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Wermelskirchen
Bei Festen sind Behinderte ausgeschlossen

Wermelskirchen: Bei Festen sind Behinderte ausgeschlossen
Sigrun Blom hilft ihrem Ehemann Rainer beim Ausladen des Rollstuhls. Das Fahrzeug der Bloms steht auf einem Behindertenparkplatz an der Telegrafenstraße. FOTO: Moll
Wermelskirchen. Behindertenparkplätze in der Innenstadt fallen bei der Kirmes oder verkaufsoffenen Sonntagen weg. Alternativen gibt es nicht. Der Vorschlag, mobile Behindertenparkplätze einzurichten, wurde vom Bürgermeister nicht aufgegriffen. Von Udo Teifel

Die Stadtverwaltung hat in der umgebauten Innenstadt 18 Parkplätze für Behinderte angelegt, die gern von Menschen mit außergewöhnlichen Gehbehinderungen genutzt werden. Doch bei Festen wie Kirmes oder verkaufsoffenen Sonntagen ist dieser Personenkreis von den Festivitäten ausgeschlossen - sie können die breiten Parkplätze nicht anfahren oder diese sind von Schaustellern belegt. Mit Genehmigung der Stadt.

Rainer Blom (53) gehört zu diesem Personenkreis betroffener Wermelskirchener. Nach einer Krebserkrankung ist ihm 2012 im Gelenk das linke Bein amputiert worden. "Damit habe ich mich arrangiert", sagt er. Er ist mobil mit seinem Aktiv-Rollstuhl und, für ganz kurze Strecken, auch mit Gehstützen. Wichtig ist für ihn, wie für alle Behinderten mit außergewöhnlichen Gehbehinderungen, ein Parkplatz im Zentrum der Stadt. Normalerweise ist das kein Problem. Nur bei großen Veranstaltungen, an denen er natürlich auch gern mit seiner Gattin teilnehmen möchte, ist nichts zu machen. "2012 habe ich zum ersten Mal mit dem damaligen Bürgermeister kommuniziert und ihm die Lage dargestellt." Sein damaliger Vorschlag: die Einrichtung eines mobilen Behindertenparkplatzes. Eric Weik sei darauf eingegangen und habe im Bereich Schwanen/Waldstraße während der Kirmes so einen Parkplatz zeitlich befristet zur Verfügung gestellt. Pech für die Behinderten: Am verkaufsoffenen Sonntag war mit dem Fahrzeug kein Durchkommen. "Gut, daran hat er nicht gedacht. Aber er hat wenigstens versucht, den Behinderten zu helfen", sagt Blom.

Dieses Gespräch hat Blom inzwischen auch nach der Frühjahrskirmes mit dem neuen Bürgermeister Rainer Bleek in dessen Sprechstunde geführt. Er habe ihm das Problem erklärt und vorgeschlagen, doch die Parkplätze auf der Telegrafenstraße vor der Stadtsparkasse für die Herbstkirmes (außer am Sonntag) als Behindertenparkplatz befristet auszuweisen. "Von dort kann ein Behinderter alles erreichen." Bleek habe alles aufgeschrieben, doch sich nie gemeldet oder reagiert. Und auch den Vorschlag nicht umgesetzt. Dafür durften am Schwanen zur Kirmes Schausteller offiziell auf den Behindertenparkplätzen ihre Fahrzeuge abstellen. "Wir Behinderte, und das bin ich nicht allein gewesen, sind an diesen Tagen sinnlos rumgekurvt." Blom sieht dieses Handeln - oder Nichthandel - als einen Schlag ins Gesicht der Behinderten.

Diese Situation gibt es auch an verkaufsoffenen Sonntagen. Auch an diesen Tagen sind die wichtigsten Parkplätze auf dem Loches-Platz und der Innenstadt durch Stände belegt. Grundsätzlich könne man damit leben, aber er erwartet Alternativen: "Warum bietet man nicht Behinderten einige Parkplätze im Bereich des Bürgerzentrums an?" Das müsse nicht 1:1 sein, aber zwei oder drei würden die Situation schon mal entspannen. Und Rollstuhlfahrer könnten dann nah ans Geschehen fahren mit gleicher Freude teilhaben wie Nichtbehinderte.

Zur vergangenen Herbstkirmes hat die Stadtverwaltung einen zusätzlichen Behindertenplatz geschaffen. Das teilte Ordnungsamtsleiter Arne Feldmann mit. Und zwar am Schwanen. "In der Innenstadt hatten wir keinen Platz." Die Stadtverwaltung bemühe sich immer,  in erreichbarer Nähe auch bei Veranstaltungen Behindertenparkplätze anzubieten.  Der Parkplatz zur Kirmes sei zwar ausgeschildert gewesen, aber es sei nicht besonders darauf hingewiesen worden. "Behinderte können sich jederzeit bei der Stadtverwaltung über Ersatzparkplätze informieren", sagte Feldmann.

Quelle: RP
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