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Bleek: 600 zusätzliche Flüchtlinge in 2016

Mobile Redaktion mit Bürgermeister Rainer Bleek
Wermelskirchen. Am BM-Stand diskutierte der neue Bürgermeister Rainer Bleek viel über die Flüchtlingslage und die Verkehrsbelastung. Dabei machte er sich viele Notizen und versprach den Wermelskirchenern, sich um ihre Angelegenheiten zu kümmern. Von Sebastian Bergmann

Renate Nossol ist sauer und empört. Am Vorabend wäre die 80-Jährige beinahe über einen abgerissenen Poller vor ihrer Haustür An der Feuerwache gestolpert. "Das war richtig gefährlich, ich wäre beinahe gestürzt", schilderte die Wermelskirchenerin Bürgermeister Rainer Bleek die Situation. Dieser nahm gleich Zettel und Stift zur Hand, machte sich Notizen und versprach der Seniorin, sich der Sache anzunehmen.

"Schließlich ist es Aufgabe der Verwaltung, sich um solche Dinge zu kümmern", sagte Bleek. Wie Renate Nossol fanden gestern viele weitere Wermelskirchener den Weg zur Mobilen Redaktion der Bergischen Morgenpost auf dem Loches-Platz, gratulierten dem neuen Bürgermeister zum Wahlsieg und stellten Fragen zu aktuellen Themen.

Im Wahlkampf hatte sich SPD-Mann Bleek als "emotional, motiviert, entscheidungsfreudig und humorvoll" charakterisiert. Fünf Wochen nach Amtsantritt durften sich die Wermelskirchener jetzt im persönlichen Gespräch einen Eindruck davon verschaffen. Dabei wurde unter anderem über die Flüchtlingssituation gesprochen, über die Verkehrsbelastung auf der Telegrafenstraße oder über Bäume, die umzustürzen drohen. Ein Überblick.

Am Aktionsstand der Bergischen Morgenpost schilderten Horst Klein (l.) und Frank Stobbe (r.) Bürgermeister Rainer Bleek ihre Anliegen. Dieser diskutierte eineinhalb Stunden mit den Wermelskirchenern - bei eisigen Temperaturen und heißem Kaffee. FOTO: Moll, Jürgen (jumo)

Wie waren die ersten fünf Wochen als Bürgermeister? "Die Arbeit ist sehr intensiv, macht aber auch unglaublich viel Spaß. Aktuell sind die Wochenenden noch etwas ruhiger, aber das wird sich auch bald wieder ändern." Zwischen zehn und zwölf Stunden sei er täglich im Einsatz, erklärte der Bürgermeister.

Das Thema Flüchtlinge lag vielen Wermelskirchenern auf dem Herzen. "Es betrifft beinahe alle Ämter der Verwaltung", sagte Bleek. Die letzten Schätzungen für neuankommende zugewiesene Flüchtlinge hält Bleek zwar für "etwas überzogen". Realistisch seien aber dennoch etwa 600 zusätzliche Flüchtlinge im kommenden Jahr. Die Aufgabe der Stadt sei es jetzt, diesen Flüchtlingen dauerhafte Unterkünfte bieten zu können. Vor allem die Frage, was mit den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen passiert, würde derzeit stark diskutiert. Deswegen sei die Stadt weiter auf der Suche nach Privatunterkünften, Wohnungen und Häusern, die angemietet werden können. "Aber wir werden auch selbst bauen müssen", sagte Bleek. Als mögliche Ziele würden derzeit 50 Standorte geprüft, verriet er.

Stimmen: NRW-Bürgermeister zur Lage in ihrer Stadt FOTO: dpa, fg nic

Die Erstaufnahmeeinrichtungen seien derzeit allerdings "nicht so stark belegt, wie wir das erwartet haben". In den Hallen an der Schubertstraße seien aktuell 47 Flüchtlinge untergebracht, etwa zehn weitere in Dabringhausen. In Dhünn sollen unbegleitete Minderjährige vorübergehend wohnen, zurzeit müssten 18 Kinder- und Jugendliche untergebracht werden. "Wir sind noch immer auf der Suche nach Familien, die bereit sind, sich um diese Kinder zu kümmern. Die Resonanz ist bislang gering", erklärte Bleek.

Frank Stobbe ist Direktor bei der Feuerwehr in Köln und hat in seinem Beruf fast täglich mit Flüchtlingen zu tun. Von Bleek wollte er wissen, wie viele solcher Familien benötigt werden? "Für die Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren brauchen wir etwa 30 Familien", antwortete der Bürgermeister. "Es wird eine ganz wichtige Aufgabe, der wir uns als Gesellschaft stellen müssen", erwiderte Frank Stobbe - Rainer Bleek nickte zustimmend. "Dass diese Aufgabe uns aber noch Jahre beanspruchen wird, sollte allen klar sein", betonte der Bürgermeister.

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai

In den vielen Gesprächen mit den Bürgern am Stand der BM ging es aber nicht nur um die Flüchtlingsdebatte. Ein Senior fragte den ersten Bürger der Stadt etwa, ob es denn sein müsste, dass viele Straßenlaternen auch tagsüber dauerhaft brennen? Horst Klein beschwerte sich hingegen über die Raser auf der Telegrafenstraße. Bleek versicherte dem Anwohner, dass dieses Thema in der Politik bereits diskutiert würde und es jetzt in den Fraktionen zur Abstimmung vorliegt. Der Plan: "Wir werden zwei Verkehrsinseln abbauen und die Telegrafenstraße ab der Sparkasse für den Autoverkehr sperren. Den Radverkehr werden wir wieder gegenläufig durchführen. Ich bin zuversichtlich, dass wir schon im nächsten Frühjahr Fortschritte sehen werden." Die Entscheidung treffe die Politik.

Friedel Preyer war gekommen, um Bleek zur gewonnen Wahl zu gratulieren. "Und ich würde mich freuen, wenn Sie mich zu meinem 91. Geburtstag besuchen kämen", lud der Senior Rainer Bleek gleich zu sich nach Hause ein. Frieda Kötter von der Alten Straße in Dhünn wollte von Bleek wissen, ob zwei alten Birken vor ihrer Haustür gefällt werden könnten. Diese würden nicht viel Laub verursachen und den Anschein erwecken, bald auf ihr Dach zu stürzen. "Vielleicht hilft es ja, sich direkt beim Bürgermeister zu melden", sagte sie. Bleek machte sich eine Notiz und versprach, sich auch darum zu kümmern.

Quelle: RP
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