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Wermelskirchen
Bestatterin - ein krisensicherer Job

Wermelskirchen: Bestatterin - ein krisensicherer Job
Fee Hillesheim (18) macht zurzeit eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft. Mit 15 Jahren sammelte sie in einem Praktikum bereits erste Erfahrungen. FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Wermelskirchen. Fee Hillesheim aus Solingen macht derzeit eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft. Dazu besucht die 18-Jährige das Berufskolleg Bergisch Land in Wermelskirchen. Das Kolleg ist eine von nur drei Schulen in ganz Deutschland, an der man sich zum Bestatter ausbilden lassen kann. Von Wolfgang Weitzdörfer

Eigentlich hatte Fee Hillesheim noch gar keine konkreten Vorstellungen von ihrem späteren Beruf. Doch dann kam der frühe Tod ihres Großvaters, der an Krebs starb, als Hillesheim gerade einmal 15 Jahre alt war: "Ich habe das alles miterlebt, seine Krankheit und wie er dann schließlich verstorben ist. Ich wollte wissen, was eigentlich danach mit dem Verstorbenen passiert. Ich hatte sehr viele Fragen, etwa, was bis zur Beerdigung geschieht", erzählt die 18-Jährige aus Solingen, die derzeit im ersten Ausbildungsjahr zur Bestattungsfachkraft ist.

Die junge Frau arbeitet im Solinger Bestattungsunternehmen Adolf Fritz Bestattungen von Geschäftsführer Klaus Luchtenberg, zur Schule geht sie in Wermelskirchen, auf das Berufskolleg Bergisch Land, eine von nur drei Schulen in ganz Deutschland, an der man sich zum Bestatter ausbilden lassen kann.

Bis sie allerdings ihren Ausbildungswunsch in die Tat umsetzen konnte, musste die 18-Jährige einige Bewerbungen schreiben: "Ich habe mich auch weiter weg von zu Hause beworben, in Köln, Düsseldorf und noch weiter entfernt - habe aber leider immer nur Absagen bekommen." Für Hillesheim hat sich schließlich ausgezahlt, dass sie schon mit 15 Jahren das erste Praktikum in ihrem jetzigen Ausbildungsbetrieb in Solingen gemacht hat: "Der Kontakt ist über eine Bekannte meines Vaters zustande gekommen. Nach der Schule habe ich ein Jahr im kaufmännischen Berufskolleg gemacht, und in den Ferien immer wieder Praktika bei Adolf Fritz Bestattungen absolviert", erzählt die 18-Jährige. Diese Hartnäckigkeit wurde belohnt: "Nach meinen Praktika wurde ich als erste Auszubildende im Betrieb angenommen - obwohl ich auch hier vorher schon einmal eine Absage bekommen hatte", sagt Hillesheim nicht ohne Stolz.

Der Umgang mit toten Menschen ist nun sicherlich nicht jedermanns Sache. Auch für die 18-jährige Auszubildende ist es ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist: "Für mich war das schon seltsam - da spielte ich als 15-Jährige gerade noch mit meinen Freunden Fußball, und im nächsten Augenblick liegt da plötzlich ein toter Mensch vor mir", sagt sie nachdenklich. Die junge Frau hat jedoch einen für sie gangbaren Weg gefunden, mit ihrer nicht einfachen Arbeit umzugehen, wie sie erzählt: "Morgens ziehe ich mir meine Arbeitskleidung an, dann arbeite ich - und am Abend ziehe ich mich um und lasse damit die Arbeit im Betrieb." Allerdings gibt es für die Auszubildende immer auch noch Tätigkeiten, an die sie sich nicht herantraut: "Zahnprothesen wieder einzusetzen - das möchte ich noch nicht machen. Aber natürlich muss ich das auch lernen", sagt Hillesheim.

Neben ihrer grundsätzlichen Motivation für die Ausbildung ("Ich möchte den Menschen einen möglichst schönen letzten Weg bereiten und dabei meine Arbeit so gut wie nur möglich machen) ist es vor allem der Abwechslungsreichtum ihres krisensicheren Jobs, der die 18-Jährige reizt: "Etwa 50 Prozent sind Tätigkeiten im Büro, etwa Telefonate oder die An- und Abmeldung der Verstorbenen beim Standesamt sowie der Kontakt zum Friedhof. Dazu kommt aber dann, dass man beim Vorbereiten der Trauerfeier sehr kreativ sein kann. Und auch der Kontakt zu den Angehörigen ist ein schöner Teil der beruflichen Aufgaben - man bekommt dabei die ganze Bandbreite an Emotionen mit."

Drei Jahre dauert die Ausbildung, danach will die 18-Jährige erst einmal in Anstellung arbeiten. Wo das sein wird, weiß sie noch nicht, allerdings blickt Fee Hillesheim durchaus auch schon weiter in die Zukunft: "In ein paar Jahren möchte ich die Thanatologen-Ausbildung machen. Da lernt man die Einbalsamierungstechniken. Aber jetzt steht erst einmal der Bestatter an."

Quelle: RP
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