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Wermelskirchen
Bergisches Land als Wohlfühloase für Bienen

Wermelskirchen: Bergisches Land als Wohlfühloase für Bienen
FOTO: Domenica Holtkamp
Wermelskirchen. Die Sterberate war über den langen Winter sehr niedrig. Die Tiere haben aber später mit der Honigproduktion begonnen. Von Domenica Holtkamp

Ein reges Treiben herrscht zurzeit in den Bienenkästen von Erhard Scheidler, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Wermelskirchen. Zufrieden schaut der Imker seiner Carnica-Bienen bei der Arbeit zu. Aufgrund des langen Winters haben die Tiere deutlich später mit der Honigproduktion angefangen. "Um etwas Honig zu bekommen, musste ich zwei Völker nach Köln verlegen, wo es etwas wärmer ist als hier", berichtet er. Obwohl ungünstige Wetterbedingungen die Honigproduktion seiner Bienen gehemmt haben, hat der Hobby-Imker Grund zur Freude: "Alle meine acht Bienenvölker haben die kalte Jahreszeit gut überstanden", sagt er.

Auch innerhalb des Vereins war die Sterberate der Bienen über den Winter sehr niedrig. Von 30 Vereinsmitgliedern meldeten nur zwei Imker Völkerverluste. Das einige Bienenvölker den Winter nicht überstehen sei vollkommen normal, sagt Scheidler. Er ist sehr erleichtert, dass das massive Bienensterben, das in weiten Teilen Deutschlands Millionen Bienen dahingerafft hat, das Bergische Land verschont hat.

Dass die hiesigen Bienenvölker so zahlreich den Winter überlebt haben, könnte an der guten Pflege der Imker liegen. Denn Hauptursache für das Bienensterben ist die aggressive Varroamilbe, ein Parasit, der den Bienenstock befällt und sich in die Biene reinfrisst. Mit Ameisensäure lässt sich die Milbe gut bekämpfen, doch es sei Fingerspitzengefühl nötig, denn schon der kleinste Fehler bei der Dosierung könnte die Wirkung zunichtemachen. "Eine fachmännische Behandlung zur rechten Zeit ist unabdingbar, um die Bienenvölker unbeschadet über den Winter zu bringen", sagt der passionierte Imker.

Neben der Varroamilbe können auch ungünstige Umweltfaktoren den Insekten zusetzen. "Heutzutage werden leider überall Pestizide verwendet. Geraten die Schwärme im Kontakt mit dem Gift, kommt es schnell zum Bienensterben", sagt Carsten Siebel, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Dabringhausen. "Gerade in Regionen mit großen Monokulturen ist die Pestizidbelastung besonders groß. Das ist eine ernstzunehmende Bedrohung für die Bienenbestände". Zum Glück sind die bergischen Felder und Wälder noch nicht massiv betroffen. "Das Bergische ist für uns Imker eine Insel der Glückseligkeit. Im Vergleich zu anderen Regionen wird hier wenig Ackerbau und Tierzucht betrieben, dementsprechend niedrig ist die Pestizidkonzentration. Das biete die besten Voraussetzungen für eine positive Entwicklung der Bienenvölker.

Neben der niedrigen Sterberate der Bienen freuen sich die Vorsitzenden auch über einen Anstieg der Vereinsmitglieder. "Viele junge Menschen haben die Imkerei für sich entdeckt" sagt Siebel. Trotzdem sei die Zahl der Bienenvölker im Laufe der Jahre deutlich gesunken. "Früher hat ein Imker 20 Völker betreut, heute sind es im Durchschnitt nur zwei. Gerade junge Imker haben nicht genug Zeit, um mehrere Völker zu versorgen. Die Bienenzucht ist sehr zeitaufwendig und mit viel Arbeit verbunden" sagt der Vorsitzende.

Zusammen mit einem Anstieg der örtlichen Imker, vermeldet Siebel auch einen Zuwachs der dunklen Bienen, deren Zucht aus der Mode gekommen war. "Die schwarze Biene ist wieder voll im Kommen. Die jungen Imker interessieren sich zurzeit verstärkt für diese Bienenart", berichtet Siebel. Er begrüßt die neue Tendenz. "Zwar gilt die schwarze Biene als angriffslustiger als die Carnica- und Buckfast-Biene, dafür ist sie aber resistenter und arbeitsamer".

Quelle: RP
 
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