Jährige ist Inhaber einer Kfz-Werkstatt in Wermelskirchen und hat sich in die historischen Häuser regelrecht verliebt. "Ich finde die Häuser einfach schick. Schade, dass sie so runtergekommen sind", sagt der Kfz-Meister. Vor den umfangreichen Renovierungsmaßnahmen der unter Denkmalschutz stehenden Häuser fürchtet sich der neue Eigentümer nicht. Er rechnet mit 50.000 Euro Investition für die Sanierung.

Was mit dem Kneipenraum passiert, weiß Rose noch nicht. Zunächst hatte das Ehepaar versucht, einen neuen Pächter zu finden. Darauf hatte sich ein Motorradclub gemeldet, der Interesse hatte, die Kneipe zu pachten. "Aber das konnte ich den Mietern hier im Haus nicht antun", entschied Daniel Rose mit Blick auf die sieben Mietwohnungen in den beiden Häusern. Zumal sämtliche Lizenzen für eine Kneipe abgelaufen waren. Interesse zeigte auch ein Imbissbetreiber. Doch die Umbaumaßnahmen wären schlichtweg zu teuer gewesen.

Im Auftrag der neuen Eigentümer kümmerte sich Mieterin Daniela Roth darum, einen Käufer für das "Chelsea"-Inventar zu finden. Auf die Anzeige im Internet folgten viele Kommentare. Die meisten schwelgten in Erinnerungen, wie auch Thorsten Pohl aus dem Wermelskirchener Teil von Dreibäumen. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt er: "Ich war ein paar Mal mit Freunden im ,Chelsea', aber das ist verdammt lange her. Früher war es eine Kult-Kneipe, in der was los war. Davon gab es nicht so viele." Auch Daniela Roth erinnert sich gerne an die "Chelsea"-Zeiten zurück. "Meinen Deckel habe ich hier leider nicht mehr gefunden", berichtet sie wehmütig. Dafür durfte sie den Schaukasten für die Getränkekarte, der erst vor einer Woche abmontiert wurde, als Erinnerungsstück behalten.

Und auch wenn jetzt mit dem Verkauf des Inventars ein Stück Hückeswagener Geschichte zu Ende geht, so bleibt die Theke Hückeswagen doch erhalten. Sie wird am Freitag von der örtlichen Helfervereinigung des Technischen Hilfswerks abgebaut und soll am THW-Standort an der Bockhackerstraße neu aufgebaut und aufbereitet werden. "Wir wollen sie für unsere Sommerfeste nutzen", kündigt Stefan Pier, stellvertretender Vorsitzender des THW-Fördervereins, an. "Die Theke wird dann auch wieder der Öffentlichkeit zugänglich sein."

Die Renovierungsmaßnahmen an den Fassaden der Häuser an der Weierbachstraße sind derweil schon in vollem Gange. Die Holzverzierungen wie auch die Schiefer sollen aufbereitet und erneuert werden. Haus Nummer vier hat bereits neue Briefkästen und eine neue Türöffner-Anlage erhalten; baldmöglich sollen Brandmelder nachgerüstet werden.

Daniel Rose möchte aus den beiden Häusern bergische Schmuckstücke der Altstadt machen. Der Wermelskirchener liebt aber nicht nur alte Häuser, sondern auch alte Autos. Der Kfz-Meister ist im Besitz eines aufgemotzten, alten Golf 3, mit dem er an der Deutschen Amateur-Rundstreckenmeisterschaft NAVC teilnimmt. "Mit dem Haus Weierbachstraße 4 habe ich sogar die älteste Tür der Stadt gekauft, vor der sich Touristen gerne fotografieren lassen", berichtet der 33-Jährige stolz.

Als neue Verwendung des ehemaligen Schankraums könne er sich gut ein Versicherungsbüro oder ein Jugendtreff vorstellen. "Ich bin für jede Idee offen", versichert Rose.

Quelle: RP
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