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Wermelskirchen
Der gute Engel der Spielplätze

Wermelskirchen: Der gute Engel der Spielplätze
Ingo Wien vom städtischen Betriebshof überprüft das Klettergerüst auf dem Spielplatz im "Märchenviertel". FOTO: Moll, Jürgen (jumo)
Wermelskirchen. Ingo Wien lebt den Traum vieler Kinder: Der 49-Jährige ist Spielplatzkontrolleur und betreut in Wermelskirchen knapp 60 Anlagen. Austoben kann er sich auf den Geräten trotzdem nicht. Ein Gespräch auf der Wippe im "Märchenviertel". Von Jan Dobrick

Ingo Wien darf so lange auf dem Spielplatz im "Märchenviertel" bleiben, wie er will. Er ist ja auch kein sechsjähriger Wildfang, der Widerworte gibt, förmchenweise Sandkuchen futtert und auf dem Klettergerüst Rambazamba macht. Ingo Wien ist 49, braun gebrannt und lebt den Traum vieler Kinder: Der Mitarbeiter des städtischen Betriebshofes ist zertifizierter Spielplatzkontrolleur, der einzige in Wermelskirchen.

Trotzdem kann der 49-Jährige natürlich nicht schaukeln, bis der Arzt kommt. Vor allem, weil er es gerade verhindern soll, dass auf den knapp 60 Spielplätzen in der Stadt ein Arzt gebraucht wird. Ingo Wien sorgt für die Sicherheit der Kinder, hat viel Verantwortung. Und das quasi rund um die Uhr: "Wer glaubt, dass mein Job daraus besteht, mich auf den Wermelskirchener Klettergerüsten auszutoben, liegt gewaltig daneben", sagt er, quetscht sich auf die Wippe und grinst breit. Ganz falsch scheint die Annahme auch nicht zu sein. Wien gibt zu: "Immerhin acht Stunden pro Monat spiele ich auf den Geräten, um sie zu testen." Ab und zu geht das auch in die Hose: "Beim Schaukeln oder Rutschen bin ich schon ein paar Mal auf dem Hintern im Mulch gelandet."

Jeder Spielplatz - das gilt auch für die der Schulen und Kindergärten - muss einmal pro Woche untersucht werden. Für die Sichtungskontrolle benötigt Ingo Wien etwa zweieinhalb Tage. Alle drei Monate wird zudem die Funktion der Geräte überprüft. Jährlich findet die Hauptuntersuchung statt, bei der die Klettergerüste bis auf das Fundament freigelegt werden.

Der Werkzeugwagen des gelernten Straßenbauers aus Remscheid, der seit neun Jahren auf den Spielplätzen unterwegs ist, ist pickepackevoll: Hammer, Stichsäge, Prüfkörper, Wasserwaage, Knarrenkasten, Schraubenschrank und Stromaggregat. "Kaputte Bretter oder Ketten kann ich meist sofort ersetzen, manchmal muss ich ein Gerät aber auch absperren." Einen Pocket-PC hat er immer dabei: "Um die Mängel einzutragen."

Ingo Wien steigt von der Wippe. Er geht über den Erlebnisspielplatz des Neubaugebietes, den der kreative Hobbybastler selbst geplant hat - für Kinder im Alter von bis zu zwölf Jahren. Neben der großen Vogelnest-Schaukel und drei bunten Federspielgeräten steht eine Wasser- und Matschbahn im Sand. Der Kontrolleur trinkt einen Schluck. "Ist in Ordnung." Dann hangelt er sich an einem Seil auf die hölzerne Kletterkombination, kriecht durch einen Tunnel, streicht mit seinen Händen über das Holz, überprüft Schrauben. Splitter jagt er sich immer mal wieder in die Hand.

Ein Begrenzungspoller am Spielplatzeingang ist umgefahren worden, der muss ersetzt werden. Ingo Wien notiert das. Er ist Schlimmeres gewöhnt: "Auf der Hüppanlage haben Vandalen vor fünf Jahren die riesigen Stützbalken der acht Meter langen Rutsche umgeknickt. Das schafft man eigentlich nur mit einem Bagger." Auch Schaukeln wurden schon auseinandergeschraubt, Feuer auf Kunststoff-Rutschen gelegt, mit Nagelpistolen Klettergerüste malträtiert, Balken angesägt. "An der Carl-Leverkus-Straße ist mal ein Federtier geklaut worden." Meistens findet Ingo Wien aber Glasscherben, die er beseitigen muss.

Der 49-Jährige, der sich zusätzlich noch um die Grünflächen der Stadt kümmert, hat viel zu tun, sitzt häufig hinter dem Steuer seines Werkzeugwagens. "In Holland gibt es meist große, zentrale Spielplätze. Die sind deutlich leichter zu betreuen", sagt Ingo Wien. Überhaupt ist die Spielplatzkontrolle eine Wissenschaft für sich: Drei Jahre dauert es bis zum Zertifikat. "Der Wälzer mit den verschiedenen Vorgaben und Normen ist zentimeterdick."

Am liebsten entwirft der Mann, den manch einer den "guten Engel der Spielplätze" nennt, die Anlagen. Bald möglicherweise auch im Neubaugebiet "Eifgenblick". Dort kann er dann sicher auch schaukeln. Aber natürlich nicht, bis der Arzt kommt.

Quelle: RP
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