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Wermelskirchen
Der "Bergische Dom" im Dhünntal

Wermelskirchen. Der Altenberger Dom gehört zu den eindrucksvollsten Bauwerken im Bergischen Land. Nicht nur Besinnlichkeit kann dort gefunden werden, auch Natur und Märchenwald laden zum Verweilen ein. Von Wolfgang Weitzdörfer (Text) und Jürgen Moll (Fotos)

Egal ob man von Nordosten, aus Radevormwald, oder von Südwesten, von Bergisch Gladbach kommend, auf der L101 in Richtung des Altenberger Doms fährt, eines bleibt gleich: der majestätische und durchaus respekteinflößende Anblick des großen, ehrwürdigen Bauwerks aus dem 13./14. Jahrhundert, dessen charakteristischer Turm sich hoch in den Himmel des Bergischen Landes erstreckt. Ehrfurchtgebietend und einladend zugleich ist die Basilika, die auch der "Bergische Dom" genannt wird. Das wissen nicht zuletzt auch Tausende von Besuchern, die jedes Jahr den Dom besuchen, dessen Patrozinium am Feiertag St. Mariä Himmelfahrt gefeiert wird.

Wer nun also sein Auto auf einem der großen Besucherparkplätze abgestellt hat, kann ganz schnell tief in die Geschichte eintauchen. Auf dem ehemaligen Klostergelände dominiert der Dom das Bild, der nach französischen Vorbildern als Querschiff-Basilika mit Chorumgang und Kapellenkranz erbaut wurde. Bauherren waren seinerzeit die Mönche des Zisterzienserordens, die aus dem französischen Morimond/Burgund im Jahr 1133 nach Altenberg gekommen waren. Ende des 12. Jahrhunderts waren schon über 100 Priestermönche und knapp 150 Laienbrüder in der Abtei - ein großer Kirchenbau musste also her. Graf Adolf IV. von Berg legte den Grundstein am 3. März 1259, fertiggestellt und geweiht wurde der Altenberger Dom rund 120 Jahre später, am 3. Juli 1379. Die Weihe erfolgte durch Bischof Wikbold von Kulm, der im Auftrag des Kölner Erzbischofs handelte.

Beim Betreten des Doms fällt dem Besucher sofort die zentral hängende Strahlenkranz-Madonna aus dem frühen 16. Jahrhundert ins Auge. Die doppelseitig geschnitzte "Altenberger Madonna" hängt über dem Hauptaltar und stammt wohl aus dem Jahr 1530. Gerade bei direkt einfallendem Sonnenlicht durch das große Westfenster wirkt das Marienbild wahrhaft strahlend. Das Westfenster selbst ist hingegen älter, wurde wohl bereits vor dem Jahr 1400 von einem unbekannten Maler gestaltet. Es ist das größte gotische Kirchenfenster nördlich der Alpen, abgebildet ist das himmlische Jerusalem. Auch hier sollten Besucher auf das wundervolle Farbenspiel bei direktem Sonneneinfall achten, ehrfürchtige Stimmung kommt da gleich von ganz alleine auf. Ebenfalls einen Besuch wert ist die kleine Markuskapelle, die zwischen dem Altenberger Hof und dem Küchenhof, gleich gegenüber dem Dom, steht. Bei der kleinen Kapelle, in der übrigens, genau wie im großen Dom auch, geheiratet werden kann, handelt es sich um das älteste Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen Altenberger Klosters.

Direkt hinter dem Parkplatz befindet sich der Domladen in einem verglasten Provisorium. Er lädt zum Stöbern in (nicht nur) geistlicher Literatur ein, zudem gibt es dort auch verschiedene Kerzen, etwa für Trauungen, die Erstkommunion oder den Trauerfall, christlichen Schmuck und Ansichtskarten zu kaufen.

In und um den Altenberger Dom lässt es sich allerdings keineswegs nur andächtig sein: Schließlich lädt die Bergische Landschaft gerade hier auch zu ausgiebigen Spaziergängen ein - und das durchaus auch direkt vor oder nach dem Besuch des Doms. Denn gleich aus fünf Routen zwischen zweieinhalb und fünf Kilometern Länge, die alle direkt vom Dom aus starten und zum Kennenlernen der Landschaft einladen, können Wanderfreunde wählen. Die Wege führen teils durch den Wald oder an der plätschernden Dhünn entlang und bieten dabei immer wieder herrliche Ausblicke auf den Altenberger Dom.

Nicht nur für Familien ein Anziehungspunkt ist der Märchenwald, der direkt gegenüber dem ehemaligen Klostergelände gelegen ist und seit April 2015 wieder von der Eigentümerfamilie Mayer betrieben wird. Schon über 80 Jahre alt ist er und bietet mit seinem märchenhaften Ambiente und den bekannten Figuren aus dem Geschichtenfundus der Brüder Grimm eine Auszeit von der Gegenwart. 18 Märchen gibt es entlang des Märchenpfades, der sich natürlich durch die malerische Natur schlängelt, in den kleinen und schmucken Häuschen zu erleben.

Wer nun von so viel Spazierengehen, Geschichte und Kultur hungrig geworden ist, kann sich im Altenberger Hof stärken: Denn was wäre schließlich ein passenderer Abschluss für einen Sonntagnachmittag rund um den Altenberger Dom, als eine typisch bergische Waffel mit Schlagsahne oder Vanilleeis zusammen mit einer Tasse Kaffee?

Quelle: RP
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