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Wermelskirchen
Bleek der "Bürgermeister der Herzen"

Wermelskirchen. Die legendäre "Spätausgabe" des Wermelskirchener Kabarett-Duos Herbert und Hotchkiss prüfte die Bürgermeisterkandidaten auf Herz und Nieren: Es floss viel Schweiß, und so mancher Kurzer wurde verdrückt. Von Stephan Singer

Da kam Bürgermeisterkandidat Rainer Bleek (SPD) gleich noch mal ins Schwitzen. Nach "Herbert und Hotchkiss ihre Spätausgabe" in der Kattwinkelschen Fabrik lachte ihn ein Besucher an: "Rainer, es geht das Gerücht, dass dein Sohn die Platte gerade in dein Bett legt!" Gemeint war eine etwa 90 Kilogramm schwere "Kristallstein"-Platte der ehemaligen Bürgerzentrum-Fassade. Diese überreichte das legendäre Wermelskirchener Kabarett-Duo Herbert (Armin Himmelrath) und Hotchkiss (Uwe Engelbracht) dem als "Bürgermeister der Herzen" knappen Sieger des Abends, Rainer Bleek. Bereits in den vier Stunden Programm zuvor floss reichlich Schweiß.

Seit 1998 konnte kein Bürgermeisterkandidat ins Rathaus einziehen, ohne vorher durch das kabarettistische "Höllenfeuer" von "Herbert und Hotchkiss" gegangen zu sein. "Wir wollen niemanden bloßstellen. Aber wir bieten eine Plattform, auf der das Publikum die Kandidaten auf spielerisch-lustige Weise menschlich besser kennenlernen kann - sich über fast vier Stunden so nah am Publikum dauerhaft zu verstellen, ist schwer bis unmöglich", sagte Armin Himmelrath im BM-Gespräch.

Stefan Leßenich (CDU), Marc Dieluweit (Einzelbewerber) und Rainer Bleek trennten sich letztlich denkbar knapp: Bleek verbuchte 16, Leßenich 15 und Dieluweit 14 Punkte. Aus terminlichen Gründen gar nicht zur "Spätausgabe" angetreten war Mike Galow (Die Linke). Und Herbert und Hotchkiss wären nicht sie, wenn sich das Duo für diese Lücke nicht etwas Besonderes hätte einfallen lassen: Sie holten Henning Rehse als Galow-Vertretung auf die Bühne und stülpten dem WNK/UWG-Fraktionsvorsitzenden ein "Mike"-T-Shirt mit rotem Stern über. Gegenüber der BM kommentierte Rehse: "Da habe ich was zum Anziehen für die nächste Ratssitzung." Allerdings: Nach etwa der Hälfte des Programm konnte sich Rehse wieder ins Publikum zurückziehen, denn Herbert und Hotchkiss erhielten in Anlehnung an das peinliche Kölner Stimmzettel-Debakel von der "Bezirksregierung" die "Anweisung", dass Rehse nicht der Vertreter für Galow sein könne, weil er "zu groß" sei.

Ob es nun um das Singen des Bergischen Heimatliedes oder das möglichst schnelle An- und Ausziehen einer Tarnuniform ging, die drei Kandidaten hatten vielfältige Aufgaben zu erfüllen - meist bewertet durch den "Lärmometer", also die Applaus-Stärke des Publikums. Erschwerend dabei: Im Eifer des Gefechts mussten die Kandidaten den einen oder anderen Kurzen trinken, was bekanntlich die Zunge lockert, aber die Konzentration stört. Dazu galt es, noch ein Tablett mit Bier zu "vernichten". Das hatte Stefan Leßenich in der Programmpause gegen eine Nuss eingetauscht. Jeder Kandidat bekam zur Pause von Herbert und Hotchkiss eine Nuss, um diese in den 20 Minuten möglichst gut zu tauschen. Rainer Bleek brachte es auf eine Sonnenbrille, ein Hörgerät und einen BH, Marc Dieluweit auf eine Cartier-Damen-Armbanduhr (wollte sich von Hotchkiss aber nicht darauf festlegen lassen, diese zugunsten der Tafel zu spenden).

Übrigens: Mit "echten Stimmzetteln", einer "echten Wahlkabine" und dem noch amtierenden Bürgermeister Eric Weik als Wahlhelfer mussten die "Spätausgabe"-Besucher vor Beginn des Programms, in dem auch die Kabarettisten René Sydow und Lars Redlich 20-minütige Auftritte hatten, ihren "Bürgermeister der Herzen" wählen: Mit 41 Prozent belegte ebenfalls Rainer Bleek den Spitzenplatz (Dieluweit: 32; Leßenich: 16; Galow: 5 Prozent).

Quelle: RP
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