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Wermelskirchen
Bei der Lebenshilfe wird jetzt geforscht

Wermelskirchen: Bei der Lebenshilfe wird jetzt geforscht
Mitarbeiter Otto (v.) zeigt Wolfgang Bosbach, Axel Pulm und Thomas Rachel (v.l.), wie seine Arbeit funktioniert. Auch er wird dazu beitragen, die Sicherheit in der Werkstatt zu verbessern. FOTO: Moll, Jürgen (jumo)
Wermelskirchen. Als Partner des Projektes "SiME" wird in der Werkstatt erforscht, wie zukünftig Sicherheitskonzepte für Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen aussehen müssen. Lob für das Engagement gibt es auch aus Berlin. Von Markus Plüm

Axel Pulm ist angespannt. Der Geschäftsführer der Werkstatt Lebenshilfe in Wermelskirchen hat sich in Schale geworfen, geht nervös auf und ab. Immer wieder schweift sein Blick abwechselnd zur Uhr und zur schweren Metalltür. Man merkt ihm an, dass der Rummel, der gestern in seinen Räumlichkeiten herrschte, nicht alltäglich war.

Denn der Werkstatt Lebenshilfe wurde am Vormittag der Zuwendungsbescheid für die Beteiligung am Verbundprojekt "Sicherheit für Menschen mit körperlicher, geistiger oder altersbedingter Beeinträchtigung" ("SiME") überreicht - aus den Händen von Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Ab sofort wird in der Werkstatt erforscht, welche Besonderheiten in den Sicherheitskonzepten von Einrichtungen, in denen körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen leben oder arbeiten, zu beachten sind.

"Dieses Thema ist ein besonderes, da es eigentlich uns alle betrifft. Aber was ist mit denen, die sich nicht so schnell oder nicht eigenständig in Sicherheit bringen können", sagte der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel und erinnerte an die Brandkatastrophe in einer Caritas-Werkstatt in Titisee/Neustadt, bei der vor rund drei Jahren 14 Menschen ums Leben kamen und ebenso viele verletzt wurden.

"Bisher waren ,normale' Menschen der Bezugspunkt von Sicherheitskonzepten - doch das wird der Sache nicht gerecht. Zukünftig müssen derartige Einrichtungen so gebaut sein, dass für alle Menschen, egal ob mit oder ohne Beeinträchtigung, die Voraussetzungen für eine sichere Evakuierung im Notfall gleich sind." Dazu gehöre auch die Überlegung, Nachbarn und Anlieger mit einzubeziehen.

Insgesamt wird "SiME" mit 1,1 Millionen Euro vom Bund gefördert, die Werkstatt Lebenshilfe erhält als einer von sechs Projektbeteiligten davon anteilig 116.065 Euro. "Wir werden uns als Forschungssubjekte zur Verfügung stellen. Natürlich geschieht das im Einzelfall aber nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Menschen, die hier arbeiten", erläutert Geschäftsführer Axel Pulm.

Die Werkstatt wird unter anderem mit dem Forschungszentrum Jülich, einer der größten Forschungseinrichtungen Europas, kooperieren. "Wir betreiben quasi Stauforschung für Fußgänger. Das lässt sich mit physikalischen Modellen nicht berechnen, Menschen sind schließlich selbstgetriebene Teilchen mit einem eigenen Willen", erklärt Stefan Holl vom Forschungszentrum. "Es geht daher um andere Faktoren wie die Herrichtung von Rettungswegen, Information der Menschen sowie deren Mobilität."

Auch der für Wermelskirchen zuständige Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach nahm an der Projektvorstellung teil. Für ihn sei es nicht selbstverständlich, dass Staatssekretär Rachel an der Veranstaltung persönlich teilnahm. "So eine Urkunde hätte man auch mit der Post schicken können. Aber das Sie hier sind, beweist, wie wichtig dieses Projekt ist." Er dankte außerdem vor allem den vielen Menschen, die sich ehrenamtlich in der Lebenshilfe engagieren: "Verstehen Sie den Zuschlag als Kompliment für Ihre Arbeit. Aber seien Sie sich bewusst: Das größte Kompliment ist das Vertrauen, dass Ihnen tagtäglich von den Menschen entgegengebracht wird, die Ihnen anvertraut werden. Denn die Werkstatt ist nicht nur ein Arbeitsplatz, sonder vor allem auch ein Lebensraum."

Thomas Rachel machte letztlich deutlich, warum er den Weg von Berlin auf sich nahm, um bei der Übergabe dabei zu sein: "Dieses Projekt hat Vorbildcharakter und wird nicht nur in Wermelskirchen und der Region Beachtung finden. Sie werden mit ihrer Beteiligung an ,SiME' bundesweite Maßstäbe setzen und zu einer Verbesserung der Situation beitragen."

Quelle: RP
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