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Wermelskirchen
Das Brandhaus wird wieder aufgebaut

Wermelskirchen: Das Brandhaus wird wieder aufgebaut
Von zwei Drehleitern aus versuchten die Feuerwehrleute, das Feuer zu löschen und das Nachbarhaus vor den Flammen zu retten. FOTO: Teifel, Udo
Wermelskirchen. Über fünf Monate hat es gedauert, bis sich Sachverständiger und Versicherung über die Summe geeinigt haben, damit das ausgebrannte Haus an der Berliner Straße wieder aufgebaut werden kann. Das Abbruchunternehmen startet bald. Von Udo Teifel

Wer am Haus Berliner Straße 80 vorbeigeht, spürt ihn - diesen Brandgeruch. Er hängt auch 23 Wochen nach dem verheerenden Feuer in dem Mehrfamilienhaus immer noch in der Luft. Doch das soll sich in den nächsten Wochen ändern: Das Architekturbüro Rolf Hilverkus bereitet Pläne vor, damit ein Abrissunternehmen in vielleicht zwei bis spätestens drei Wochen die Arbeit aufnehmen kann. "Ich hätte mir das auch früher gewünscht", sagt Eigentümer Uwe Winkler im Gespräch mit unserer Redaktion. Aber die Gespräche zwischen dem Sachverständigen und der Versicherung hätten jetzt erst abgeschlossen werden können.

Gegen 5 Uhr wird das Feuer an jedem Sonntagmorgen im Juni entdeckt. Als die Feuerwehr eintrifft, schlagen die Flammen aus dem Dachstuhl, Fensterscheiben im ersten Obergeschoss sind geplatzt. Mit der Drehleiter rettet die Feuerwehr einen Vater und seine Tochter - sie sind nicht mehr vom ersten Obergeschoss ins Treppenhaus gekommen. Fünf Personen flüchten eigenständig aus den Flammen. Die Feuerwehr pumpt Unmengen Wasser ins Gebäude, um das Übergreifen auf die Nachbarhäuser zu verhindern. Denn Brandmauern gibt es in dem rund 100 Jahre alten Gebäudekomplex an dieser Straße nicht.

Als das Feuer gelöscht ist, stehen Bewohner wie Nachbarn geschockt am Straßenrand. Das Brandhaus ist nicht mehr betretbar - Einsturzgefahr. "Die besteht heute immer noch", sagt Winkler. Denn das Gebäude wurde mit Holzdecken gebaut. Im Keller gibt es zwar noch ein Gewölbe, aber bis man dahin kommt, ist es lebensgefährlich.

Bei einer ersten Inspektion begutachtete Frank Küchelmann (rotes T-Shirt) von der Dachluke aus wenige Stunden nach Ausbruch des Feuers mit Dachdeckern den Zustand von Kamin und Dach. FOTO: Teifel, Udo

Der Eigentümer hätte am liebsten schon das Dach drauf - doch so schnell klappt das alles nicht mit der Versicherung. "Ich habe glücklicherweise keine Probleme mit meiner Versicherung. Aber die Gespräche zwischen dem Gutachter und der Versicherung dauern eben." Jetzt habe man sich auf eine Summe geeinigt, so dass zeitnah mit dem Abriss begonnen werden kann. "Wir reißen natürlich nicht das Gebäude ab", sagt Winkler. Der Brandschutt wird entfernt, und das wird viel Arbeit machen. Die vordere Wand zur Straße bleibt erhalten, auch Erdgeschoss und erstes Obergeschoss. Ein Kran wird aufgebaut, um das Material aus dem Gebäude zu holen, ebenso wird ein Gerüst errichtet. Er hofft, dass die Zimmerleute noch vor dem Wintereinbruch den Dachstuhl errichten und das Dach provisorisch abdichten, damit nicht noch mehr Feuchtigkeit in die Wände zieht. Eingezogen werden später dann Betondecken.

Nasse Wände - das ist besonders das Problem für die Nachbarn. Denn als die Gebäude gebaut wurden, gab es keine Brandmauern. Heute sind doppelte Mauerwerke Pflicht. Zwischen den Wohnungen gibt es nur eine Ziegelmauer. Und die ist nass. "Das Ziegelmauerwerk hat das Wasser aufgesogen wie ein Schwamm", erzählt Frank Küchelmann, der mit Ehefrau Ursula und Schwager und Schwägerin im Haus Nummer 82 wohnt. Die Giebelseite ist immer noch nass. Ebenso der vierzügige Kamin, an den beide Häuser angeschlossen sind. Dort hatte die Feuerwehr "die Schläuche reingehalten", um Kamin und Wand zu kühlen und ein Überspringen des Feuers zu verhindern. So war das Gebäude Nummer 80 quasi geflutet worden. Die Nässe stellt heute noch das Hauptproblem dar.

Küchelmanns haben inzwischen schon einen mittleren fünfstelligen Betrag für die Zwischensanierung investiert; wie viel die Sanierung noch kostet, kann er nur schätzen. Die Wohnungen waren völlig verrußt, noch heute sind im Keller und im Erdgeschoss Trocknungsgeräte im Einsatz. Bei seinem Schwager in der Wohnung sind die Wände offen, die Decke ist runter, damit es besser trocknet. Ein normales Leben in seinen vier Wänden sieht anders aus. Das Wohnzimmer ist kalt.

Wasser marsch: Viel Wasser wurde benötigt, um das Feuer zu löschen. FOTO: Teifel, Udo

Küchelmann hat durch seinen Dachdecker die Giebelwand provisorisch mit Planen vor weiterer Nässe durch Regen oder Schnee geschützt. Ein Problem stellt nach Ansicht von Küchelmann der Keller des Brandhauses dar. "Dort sind, direkt an unserer Kellerwand, viele Kartons gelagert. Die sind nass. Damit kann die Kellerwand nicht trocknen." Die Zusammenarbeit mit dem Besitzer des ausgebrannten Hauses bezeichnet er als "in Ordnung".

Winkler kennt das Kellerproblem. Er würde die Fläche gern räumen. Aber: "Der Keller ist einsturzgefährdet durch die heruntergestürzten, verbrannten Holzkonstruktionen. Da kann jetzt keiner rein und die Kartons bergen." Er zeigt sich aber zuversichtlich, dass mit dem Arbeitsbeginn des Abbruchunternehmens auch dieses Problem beseitigt wird.

Quelle: RP
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