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Wermelskirchen
Blut gibt es nicht im Supermarkt

Wermelskirchen. Nur vier Prozent der Deutschen spendet Blut. 33 Prozent könnten es. Zur Spendeaktion des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) am Montag am Weihnachtsbaum an der Carl-Leverkus-Straße kamen 89 Spender, darunter zwölf Erstspender. Von Elena Erbrich

Anton Sinner verzieht das Gesicht. "Der Stich in die Ader tut ein bisschen weh", sagt er. "Ist aber okay." Vor vier Wochen ist der Schüler volljährig geworden. Nun kann er endlich Blut spenden. Gelegenheit dazu hatte er am Montagnachmittag. Am Weihnachtsbaum an der Carl-Leverkus-Straße hatte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) das Blutspendemobil aufgestellt. 89 Wermelskirchener kamen. Darunter zwölf Erstspender. 63 volle Konserven konnten dem Blutspendedienst Breitscheid übergeben werden.

Bevor Anton Sinner auf die Liege darf, muss er erst einmal einen Fragebogen ausfüllen. In dem wird unter anderem nach Krankheiten, Auslandsreisen und Medikamenten gefragt. Birgit Baust vom DRK-Blutspendedienst West aus Breitscheid erklärt: "Viele glauben, dass sie nicht spenden dürfen, weil sie zum Beispiel Diabetes haben und Medikamente nehmen müssen. Aber das bedeutet nicht, dass sie von der Spende ausgeschlossen sind. Am besten, man kommt mit seinen Arzneimitteln zur Blutspende und bespricht das mit dem Arzt."

Anton Sinner muss nach dem Ausfüllen des Fragebogens zu Martin Müller vom medizinischen Fachpersonal ins Spendemobil. Er testet die Temperatur des 18-Jährigen und ermittelt den Hämoglobin-Wert, kurz: Hb-Wert. Der zeigt an, wie viel Eisen im Blut vorhanden ist. Nur wenn der Wert hoch genug ist, wird der Organismus optimal mit Sauerstoff versorgt. Um den Hb-Wert zu ermitteln, sticht Müller in Sinners Ohrläppchen und entnimmt einen Tropfen Blut. Alles okay. Er kann spenden. "Das gespendete Blut wird nicht mehr unbedingt für Operationen gebraucht. Die Medizintechnik macht riesige Fortschritte", erklärt Baust. "40 Prozent geht in die Tumor-Krebstherapie. Während einer Chemotherapie können die Patienten selbst nicht genug Blut bilden und brauchen Fremdblut." Nach den Tests geht es für den Schüler zum persönlichen Gespräch mit dem Arzt. Dort wird der Fragebogen besprochen, der Blutdruck und der Puls gemessen und über die Risiken der Blutspende informiert. Danach muss Sinner noch etwas trinken, dann darf er auf der Liege Platz nehmen. Alles geht ganz schnell: Er bekommt die Manschette umgelegt, die Nadel wird in die Ader gestochen und schon fließt das Blut. Dann fängt das Gerät an zu piepen: Der Blutfluss ist zu langsam. Der 18-Jährige muss mit der Hand einen kleinen Ball pumpen.

Gegenüber von Sinner liegt Max Möbus. Der 21-Jährige ist heute auch zum ersten Mal beim Blutspenden. "Mein Arm fühlt sich ein bisschen taub an, aber das ist wohl normal", sagt er. Auch Sinner fühlt langsam ein wenig Taubheit in seinem Arm. Es tue aber nicht weh, versichern die beiden Neuspender. "Es ist so einfach, anderen zu helfen. Und es ist ein schönes Gefühl, wenn man den Menschen, die Blut brauchen, welches geben kann", sagt Möbus. Auch Anton Sinner findet, dass Blutspenden eine "gute Sache" ist. "Meine Eltern spenden beide", sagt er. "Ich wollte auch schon spenden, bevor ich 18 Jahre alt war, aber das ging ja nicht." "Wir haben zu wenig junge Spender", sagt Baust. Nur drei bis vier Prozent der Deutschen spendet Blut. 33 Prozent wären spendefähig. "Der häufigste Grund, warum junge Leute nicht spenden, ist, weil sie neben der Arbeit zu wenig Zeit haben", sagt Baust. "Wir brauchen aber Spender. Blut kann man nicht im Supermarkt kaufen. Und auch wenn daran geforscht wird, künstliches Blut wird es nie geben."

Besonders gefragt seien die Spender mit der Blutgruppe "0/Rhesus-negativ". "Das Blut dieser Spender können auch Menschen mit anderen Blutgruppen vertragen", sagt Baust. "Nur sieben Prozent aller Menschen haben diese Blutgruppe."

Zurück im Spendemobil: Sinner ist noch auf der Liege. Fünf bis 15 Minuten dauert die Blutspende. Ein halber Liter wird abgezapft. "Das Blut schicken wir im Anschluss an das Zentrallabor in Hagen. Dort wird es untersucht", erklärt Baust. "So bekommt der Spender auch viele Informationen über sein Blut und weiß, welche Blutgruppe er hat."

Nach dem Blutspenden muss Sinner noch zehn Minuten liegen bleiben. "Vorher muss man auf jeden Fall gut gegessen und getrunken haben", erklärt Baust. "Man verliert nämlich zwischen 500 und 600 Kalorien." Nach dem Ausruhen darf sich Sinner dann draußen stärken. Ein Buffet ist aufgebaut, und ein Geschenk gibt es auch noch: ein Multifunktionswerkzeug inklusive Gürteltasche. Bis zur nächsten Blutspende muss Sinner nun ein bisschen warten: 56 Tage müssen zwischen den Terminen liegen.

Quelle: RP
 
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