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Wermelskirchen
Dem Männerchor 1844 droht die Auflösung

Wermelskirchen. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung sollen die Mitglieder entscheiden, wohin der Weg führt. Von Udo Teifel

Dem Männerchor 1844 steht eine turbulente Mitgliederversammlung bevor, denn der amtierende Vorstand hat jetzt in einem Rundschreiben an alle aktiven Mitglieder offen eine Vereinsauflösung angesprochen. Je nach Stimmung auf dieser außerordentlichen Versammlung, könnte der Abgesang für einen der ältesten Männerchöre in Nordrhein-Westfalen eingeleitet werden.

Laut Vorstandsbeschluss vom 23. Mai 2016 soll der Männerchor aufgelöst werden - so heißt es in dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt. Der Vorstand, das ist laut Homepage des Vereins seit Januar 2016 allein Ralf Becker. Unterstützung scheint es durch einen zweiten Vorsitzenden, einen Geschäftsführer oder einen Kassierer, nicht zu geben. "Der alte Vorstand ist nicht wieder angetreten", sagte dazu gestern Ralf Becker. Mehr wollte er nicht sagen und zunächst die Versammlung abwarten. "Da wird Klartext gesprochen", kündigte er an. Solange werde es von ihm nichts Offizielles geben.

20 aktive Sänger zählt der Männerchor - ob sie aber alle noch die Stimmbegabung haben, wird in diesem in dem Rundschreiben angezweifelt. Diese "erfüllbare Stimmbegabung" ist aber in der Satzung vorgeschrieben. Als weiteren Grund für die angestrebte Vereinsauflösung wird in dem Rundschreiben des Vorstandes erklärt, dass mit "vielen der Mitglieder eine Probearbeit mit geschlossener Teilnahme an Chorproben benachbarter Männerchore" nicht zu realisieren sei. Somit seien das in der Satzung geforderte Ziel und der Zweck des Chores nicht mehr gegeben - eine Auflösung sei herbeizuführen.

Dem Chorleiter Dr. Lutz Schneider war bereits im Februar vom Verein gekündigt worden. Deshalb hat Becker als Vorsitzender für den 15. Juli eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Das Vereinsarchiv müsste aufgelöst werden, der Flügel verkauft werden. Dafür liege schon ein externes Angebot vor, heißt es. Sollte sich ein Mitglied dafür interessieren, werde dem Vorrang eingeräumt.

"Der Männerchor hat die Musikgeschichte der Stadt wesentlich mitgeprägt." Dieser Satz stammt vom Altbürgermeister und Ehrenbürger Heinz Voetmann. Er hatte ihn zum 160. Bestehen im Jahr 2004 gesagt und damit vielen Gästen und Freunden aus dem Herzen gesprochen. 1844 war der Gesangverein Männerquartett Wermelskirchen unter dem Dirigenten Fritz Keill gegründet worden. 1919 fusionierte der Quartettverein mit dem Wermelskirchener Männergesangverein. 16 Jahre später mit den Sängern vom MGV Eintracht und dem MGV Loreley Tente. Erst mit dem Zusammenschluss mit dem 1923 gegründeten Quartettverein Glocke 1945 wurde der Männergesangverein Wermelskirchen 1844 endgültig gegründet. Sechs Dirigenten hatten das Chorgeschehen mitbestimmt.

Zu Gast hatten die Sänger unter anderem die Schöneberger Sängerknaben, die Big Band der Bundeswehr, Gaby Baginski oder den Mainzer Domchor.

Quelle: RP
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