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Wermelskirchen
"Bargeld bedeutet für uns Kosten"

Wermelskirchen: "Bargeld bedeutet für uns Kosten"
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Wermelskirchen. Vor 60 Jahren kam die erste Kreditkarte nach Deutschland. Heute bezahlen immer mehr Menschen "mit Plastik". Die Sparkasse begrüßt das, denn vor allem Münzen sind inzwischen eine Last. Trotzdem soll das Bargeld erhalten bleiben. Von Tim Kronner

Dagobert Duck hortet sie in seinem Geldspeicher: Münzen. Im Gegensatz zu der Zeichentrickfigur aus Entenhausen können die Banken hierzulande gut auf allzu viel Bargeld verzichten. Das gilt auch für die Stadtsparkasse Wermelskirchen. "Wir leisten den Service, aber das ist ein Zuschussgeschäft", sagt der Vorstandsvorsitzende Rainer Jahnke im Gespräch mit unserer Redaktion. Aus kaufmännischer Sicht ist Bargeld, und vor allem Münzen, für Banken inzwischen eine Last. Trotzdem spricht sich der Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse für den Erhalt des Bargelds aus.

Die EC- und Kreditkarten der Sparkasse werden auch in Wermelskirchen immer häufiger eingesetzt, oft beim Einkaufen und Tanken. "Die Zahlen steigen seit Jahren", sagt Jahnke. 2017 gab es über 120.000 Kartenzahlungen mehr als noch vor drei Jahren. Noch deutlicher ist die Entwicklung bei den Kreditkarten. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Anzahl der Kreditkartenbesitzer unter den Sparkassenkunden verdreifacht. Mit dieser Entwicklung steht Wermelskirchen in Deutschland und auch in Europa nicht alleine da. "In Schweden werden rund 95 Prozent aller Transaktionen inzwischen mit Karten abgewickelt", zieht Jahnke den internationalen Vergleich.

Dieser Trend habe einige Vorteile - für Kunden genauso wie für Kreditinstitute. Die Zahlung "mit Plastik" ist bequem, man hat immer und überall Geld dabei. Jede bargeldlose Transaktion bedeutet zudem, dass weniger Scheine und Münzen im Umlauf sind. Das freut die Sparkassen und Banken aus betriebswirtschaftlicher Sicht. "Vor allem Münzgeld ist seit 2010 zu einer richtigen Last geworden", sagt Jahnke.

Seit damals schreibt eine EU-Verordnung vor, dass auch Münzen auf Echtheit geprüft werden müssen. "Da wir die teuren Geräte nicht selbst anschaffen können, leiten wir die Euromünzen weiter", sagt Jahnke. In Zahlen bedeutet das, dass die Sparkasse 2017 insgesamt 3,6 Millionen Münzen mit einem Gewicht von 15,5 Tonnen entgegengenommen hat. "Das muss man auch erstmal transportieren", sagt Jahnke. Für Prüfung, Personal, Wartung und Reparatur der Zählmaschinen hat die Sparkasse alleine für Münzgeld einen Aufwand von 30.000 bis 40.000 Euro im Jahr. Die Entgelte der Kunden decken diesen nicht. "Bargeld bedeutet für uns Kosten", fasst Jahnke zusammen.

Für die Abschaffung plädiert der Vorstandsvorsitzende allerdings nicht. Bargeld habe für die Menschen immer noch eine große Bedeutung. Die Abhebungen an den Geldautomaten seien seit Jahren auf einem hohen Niveau. 2017 holten die Kunden in Wermelskirchen 111 Millionen Euro ab. "Ich finde, dass Bargeld zudem eine wichtige Funktion zum Schutz der Privatsphäre hat", sagt Jahnke. Denn bei elektronischen Transaktionen seien immer Rückschlüsse zwischen den Abhebungen möglich. In Deutschland sei das Risiko nicht so hoch, dass die Daten abgegriffen und missbraucht werden. "Aber es gibt ja auch Überwachungsstaaten, in denen es eine andere Einstellung zum Datenschutz gibt", sagt Jahnke.

Unter diesem Gesichtspunkt stellt er auch weitere Innovationen wie das kontaktlose Bezahlen via Funk und Smartphone zur Diskussion. Die Sparkasse geht den Trend zwar mit, "es ist aber schwierig zu sagen, was nur ,Hip' ist und was dauerhaft bleibt". Unter anderem soll eine Funktion kommen, bei der man sich von Amazons Assistenten "Alexa" den Kontostand vorlesen lassen kann. Zum Thema Risiko: "Verstehen wir uns nicht falsch: Bargeld ist auch nicht risikolos. Wie bei allem können wir das Risiko aber durch unser eigenes Verhalten beeinflussen", sagt Jahnke.

Insgesamt ist der Vorstandsvorsitzende zuversichtlich, dass Zahlungen mit und ohne Bargeld noch lange parallel existieren: "Es gibt zwar immer mehr Geschäfte mit Karte, das heißt aber nicht, dass weniger mit Bargeld gezahlt wird. Denn auch insgesamt steigt die Zahl der Transaktionen."

Quelle: RP
 
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