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Wermelskirchen
Bürger schauen bei der Ansitzwoche den Jägern zu

Wermelskirchen. Der heimische Wildbestand wächst und gedeiht - in den Augen des Wermelskirchener Hegerings stellenweise sogar zu gut. Denn die Population von Wildschweinen und Füchsen ist nach Ansicht der Jäger bedenklich groß.

Diese und andere aktuelle sowie grundsätzliche Informationen vermittelt der Hegering mit seinen 180 Mitgliedern den Wermelskirchenern bei einer alljährlichen Aktion, zu der interessierte Bürger zum Ansitz in den Revieren einladen sind. Am Wochenende begleitete Stefan Kind den Vorsitzenden des Norbert Drekopf in dessen Revier "Große Ledder".

"Das ist ein kleines, aber feines Revier", beschreibt der 67-jährige Drekopf sein "Reich", wo für den Rentner nicht nur die Jagd, sondern Pflege, Hege und Naturschutz im Vordergrund des Handelns steht. Das 280 Hektar große Areal ist hauptsächlich von einem Privatmann gepachtet (220 Hektar), dazu kommen Verpächter mit kleineren Teilen, wobei es sich hauptsächlich um Landwirte und deren Felder handelt. "In diesem Jahr haben sich fünf interessierte Bürger bei uns gemeldet. Die verteilen wir immer auf die 18 Reviere. Mit dieser Aktion wollen wir die Akzeptanz der Jagd stärken, Werbung für unser Vereinsleben machen und vielleicht den einen oder anderen Nachwuchsjäger gewinnen", beschreibt Drekopf, der in seinem Revier Dr. Wolfgang Wiemann (68) unterstützt wird.

"Ich hatte persönlich nie Berührungspunkte mit der Jagd. Als gebürtiger Wermelskirchener interessiere ich mich aber für heimische Wildarten und wollte zudem mal wissen, was abends bei den Jägern los, wenn unsereins in der Regel auf der Couch sitzt - das dient doch der Erweiterung des Horizonts", erläutert Stefan Kind seine Motivation, sich einen Abend mit einem Jäger auf dessen Hochsitz "um die Ohren zu schlagen".

In der Regel dauert ein sogenannter Ansitz abends vom Anbruch der Dämmerung bis etwa 22 Uhr - dann tritt das Wild aus, wie es in der Jägersprache heißt. Aber, so wissen Drekopf und Wiemann: "Nachtaktive Tiere wie das Wildschwein oder der Fuchs sind schwer zu bejagen. Je nach Mondphase kann man da auch um zwei Uhr noch sitzen."

Im Gespräch kann sich Norbert Drekopf eine Spitze in Richtung Politik nicht verkneifen: "Man macht den Jägern das Leben schwer. Wir sind nicht nur Schädlingsbekämpfer, sondern Heger, die viel für das Biotop tun. Wir dürfen die Natur nicht sich selbst überlassen, die Jäger haben dafür eine fundierte Ausbildung - auch für den Arten- und Landschaftsschutz."

Mit einem großen Jägerfrühstück mit 50 erwachsenen Teilnehmern und elf Kindern endete gestern in Drekopfs Garten übrigens die Wermelskirchener Ansitzwoche, in der besonders intensiv gejagt wird.

(sng)
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