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Wermelskirchen
Awo trennt sich von der Kita Jörgensgasse

Wermelskirchen: Awo trennt sich von der Kita Jörgensgasse
FOTO: Teifel
Wermelskirchen. Zu geringe Zuschüsse nennt die Awo als Grund, dass sie die Trägerschaft aufgibt. Die Gruppen sollen erhalten bleiben und in den städtischen Kitas Danziger und Jahnstraße untergebracht werden. Die Awo muss erst den Vertrag kündigen. Von Udo Teifel

Seit gestern Vormittag gibt es keine Spekulationen mehr: Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt Rhein-/Oberberg gibt die Trägerschaft für seine Kita in der Jörgensgasse nach fast 30 Jahren auf. Das hatte die Geschäftsbereichsleiterin Alwine Pfefferle am Mittwochabend bereits bei einer sehr gut besuchten Elternversammlung mitgeteilt. Der Grund für diese Entscheidung: Die Awo ist wegen zu geringer Zuschüsse in den Miesen, heißt es in einer Presseerklärung des Kreisverbandes.

Damit hat die Arbeiterwohlfahrt die erste Sparentscheidung getroffen, nachdem im Januar bekannt wurde, dass der Kreisverband ein Defizit von 870.000 Euro erwartet. Als Grund dafür wurden die Gehaltssteigerungen genannt, die für die Erzieher auch rückwirkend verhandelt wurden. Knapp 600 Mitarbeiter in Kitas und offenen Ganztagsschulen würden von den Erhöhungen profitieren. Die Stadt Wermelskirchen hat der Awo die Trägerschaft über die fünf offenen Ganztagsschulen bereits gekündigt, das Bewerbungsverfahren für einen neuen Träger läuft derzeit. Wie mit anderen Einrichtungen des Kreisverbandes umgegangen wird, soll nach einer Gesprächsrunde zwischen Awo, Personalrat und Verdi entschieden werden.

Die Awo spricht von einem jährlichen fünfstelligen Betrag, den die Kita Jörgensgasse verschlinge - rund 40.000 Euro. Überprüft worden ist diese Zahl bisher nicht. Auch nicht, welche Kosten eingerechnet sind. Bürgermeister Rainer Bleek: "Wir haben Zweifel an der Zahl, weil sie nicht überprüfbar ist." Awo-Pressesprecher Ingo Lang indes sagte auf Anfrage, dass Personal- und Unterhaltungskosten den Betrag ausmachten.

Zu diesem Defizit komme es laut Awo wegen der "nicht auskömmlichen Kindpauschalen des Landes, dem von der Stadt nicht übernommenen Trägeranteil in Höhe von neun Prozent der Kindpauschalen sowie der extrem hohen Unterhaltungskosten aufgrund des Alters und der Bauweise des städtischen Gebäudes". Geschlossen werde die Kita bis spätestens Ende Juli 2017. Für die Übergangszeit, so erklärt die Awo, solle zusammen mit der Stadt nach einer "finanziell tragbaren Lösung" gesucht werden.

Nach Darstellung des Pressesprechers Lang will die Awo den Vertrag nicht kündigen. "Wir würden auch gern in anderen Räumen oder Immobilien die Trägerschaft weiterführen. Auch das Personal soll nicht gekündigt werden." Es würde innerhalb der Awo verteilt.

Bürgermeister Rainer Bleek sieht das anders. "Die Awo muss jetzt den Schritt tun und den Vertrag kündigen." Während etwa 50 Prozent der Kinder zum Sommer eingeschult würden, könnten zwei Gruppen vor allem mit den Neuanmeldungen als jeweils feste Gruppe in den städtischen Kitas Danziger Straße und Jahnstraße aufgenommen werden. "Die Personalentscheidung ist Sache der Awo", sagte Bleek. Er strebe eine sozialverträgliche Lösung an, damit keine sozialen Härten entstünden. Eine Übernahme eines Teils des Personals wäre eine Option.

Bleek machte deutlich, dass mit Blick in die Zukunft stadtweit nicht mehr so viele Kita-Plätze benötigt würden. "Wir können nicht mehr so viele Kita-Plätze vorhalten." Den Wunsch der Awo, in einem Katt-Quartier die Trägerschaft zu übernehmen, wenn die finanziellen Voraussetzungen stimmten, verstehe er, doch was letztlich entstehe, wisse man heute noch nicht.

Groß ist die Enttäuschung in der Elternschaft. "Das gesamte Kibiz-System ist unterfinanziert", sagte Elternvertreterin Kathrin Schopphoff. "Davon betroffen sind besonders kleine Kitas. Die können nicht so rentabel wirtschaften." Sie empfindet die momentane Situation in der Stadt als "wenig kinderfreundlich", das stimme nachdenklich. "Es macht traurig, in einer Stadt zu wohnen, die nicht wie die Städte im Umkreis den Trägeranteil übernimmt."

Quelle: RP
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