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Wermelskirchen
Die Invasion der Bremsen

Bremsen: Das hilft bei Stichen
Wer sich eine Bremse aus der Nähe anschaut, dem fallen vor allem die bunt schillernden Augen des Insekts auf. FOTO: Heinz Mehlhorn
Wermelskirchen. Jeden Sommer kommen die aggressiven Blutsauger und piesacken Mensch und Tier. Vor allem diejenigen, die sich im Freien aufhalten, sollten sich schützen. Ein effektives Mittel ist dabei immer noch die gute alte Fliegenklatsche. Von Jan Dobrick

Sie sehen aus wie große Fliegen mit auffallend gefärbten Augen, haben grazile Beine, einen langen, feinen Stechrüssel, der problemlos durch T-Shirts dringt, und können bis zu 0,2 Milliliter Blut saugen: Bremsen, penetrante Plagegeister, die schnell fliegen, schmerzhaft stechen und ideale Bedingungen vorfinden, seit sich extreme Hitze mit Regenschauern abwechselt.

Das blutsaugende Insekt, dem es in Nullkommanix gelingt, tolle Sommertage zu verderben, da sein Stich pikt, juckt und quaddelt, beschäftigt auch Arif Yaksan, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie im Krankenhaus Wermelskirchen: "Wir mussten schon einige Patienten bei uns aufnehmen, die eine allergische Reaktion auf einen Stich gezeigt haben", sagt Yaksan. Er weiß, wie man sich vor den Blutsaugern schützen kann - "etwa durch lange Arm- und Beinbekleidung" -, und was nach einem Bremsenstich Linderung verspricht: "Die Stelle sollte unbedingt desinfiziert, gekühlt und beobachtet werden." Wenn Schwellung und Rötung zunehmen, empfiehlt Yaksan, sich in ärztliche Behandlung zu begeben. "Wer etwa eine entzündliche Erkrankung der Haut hat, bekommt bei uns ein Antibiotikum", sagt der Arzt - und warnt davor, sich die Wunde aufzukratzen: "Man verletzt die Haut und schafft zusätzliche Eingänge für Bakterien."

Das hilft bei Stichen FOTO: Shutterstock/Image Point Fr

Wer sich im Freien aufhält, sollte laut Apothekerin Barbara Schwinghammer-Steinbach "helle Kleidung tragen, denn Bremsen steuern eher dunkle Klamotten an". Um nachts seine Ruhe zu haben, sollte man engmaschige Fliegengitter an den Schlafzimmerfenstern anbringen. "Außerdem sollte man auf Abwehrmittel, so genannte Repellents, setzen", sagt die Apothekerin - diese verändern den menschlichen Eigengeruch. "Zum Schutz vor Bremsen sollte das Mittel alle sechs bis acht Stunden neu aufgetragen werden", sagt Schwinghammer-Steinbach. "Und das möglichst lückenlos." Das effektivste Mittel, um eine Bremse loszuwerden, ist für die 53-Jährige aber immer noch die gute alte Fliegenklatsche.

Bremsen sind in den Sommermonaten auch für Tiere ätzende Plagegeister; insbesondere für Pferde. Die sieht man häufig über die Koppel rennen, was allerdings in vielen Fällen nichts mit ihrem großen Bewegungsdrang zu tun hat: Die Tiere wehren die Attacken der Blutsauger ab. Die Unruhestifter krabbeln sogar in die Nüstern und Augen. "Bei dem schwül-warmen Wetter werden die Pferde vor allem auf Weiden gepiesackt, die an Bächen oder Teichen liegen", sagt die Wermelskirchener Tierärztin Uta Schmitt: "Die Tiere sind darum ständig unruhig."

Schweiß enthält Geruchsstoffe, die Bremsen anlocken, darum reiben manche Besitzer die Pferde mit ätherischen Ölen ein. "Das hilft aber kaum", sagt Schmitt. "Durch eng anliegende Fliegendecken stechen Insekten durch. Die Attacken können so schlimm sein, dass Tiere kollabieren." Auf dem Reiterhof der Familie Reitz in Unterhebbinghausen bleiben die Pferde, wenn die Plage besonders schlimm ist, tagsüber in den Boxen. "Wir versuchen, die Blutsauger mit Insektenfallen zu bekämpfen, haben gegen die Masse aber keine Chance", sagt Gudrun Reitz: "Einige unserer Tiere hatten Quaddeln am ganzen Körper."

Tierärztin Schmitt warnt auch Hundebesitzer vor den Bremsen, denn bei den Vierbeinern können Insektenstiche schlimme allergische Reaktionen auslösen. "Hunde schnappen nach Bremsen. Wenn sie in den Rachen gestochen werden, kann das lebensgefährlich sein." Für junge Hunde, die noch eine sehr empfindliche Haut haben, sind Bremsenstiche extrem schmerzhaft. Noch schlimmer sind jedoch Wespenstiche: "Am Wochenende habe ich einen Hund behandelt, der in einem Erdwespennest gebuddelt hat. Der war mit Stacheln übersät, hat gezittert, so dass nur noch ein kühles Bad im See geholfen hat", sagt die Tierärztin. Ein Hund sollte "von den Schmerzen abgelenkt werden, damit er sich nicht hineinsteigert", rät Schmitt.

Quelle: RP
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