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Wermelskirchen
Außengastronomie blockiert Gehwege

Wermelskirchen. Der Beirat für Menschen mit Behinderung kritisiert, dass Tische und Stühle oftmals auf dem sogenannten Gehweg-Laufband stehen. Der war extra bei der Innenstadtumgestaltung für die Führung von Behinderten angelegt worden. Von Udo Teifel

Bürger und Gäste der Stadt freuen sich über die neue Außengastronomie, die sich seit der Innenstadtumgestaltung entwickelt hat. Und manche Wirte investieren richtig, doch anscheinend etwas unglücklich oder ohne Beratung. Denn der Beirat für Menschen mit Behinderung nimmt die Außengastronomie aufs Korn - und zwar dort, wo die Gehwege durch Pflanzkübel, Tische oder Stühle deutlich eingeschränkt werden.

Ein Ziel der Innenstadtumgestaltung war, die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Dazu gehören auch die viel breiteren Bürgersteige. Die werden oft von Autofahrern als Parkplätze missbraucht, weil sie nicht als Gehwege erkannt werden (wollen). Die Planer haben sich aber auch mit sogenannten Laufbändern Gedanken gemacht über die Laufwege - das soll behinderte Menschen die Wege erleichtern. So sind die breiten Gehwegplatten das eigentliche Laufband, geeignet für Menschen mit Rollatoren, Sehbehinderten wie auch Rollstuhlfahrern. Das kleinere Pflaster in den Randbereichen ist auch Gehweg, aber nicht als Laufband gedacht.

Und das scheinen vor allem Einzelhändler und Gastronomen nach Ansicht des Behindertenbeirates nicht zu unterscheiden. So diskutierte in der jüngsten Sitzung der Beirat die neue Außengastronomie des Eiscafés Venezia im Bereich der oberen Kölner Straße. Hier stände, so zeigte Christiane Beyer vom betreuenden Fachamt, die Bestuhlung auf dem Laufband. Und auf der anderen Seite des Gebäudes hat der Inhaber Radfahrern vernünftigerweise Fahrradständer angeboten - auch dies kritisiert der Beirat. Die Vorsitzende Brigitte Hallenberg sagte, "hier werden die Belange der Menschen mit Behinderung nicht beachtet". Schon mit dem Eiscafé Cordella hatte es Konflikte gegeben - Fußgänger, vor allem auch Behinderte mit Rollatoren, mussten auf die Straße ausweichen.

Als positives Beispiel wurde die Pizzeria auf der gegenüberliegenden Seite des Eiscafés Venezia genannt: Dort hatte der Inhaber Sitzgelegenheiten jenseits des Laufbandes direkt an die Straße geschaffen.

Hallenberg wunderte sich, dass die Stadtverwaltung dies so genehmigt habe. Andreas Willinghöfer fragte, ob da nach geltendem Ortsrecht gehandelt wurde? Marietta Höller bezeichnete den Bereich als "Gefahrenzone". Die Sehbehinderte sagte, in Wermelskirchen gebe es ein Leitsystem. Daran orientierten sich die Menschen mit Sehbehinderung. Kritisch meinte Willinghöfer, gerade im Bereich des Eiscafés könne es einen Planungsfehler gegeben haben. "Die großen Gehwegplatten liegen ganz nah an der Hauswand. Wenn doch Außengastronomie zugelassen wurde, stimmt doch etwas nicht."

Inhaberin Lydia Zandomeneghi war überrascht über die Kritik des Beirates. "Wir haben eine Sondernutzungsgenehmigung der Stadt. Einzige Auflage: Wir müssen 1,20 Meter frei halten. Das tun wir." Ihr sei nicht mitgeteilt worden, dass sie die großen Platten frei halten müsse. Auch die Markise sei in diesem Umfang genehmigt. Es wäre für sie fatal, wenn sie zurückbauen müsse.

Quelle: RP
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