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Wermelskirchen
Das Kunstrasen-Dilemma

Wermelskirchen. Der DTV bekommt seinen Kunstrasenplatz. Vom Asterweg-Verkaufserlös soll ein neues Vereinsheim gebaut werden. Von solchen finanziellen Sprüngen können Tura und SV 09/35 nur träumen. Beide Klubs würden in Vereinsplatz investieren. Von Udo Teifel

Die Kunstrasenplatz-Diskussion steuert auf ihren Höhepunkt zu. Während der DTV seinen neuen Platz quasi sicher hat, ist ein zweiter Kunstrasenplatz noch nicht in trockenen Tüchern, auch wenn der Vorschlag von der CDU/SPD-Mehrheit kommt. Die eine Frage ist: Wird der Tennenplatz im Eifgen für ein neues Hallenbad gebraucht? Oder findet sich, zum Beispiel im Ostviertel, ein neuer Platz? Und hat die Stadt Wermelskirchen das Geld, noch einen Platz für weitere 500.000 Euro zu bauen? Inzwischen sind Tura und SV 09/35 bereit, jeweils 50.000 Euro beizusteuern - für einen Vereinsplatz.

Die Fußballvereine hatten die Prioritäten selbst festgelegt: Ja zum DTV-Platz am Höferhof, ja zum Kleinspielfeld zwischen Rasen- und Tennenplatz im Eifgen. Dort hätten Jugendliche bis zur D-Jugend trainieren, jüngere auch spielen können. Dieser Platz ist vom Tisch. CDU/SPD drückten im Fachausschuss mit ihrer Mehrheit den Antrag durch, zwei große Plätze zu bauen.

Andreas Gall (DTV) befürwortete den zweiten Platz: "Er ist wichtig für Wermelskirchen." Sein Verein würde sich mit Benefizaktionen engagieren, um Geld dafür zusammenzubekommen. Auf dem Höferhof wird wohl kein anderer Verein spielen - der DTV hat so viele Mannschaften, dass die Nutzungszeiten ausgelastet sein werden.

Gall trat im BM-Gespräch Gerüchten entgegen, der DTV werde Vereinsgelände und -immobilie am Asterweg nicht verkaufen, weil die Stadt einen Großteil der Kosten für den Neubau übernähme. "Der interessierte Investor war abgesprungen. Daher ruhten die Überlegungen. Jetzt, wo Klarheit herrscht, werden wir in die Vermarktung gehen", sagte Gall. Er würde gern mit dem Geld ein neues Vereinshaus mit Kabinen am Höferhof bauen. "Für unsere Eigenbeteiligung von 100.000 Euro brauche ich Asterweg nicht verkaufen. Wir bekämen einen Sparkassen- oder sogar Privatkredit." Da mache er sich keine Sorgen. Er glaubt auch nicht, dass er mit 100.000 Euro einsteigen müsse. "Wir prüfen unsere Eigenbeteiligung."

Tura Pohlhausen würde 50.000 Euro plus das Geld vom Kunstrasenkonto für den Kunstrasenplatz-Bau in Pohlhausen einbringen, erklärte Vorstandsmitglied Walter Böse auf Anfrage. Grundsätzlich sei er zufrieden, dass die Stadt das Projekt Kunstrasen nach zwölf Jahren auf die Schiene bekommen habe. Dass Tura sich finanziell an den Investitionen im Eifgen beteilige, glaube er persönlich nicht. Für seinen Verein sei es schwer, die Kinder zu halten. Der Weg nach Remscheid über den Eschbach sei nicht weit. "Wenn sich nichts tut, haben wir bald keine Kinder." Und müssten Eltern ihre Kinder erst ins Eifgen zum Kunstrasenplatz-Training bringen, bestehe die Gefahr, dass sie gleich zum Sport-Verein 09/35 wechselten.

Auch der SV 09/35 steckt in der Bredouille - und braucht dringend einen Kunstrasenplatz. "Eltern sagen uns klipp und klar, sie seien es leid, dass ihre Kinder so verdreckt von den Tennenplätzen Eifgen oder Tente nach Hause kämen", sagte gestern Vorstandsmitglied Peter Roderweiß. Und auch seinem Verein laufen die Kinder längst weg: "Der Weg mit dem Rad über die Balkantrasse aus dem Ostviertel nach Bergisch Born oder von Tente nach Hilgen ist plötzlich sehr nahe. Viele sind schon abgewandert. Wir wissen langsam nicht mehr, was wir machen sollen. Wenn die Eifgenanlage nicht in einen Kunstrasenplatz umgewandelt wird, können wir nicht überleben."

Der Sport-Verein tilge derzeit jährlich 10.000 Euro seiner Schuldenlast. Roderweiß, der seit vielen Jahren Schatzmeister ist, meinte zur finanziellen Eigenbeteiligung bei den Investitionen: "Ein Darlehen über 50.000 Euro als Eigenbeteiligung wäre sicher machbar. Dann dürfen wir aber nicht noch mehr Mitglieder verlieren."

Denn Sponsoren gebe es nicht für so ein Projekt, nur für die erste Mannschaft. "Letztlich ist der Zeitpunkt verpasst worden, das Projekt Kunstrasen in Wermelskirchen anzupacken. Da hätte man vor einem Jahrzehnt weitsichtig planen müssen."

Quelle: RP
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