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Wermelskirchen
Bei Stöcker wird Metall gedruckt

Wermelskirchen: Bei Stöcker wird Metall gedruckt
Klaus Stöcker (l.) und Arnd Meller mit Mustern, die mit der 3D-Druckmaschine gefertigt wurden. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Wo die mechanische Fertigung an ihre Grenzen stößt, kommt der Metalldruck ins Spiel. Mit dem 3D-Verfahren ist Klaus Stöcker Metallbearbeitung führend in NRW. Das Unternehmen bietet einbaufähige Teile, auch aus Kunststoff. Von Udo Teifel

Werk 1, Werk 2 und Werk 3 - kurze Wege waren die vergangenen Jahre für die Mitarbeiter der Klaus Stöcker Metallbearbeitung ein Fremdwort. Eng war's in den Produktionsräumen, auch mal stickig. Schließlich wurde in einem ehemaligen Kuhstall oder gar umgebauten Güllekeller produziert. Die Kunden störte es nicht, denn die kleine Firma aus Emminghausen hatte sich auf hochwertige Einzelteilfertigung in kleinen Stückzahlen spezialisiert - Massenfertigung wird im Haus Stöcker abgelehnt. Denn der Unternehmer will nicht abhängig werden von einem Auftraggeber.

Die Firma wuchs stetig. 50 Mitarbeiter und fünf Auszubildende sind heute in der Firma tätig. Die Erweiterung des Maschinenparks und der Blick in die Zukunft - die Entscheidung für neues Werk war schnell gefallen: Im Herbst kaufte Stöcker von der Firma Steinco, damals wie heute Kunde des metallverarbeitenden Betriebes, die Immobilien an der Wustbacher Straße und vergrößerte sich von 1200 auf 2500 Quadratmeter. Der Umzug erfolgte während der Produktion. Zwei Maschinen wurden ins neue Werk transportiert und installiert, sofort wurde weitergearbeitet. Bis Mitte Mai wurden so fast 50 Fertigungsmaschinen, das Materiallager und die Verwaltung umgesiedelt.

Detailgetreu: Ein Werkstück aus dem Kunststoffdrucker. FOTO: tei.-

Schlaflose Nächte hat Stöcker nicht mehr, vor allem dann nicht, wenn er durch die neuen Hallen geht - hell, geräumig, gute Raumluft. Sein Lieblingsweg führt ihn in den Keller. Dort, im Souterrain des Gebäudekomplexes, steht die Zukunft auch in seiner Branche: ein 3D-Metalldrucker. Das hört sich einfach an, ist aber ein hochkomplexer Vorgang. "Es ist ein großes Stück Zukunft, aber kein Allheilmittel", sagt Arnd Meller, Leiter der additiven Fertigung. "Wir wollen von Anfang an dabei sein, auch wenn's eine teure Technologie ist."

Wo die mechanische Fertigung an ihre Grenzen stößt, kommt dieses Fertigungsverfahren zum Einsatz. Hauchdünne Schichten von Metallpulver werden durch Laserstrahl zum Schmelzen gebracht und so Bauteile gefertigt. Die Stärke dieses Verfahrens ist, dass sich komplexeste Geometrien schnell und präzise fertigen lassen. Es wird eine hohe Materialdichte erzielt, Bögen können produziert, Innenräume gestaltet werden. Dafür ist viel Know-how erforderlich. An Technischen Universitäten beginnt man langsam, dieses Fertigungsverfahren mit in den Lehrstoff aufzunehmen.

Meller, gelernter Industriemechaniker und studierter Diplom-Kaufmann, sieht hier den Reiz: "Mein Herz schlägt für die Technik." So sattelte er um. Als Autodidakt ist er inzwischen Fachmann für dieses Fertigungsverfahren und begleitet aktuell sogar eine Masterarbeit. Chinesische Studenten und Professoren zeigten unlängst großes Interesse an dieser Fertigung. 2000 solcher Anlagen gibt es weltweit. Das Alleinstellungsmerkmal der Firma Stöcker: Sie bietet das komplette Paket - das einbaufähige Teil. Meller: "Andere sind reine Druckdienstleister. Wir aber haben langjährige Erfahrung mit Metall - also die CNC-Bearbeitung, die erforderlich ist."

Fast eine Million Euro hat Klaus Stöcker investiert in die neuen Maschinen - etwa 750.000 Euro für den Metalldrucker und 250.000 Euro für den Kunststoffdrucker. Gerade mit dem Kunststoff-3D-Drucker bietet sich die Möglichkeit, verschiedene Materialien zu kombinieren - beispielsweise ein funktionierender Gummireifen samt Achse. Und nichts muss zusammengebaut werden.

"Wir arbeiten auch für Produktentwickler, die uns ihre Zeichnung bringen und wir das Produkt einmalig als Test herstellen. Die neue Technologie eröffnet unendliche Möglichkeiten - wie zum Beispiel die Einzelproduktion von zerstörten Rückleuchten von Oldtimern. Wenn wir die Bauzeichnung haben, ist das kein Problem. Der Markt für kleine Stückzahlen und für flexibles und schnelles Reagieren ist riesengroß. Und wir sind dabei", freut sich der Firmeninhaber.

Quelle: RP
 
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