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Wermelskirchen
Balkon aus heiterem Himmel eingestürzt

Wermelskirchen. Wie durch ein Wunder wurde niemand von der Betonplatte verletzt. Als Ursache wird Pfusch am Bau vermutet. Von Christian Peiseler und Solveig Pudelski

Angela Tomasulo stand in der Küche und schmierte ein paar Brote. Sie wollte noch mit ihrem Mann Guiseppe an diesem lauen Maiabend auf ihrem Balkon sitzen und den Tag ausklingen lassen. Da knallte es heftig. "Ich dachte, ein Lastwagen wäre ins Haus gefahren", beschreibt Guiseppe Tomasulo den Moment, als die Brüstung ihres Balkons am Donnerstag im ersten Stock einer Wohnanlage an der Poststraße abbrach und auf einen Durchgangsweg für Fußgänger stürzte.

Wie durch ein Wunder wurde niemand von der Betonplatte verletzt. Drei Meter lang und 30 Zentimeter breit ist die Betonwand. In dem Mehrfamilienhaus befinden sich auch eine Kanzlei und Arztpraxen. "Wenn der Zahnarzt im Erdgeschoss Feierabend hat, gehen alle unter unserem Balkon nach Hause", sagt Tomasulo. Das war eine halbe Stunde vor dem Unglück, gegen 18 Uhr. Die Feuerwehr sperrte den Bereich mit roten Flatterbändern ab. Ein Mitarbeiter der städtischen Bauaufsicht war noch am Abend vor Ort. Noch ist unklar, was die genaue Ursache des Schadens ist.

Axel-Jürgen Dehnert, Mitarbeiter der Hausverwaltung, hat eine erste Erklärung, die er in der Baugeschichte sieht. 1972 ist das Haus errichtet worden. Doch die Eigentümer standen plötzlich vor der Situation, dass sich der Bauherr verabschiedet hatte und kein Geld mehr floss. So mussten sie ihre Wohnungen auf eigene Kosten zu Ende bauen. Dabei sei wohl an Material für die Befestigung der Balkone gespart worden. "Anders kann ich mir nicht erklären, wieso der Balkon einfach wegbricht", sagte Dehnert gestern. Im Vorfeld habe nichts auf schadhafte Stellen hingewiesen. Im Gegenteil. Im vorigen Jahr seien die Balkone noch frisch gestrichen worden. Auch das Dach wurde erneuert. Es gab keine Beanstandungen.

Der Vermieter hat allen Bewohnern vorerst verboten, die Balkone zu betreten. Außerdem forderte die Bauaufsicht die Eigentümer auf, "schnellstmöglich Maßnahmen zu ergreifen, um die Balkonanlagen sicher zu machen", sagt Jörg Schubert, Leiter des Bauordnungsamtes, auf Nachfrage. Dies werde auch kontrolliert.

Finanziell sei eine mögliche Nachrüstung für die Eigentümergemeinschaft kein großes Problem, sagt Dehnert. Die Rücklagen für Renovierungen und Instandhaltungen seien ausreichend gebildet. Zunächst müsse aber abgewartet werden, was der bestellte Statiker sagen wird, ob alle Balkone betroffen seien oder nur der des Ehepaars Tomasulo. "Für mich ist das Pfusch am Bau", sagt Tomasulo. Er und seine Frau müssen sich nun einige Zeit gedulden, bis sie wieder gemütlich auf ihrem Balkon sitzen können. Gestern Morgen zitterten Angela Tomasulo jedenfalls immer noch die Knie.

Quelle: RP
 
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