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Wermelskirchen
Den "Musik-Express" steuern - ein ganz neues Kirmesgefühl

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Wermelskirchen. Der Rausch von Geschwindigkeit, von der wellenartigen Auf- und Abwärtsbewegung des Rundfahrgeschäftes und von der deutlich spürbaren Wirkung der Fliehkräfte macht den Reiz des "Musik-Expresses" auf dem unteren Loches-Platz aus. Wer seine Teenager-Zeit zum Ende der 1970er, zu Beginn der 1980er Jahre verbracht hat, wird sich erinnern: War der Sprung vom Kinderkarussell zur "Raupe" geschafft, gehörte man zu den "Großen". Längst ist der "Musik-Express" zum Kult geworden, darf auf keiner Kirmes fehlen. Mal am Mischpult oder am Mikro sitzen, das ist dann der Traum der Männer. Er wurde am Samstag wahr. Von Stephan Singer

Nach wie vor flößt der "Musik-Express" manch einem Kirmesbesucher noch Respekt ein. So steht für den neunjährige Till Stubenrauch fest: "Ich fahre da lieber nicht mit, das ist mir zu schnell." Sein Bruder Theo hingegen traut sich: "Ich finde es gerade toll, weil die Fahrt so schnell ist." Der Sechsjährige fuhr gemeinsam mit Mutter Yvonne Stubenrauch (37 Jahre) eine Runde "Musik-Express": "Das kribbelt im Bauch. Ich bin mitgefahren, damit mein Sohn nicht alleine ist - ich habe aber auch selber Spaß daran."

Der "Musik-Express", der im Jahr 1975 gebaut wurde und ganz im Disoc-Stil mit vielen bunten Lichtern und farbenprächtigen Motiven dekoriert ist, bringt es auf knapp 50 Stundenkilometer in der Spitze, verrät Geschäftsführer Mischa Kreft (43 Jahre). Gemeinsam mit Verena Darmann (41 Jahre) steuert er das Fahrgeschäft, beide sind in die Schaustellerfamilie und das Schaustellerleben auf Achse hinein geboren. "Ich habe als Baby schon in genau diesem Steuer- und Kassenhäuschen in einer Wippe gelegen und geschlafen", lacht Verena Darmann,

"Der ,Musik-Express' ist der Nachfolger der ,Raupe', bei der es noch ein Verdeck gab, das sich während der Fahrt schloss. Bei dieser Weiterentwicklung ging es vor allem um die Steigerung der Geschwindigkeit", erläutert Mischa Kreft, der die vermeintlich einfache Steuerung erklärt: "Erst den Freigabeknopf drücken. Dann festlegen, ob die Fahrt vor- oder rückwärts geht. Und dann mit dem Poti die Geschwindigkeit regeln." Das Poti (Kurzform für Potentiometer) ist ein kleiner Drehknopf, der sich mit zwei Fingern regeln und ähnlich wie beispielsweise ein Lautstärkeregler stufenlos bedienen lässt. Klingt einfach? Ist es aber nicht! Denn dabei ist eine Menge Fingerspitzengefühl gefragt. Da kommt der Neuling ins Schwitzen.

Für Darmann oder Kreft überhaupt kein Problem, sie scheinen das wie im Schlaf völlig automatisch zu machen. Die beiden Schausteller blicken auch kaum noch auf das Steuerpult, sie wenden ihren Blick kaum vom Geschehen am Fahrgeschäft ab: "Wir machen das über 100 Mal am Tag." Kommt dann noch das sogenannte Rekommandieren, das Animieren durch markige Ansagen, hinzu, wird es für einen Ungeübten plötzlich richtig anstrengend - eine Menge ist gleichzeitig und auf einmal zu tun. Denn die Wartezeiten sollten so lang sein, dass möglichst alle 20 Wagen des Fahrgeschäfts für die nächste Runde besetzt sind, aber eben auch nicht zu lange dauern.

Verena Darmann mit BM-Autor Stephan Singer. Er versuchte sich am Mikrofon. FOTO: Moll

Sprüche und Ausrufe wie "Zicke Zacke Heu Heu Heu", "Finaaaaale" (das A muss lang gezogen sein) oder "Wollt ihr noch mal?!" sind Gassenhauer und landauf und landab bekannt. Mischa Kreft meint: "Versuche mal ,Zugabe'. Das geht immer, denn die Leute kriegen nicht genug."

Und tatsächlich: Während der "Musik-Express" dahinrast, Schwaden aus der Nebelmaschine die Lichteffekte gut zur Geltung bringen und die Bässe wummern, rücken wieder die nächsten Besucher an. Wunderbar.

Quelle: RP
 
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