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Wermelskirchen
Bürger verlieren Vertrauen in die Politik

Wermelskirchen: Bürger verlieren Vertrauen in die Politik
Immer mehr Autos rollen durch den Telegrafenstraße - von Aufenthaltsqualität ist da nichts mehr zu spüren. FOTO: Michael Schütz
Wermelskirchen. Den Beschluss einer Ausschussmehrheit, den Versuch zur Reduzierung des Durchgangsverkehrs nach knapp drei Wochen aufzuheben, quittierten die Wermelskirchener mit Kopfschütteln. So gibt es keine Aufenthaltsqualität. Von Stephan Singer

Viele Wermelskirchener sind sich mit Bürgermeister Rainer Bleek einig: Es sei eine "Peinlichkeit für die Stadt", das Durchfahrtsverbot in der Telegrafenstraße knapp drei Wochen nach Beginn der Testphase per politischem Beschluss wieder aufzuheben. Das ergab gestern eine Umfrage unter Passanten, die die BM-Redaktion nach ihrer Meinung zu dem "Hin und Her" der Politik befragte. Nicht gefallen dürfte dem Bürgermeister dabei, dass alle Befragten die Szenerie mit einem Kopfschütteln bedachten und einen Vertrauensverlust in Entscheidungen aus dem Rathaus reklamierten.

"Das kann man nicht mehr ernst nehmen. Dieses Hick-Hack trägt auf jeden Fall zur Belustigung bei", meinte Monika Sander. In den vergangenen Wochen des Durchfahrtsverbots stellte die 43-Jährige, die stets zu Fuß unterwegs ist, fest: "Da hat sich doch niemand dran gehalten." Als "völlig lächerlich" sehen Tanja (28 Jahre) und Christopher (32) Rautenberg die Entscheidungen: "Da fragt man sich doch, ob da jemand Langeweile hat. Es wurde völlig unnötig Geld ausgegeben, das nehmen wir nicht für voll. Die Telegrafenstraße sollte ohne Durchfahrtsverbot bleiben. Natürlich gibt es manchmal Kuddel-Muddel mit den parkenden Autos auf der linken Fahrbahnseite - das ist aber allemal besser, als ständig Geld in den Sand zu setzen!"

Eine Verkehrsberuhigung oder gar eine Fußgängerzone auf der Telegrafenstraße kann sich Norman Beuth zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität durchaus vorstellen. Der 33-jährige Selbstständige betont aber: "Nicht so. Das ist eine Farce. Wenn, dann macht man das richtig und den Eingang zu, nicht erst auf den letzten 20 Metern. Vielleicht sollten die Politiker ihre Zeit mal weniger mit dem Kommentieren in Internet-Netzwerken verbringen und mehr Zeit in vernünftige Arbeit investieren."

Imbissbuden-Betreiber Thomas Coen hört gerade in der Mittagspause viel von seinen Kunden. Für ihn steht fest: "Wermelskirchen hat sich völlig blamiert. So etwas muss man doch durchziehen, da darf man sich einfach von niemandem ins Bockshorn jagen lassen."

Frank von Juterzenka und Bernd Meyer sind sich einig: "Das ist eine Posse, die nicht geht - eine Blamage für alle." In ihren Augen hätte es Sinn gemacht, den Versuch der abgewandelten Verkehrsführung zumindest testweise zu beenden. "Schilder sind schon negativ, das jetzt ist noch negativer", kommentiert Bernd Meyer. Er bemängelt die "Respektlosigkeit" derer, die sich nicht an Verkehrsregeln halten. Frank von Juterzenka sieht zudem eine "Respektlosigkeit gegenüber dem Bürgermeister": "Ihm wurde in den Rücken gefallen, das kann ich nicht vertragen."

Anja Jäger, Inhaberin des Geschäfts "Die Büste", ist froh, dass die Sperrung aufgehoben ist: "Es war ein Chaos. Diejenigen, die es beschlossen haben, sind ja selber durchgefahren." Die Einzelhändlerin und Anliegerin der Telegrafenstraße befürchtet Umsatzeinbußen bei einer dauerhaften Sperrung der Straße. Ihr Vorschlag: "Man sollte den Verkehr mit Bodenwellen verlangsamen, damit alle wirklich nur 20 Stundenkilometer fahren." Einen langen Rückstau aus der Straße "An der Feuerwache" auf die Telegrafenstraße beobachteten die "Male"-Mitarbeiterinnen Melanie Wolff und Elke Kentschke während des Durchfahrtsverbots täglich: "Es war vor allem für Linksabbieger gefährlich, von der Telegrafenstraße auf den Brückenweg zu kommen."

Diese Rückstaus beobachtete auch Peter Schmidt vom Bürobedarfhandel an der Telegrafenstraße: "Das war eine Katastrophe." Der Einzelhändler ist überzeugt: "Solche Maßnahmen führen nicht zum Aufbau von Vertrauen. Dabei verliert die Politik, weil es keiner nachvollziehen kann."

Quelle: RP
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