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Wermelskirchen
Der Beginn der Kommunikationstechnik

Wermelskirchen: Der Beginn der Kommunikationstechnik
Zwischen Berlin und Koblenz gab es 62 Stationen, hier die Station 50 in Köln-Flittard. Jede Station verfügte über ein Wohnhaus und einen Telegrafenturm mit Zwei-Mann-Besatzung. Auch in Buchholzen gab es eine. FOTO: BGV / Volker Ernst
Wermelskirchen. Experte Manfred Menning reiste aus Potsdam nach Wermelskirchen - auf Einladung des BGV hielt er einen äußerst interessanten Vortrag über die optische Telegrafenlinie zwischen Berlin und Koblenz, die auch Wermelskirchen kreuzte. Von Walter Schubert

"Wer gewinnt: das Wetter oder der Vortrag?", fragte BGV-Vorsitzender Volker Ernst zu Beginn der ersten Veranstaltung des Geschichtsvereins im neuen Jahr. Die Frage war schnell beantwortet: Der Vortrag hatte eindeutig gewonnen, denn viele Wermelskirchener waren an dem Thema interessiert. Manfred Menning vom Deutschen Geo-Forschungs-Zentrum in Potsdam referierte über die optische Telegrafenlinie zwischen Berlin und Koblenz, die auch das Stadtgebiet von Wermelskirchen kreuzte. Er gestaltete seinen Vortrag so engagiert und mit so viel Begeisterung und Details, dass die geplanten 70 Minuten nicht nur punktgenau erreicht wurden, sondern auch wie im Flug vorübergingen.

Nachrichten verbreiteten sich früher sehr langsam. Zunächst durch Reisende oder Händler und durch Boten auf Pferden. 1789 wurde die optische Telegrafie in Frankreich eingeführt, 1847 erreichte sie Deutschland. Der optische Telegraf besteht aus einem Mast mit sechs klappbaren Auslegern, den sogenannten Indikatoren. Jeder Ausleger kann in einem bestimmten Winkel eingestellt werden - damit werden Zahlen, Buchstaben, Worte und ganze Texte dargestellt.

Zwischen Berlin und Koblenz gab es 62 Stationen. Jede Station verfügte über ein Wohnhaus und einen Telegrafenturm mit Zwei-Mann-Besatzung. Einer betrachtete mit einem Fernrohr den Nachbarturm, der andere bediente die sechs Steuerräder, um die Nachrichten einzustellen und somit an den nächsten Turm zu leiten. Diese Nachrichtenübermittlung funktionierte natürlich nur bei Tag und auch nur bei gutem Wetter. Außerdem mussten 22 Minuten Unterschied beim Sonnenstand ausgeglichen werden.

Die Station 2 - Berlin-Dahlem St. Annenkirche/Dorfkirche - zu sehen auf einer Briefmarke der Deutschen Bundespost von 1983.

Die Entfernung zwischen Berlin und Koblenz beträgt 588 Kilometer. Ein Test hin und zurück mit einem einzigen Signal betrug nur zwei Minuten für fast 1200 Kilometer. Ein unglaublicher Wert in den Jahren zwischen 1833 und 1846. Referent Manfred Henning hat fast alle 62 Stationen dokumentiert. Viele sind verschwunden oder wurden abgerissen. An einigen Standorten erinnern Informationstafeln, andere wurden restauriert und zu kleinen Museen umgebaut. Station Nummer 47 befand sich in Buchholzen, an einem Hang am Rattenberg. "Da hat der Denkmalschutz nicht aufgepasst", sagte Henning, als er Bilder vom Verfall und dem Abriss im Jahr 2008 zeigte.

Übertragungsfehler sind nicht dokumentiert, aber besondere Nachrichten sind nachweisbar. 1810 erteilte Napoleon den Befehl zur Erschießung von Andreas Hofer, dem Anführer der Tiroler Aufstandsbewegung. "Der Pöbel ist auf der Straße, aber sonst ist es ruhig" hieß es im Jahr 1848 in einer Nachricht aus Berlin. Die Nachricht war richtig, doch nur einen Tag später kam es zu dem Barrikaden-Aufstand in Berlin.

Die Telegrafenlinie wurde 1849 zwischen Berlin und Köln eingestellt. 1852 auch zwischen Köln und Koblenz. Danach folgte die elektromagnetische Telegrafie, die schneller, wetterunabhängiger und auch billiger arbeitete.

Quelle: RP
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