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Wermelskirchen
Das letzte Bier im "Bierhahn"

Wermelskirchen. Wirtin Enke Mähler schließt den "Bierhahn". Damit endet nach fast 20 Jahren eine Ära in der Wermelskirchener Kneipenszene. Enke Mähler will sich beruflich neu orientieren und mehr Zeit für die Familie haben. Heute Abend nimmt sie Abschied mit langjährigen Stammgästen. Von Stephan Singer

Viele Paare, die heute im besten mittleren Alter sind, können sich noch gut an das Kennenlernen und den ersten verliebten Kuss im "Bierhahn" erinnern. Wiederum andere erlebten in der Gaststätte an der Thomas-Mann-Straße launige Cliquen-Abende. Heute Abend fließt bei einer geschlossenen Gesellschaft mit geladenen, langjährigen Stammgästen das letzte Bier durch die "Bier-Hähne" - danach schließt Wirtin Enke Mähler die Tür ein letztes Mal ab und gibt den Kneipenbetrieb auf.

Damit endet in der Wermelskirchener Kneipenszene eine Ära, die kurz unter dem Namen "Hahn" bekannt war und in den vergangenen fast 20 Jahren unumstößlich mit der 43-Jährigen sowie ihrem Bruder Arndt Mähler verbunden war. "Es ist für mich Zeit, neue Wege zu gehen. Beruflich will ich nun einmal etwas anderes sehen - und ich will meinem privaten Familienleben mit unserem zweieinhalbjährigen Sohn Finn mehr Aufmerksamkeit schenken", sagt Enke Mähler. Sie muss zugeben: "Wenn man ständig bis in die Nacht arbeitet, verträgt sich das nicht unbedingt mit dem Familienleben."

Die Wirtin absolvierte ursprünglich eine Ausbildung zur Tierarzthelferin, arbeitete seit 1999 für ihren Bruder in der Gastronomie und übernahm den "Bierhahn" von ihrem Bruder im Oktober 2014. Arndt Mähler begann seine berufliche Laufbahn in der Gastronomie in Remscheid, wo die Geschwister aufgewachsen sind. Er führte das "Café Fritz" und übernahm 1997 den Wermelskirchener "Bierhahn" - zeitweise betrieb er zwei Geschäfte parallel. Vor sechs Jahren eröffnete der Vater einer achtjährigen Tochter das "Alte Brauhaus" an der Eich in Wermelskirchen neu. Heute begeistert er dort als angestellter Koch die Kundschaft.

Nach so langer Zeit können die Geschwister manch eine Anekdote erzählen. Einmal fiel in der Thomas-Mann-Straße an einem Winterabend der Strom aus - kurzerhand behalfen sie sich für eine Stunde mit Teelichtern. "Die Frühschoppen an Heiligabend oder auch die Fußballspiel-Übertragungen zu Europa- und Weltmeisterschaften waren immer Höhepunkte - auch bei den Gästen", erinnern sich Enke und Arndt Mähler.

Niemals vergessen werden sie die Überraschungspartys im "Bierhahn" zu ihren 40. Geburtstagen. "Die wurden von Mitarbeitern und Stammgästen für uns organisiert", sagt Enke Mähler. Und ihr Bruder ergänzt lächelnd: "Einige der regelmäßigen ,Bierhahn'-Gäste stammten aus den Reihen der freiwilligen Feuerwehr. Als eines Abends die Mülltonnen hinter dem Haus brannten, waren die Jungs sehr schnell da und wollten die Bierfässer retten." Jetzt werde es Zeit für einen Aufbruch zu neuen Ufern, stellt Enke Mähler fest: "Ich freue mich auf das letzte ,Bierhahn'-Fest am Samstagabend."

Der Kneipenbetrieb an der Thomas-Mann-Straße wird voraussichtlich im neuen Jahr weitergehen. Ein neuer Pächter will nach Informationen unserer Redaktion die Gaststätte unter einem neuen Namen wieder eröffnen. Bevor aber nicht alle Verträge unterschrieben sind, möchte der mögliche "Bierhahn"-Nachfolger nicht in der Öffentlichkeit genannt werden.

Quelle: RP
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