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Wermelskirchen
"Begegnung" vor dem Bürgerzentrum

Wermelskirchen. Die Figuren vor dem Rathaus haben auch nach 31 Jahren nichts von ihrer Bedeutung verloren. Lutz Balschuweit hat sich auf die Suche nach dem Künstler gemacht, der die Figuren kreiert hat. Er wollte wissen, was genau sie bedeuten. Von Walter Schubert

Lutz Balschuweit engagiert sich in der Flüchtlingsinitiative "Willkommen in Wermelskirchen". "Wir treffen uns oft vor dem Rathaus oder beim Eiscafé Cordella, um mit den Flüchtlingen etwas zu besprechen", erzählt der Wermelskirchener. Und genau in diesem Bereich stehen die drei Bronze-Figuren, die jeder Wermelskirchener kennt, deren genaue Bedeutung aber vielen unbekannt ist.

Eine Figur sitzt abseits, zwei andere sprechen offenbar über sie. Die meisten Bürger nehmen im Vorbeigehen diese Skulpturen wahrscheinlich gar nicht mehr wahr, sie waren ja "immer schon da", so der Eindruck. Auch Balschuweit und den Flüchtlingen sind die drei Figuren aufgefallen. "Ich wollte einfach wissen, wann, wie und warum das entstanden ist und was sich der Künstler dabei gedacht hat", sagt der Wermelskirchener. Er machte sich auf die Suche.

Rückblick: 1983 hatte die Stadt Wermelskirchen einen bundesweiten Wettbewerb ausgeschrieben. Passend zum Rathaus und Bürgerzentrum sollten Figuren entstehen, die das Zusammentreffen von Menschen symbolisieren. Der Fachlehrer für Kunst und Design, Bildhauer und Objektkünstler Lüder Seedorf, gewann mit seinem Entwurf "Begegnung" den Wettbewerb. 1985 wurden die Figuren aufgestellt.

Die Details dieser Arbeit sind hoch interessant und haben auch nach 31 Jahren nichts an Bedeutung verloren. Balschuweit nahm Kontakt zu Seedorf auf und erhielt eine detaillierte Erklärung des Künstlers: Eine schwangere ausländische Frau sitzt alleine auf einer Bank. Diese Bank ist nach außen gebogen, die Fußhaltung der Frau ist gerade und somit in Fluchtstellung. Sie sitzt außen und ist somit angreifbar von allen Seiten. Eine ältere, deutsche Frau sitzt auf der anderen Bank, die nach innen gebogen ist. Die Frau ist geborgen in dieser Position, auch die Haltung der Beine verdeutlicht: "Hier gehöre ich hin." Hinter ihr steht eine junge Frau in lässiger und lockerer Haltung. Beide schauen hinüber und scheinen über die Ausländerin zu sprechen. Von oben betrachtet sind die beiden Bänke in Form eines Fragezeichens vor dem Bürgerzentrum angeordnet.

Wer schlägt die Brücke? Wer überwindet die Kluft zwischen den Personen und den Bänken? Wie und was denken sie voneinander? Wer macht den ersten Schritt? Das sind die Fragen, die der Künstler in seiner Erläuterung nennt. "Diese Figurengruppe ist auch nach 31 Jahren aktuell", sagt Balschuweit und ergänzt: "Leider immer noch aktuell, oder schon wieder." Es sei schlimm, dass sich in dieser Zeit nichts geändert habe. "Immer noch sprechen wir von Randgruppen, immer noch fehlen Gespräche miteinander - und immer noch wird hinter vorgehaltener Hand getuschelt." Wermelskirchener, die zwischen den Figuren auf den Bänken Platz nehmen, können - vielleicht ganz unbewusst - die "menschliche Lücke" schließen.

Axel Heumann, Musiker und Vorstandsmitglied in der "Kulturinitiative" trifft bei jedem Spaziergang durch die Innenstadt seine Mutter Ilse Heumann (86). "Sie hat nämlich damals im Haushalt von Lüder Seedorf geholfen und wurde als Modell für die ältere, deutsche Frau auserwählt", erzählt Heumann und fügt an: "Ich weiß noch, dass sie stundenlang für die Skizzen still sitzen musste. Wer für die junge Frau Modell gestanden hat, hat der Künstler nie verraten."

Quelle: RP
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