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Wermelskirchen
Der kleinste Chor der Stadt löst sich auf

Wermelskirchen: Der kleinste Chor der Stadt löst sich auf
Peter Jungbluth (v.l.), Willi Meckelburg, Josef Tabacchi, Horst Metzner und Herbert Geske (hier während eines Konzerts im Jahr 2012 im Haus Vogelsang) waren die letzten verbliebenen Sänger des MGV Einigkeit. Das letzte Konzert gaben sie im Dezember 2015 im Haus Regenbogen. FOTO: Dörner (Archiv)
Wermelskirchen. Seit fast 144 Jahren gab es den MGV Einigkeit. Zuletzt waren noch fünf Sänger dabei. Jetzt wird ein Schlussstrich gezogen. Von Walter Schubert

In den vergangenen Jahren war der Männergesangverein "Einigkeit" der kleinste Chor in Wermelskirchen, vielleicht sogar darüber hinaus. Lediglich fünf Sänger blieben aus dem 1872 gegründeten MGV übrig. Bis zum Schluss trafen sich Peter Jungbluth, Willi Meckelburg, Josef Tabacchi, Horst Metzner und Herbert Geske regelmäßig einmal in der Woche zur Probe. "Wir hatten eine Zuverlässigkeit von 99,9 Prozent", sagt Chorleiter und Vorsitzender Willi Meckelburg. Es hat also fast nie jemand gefehlt.

Doch das Alter fordert seinen Tribut. Tabacchi ist mittlerweile gestorben, Meckelburg konnte seine Aufgaben aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr wahrnehmen. "Jetzt müssen wir unseren Verein noch sauber mit dem Finanzamt abschließen", sagt Meckelburg. Zu Spitzenzeiten hatte der Chor, der kurz nach dem deutsch-französischen Krieg 1872 gegründet wurde, gut 40 Mitglieder. Trotz schwieriger Zeiten, etwa die zwei Weltkriege, blieben die Sänger zusammen. "Das Schöne an dem Verein war ja nicht nur das gemeinsame Singen, sondern auch die Gemeinschaft", sagt Meckelburg. Er zeigt ein Fotoalbum, das weit zurückreicht. 1914 war Adolf Flöring Senior der Schutzherr und Fahnenstifter des Vereins. 1949 kam Meckelburg aus Westpreußen nach Wermelskirchen und fand Arbeit bei Flöring. Anfang 1952 trat er dem Verein bei. Die Fotos dokumentieren die vielen geselligen Veranstaltungen, die Konzerte und die gemeinsamen Reisen.

Wie bei vielen Vereinen gab es auch beim MGV keinen Nachwuchs. "Die Zeiten haben sich geändert. Viele wollen nur konsumieren, aber nichts mehr selber machen", sagt Meckelburg. Er vermisst die alte Zeit, die nicht einfach, aber ruhiger, beschaulicher und übersichtlicher war. "Es geht alles so furchtbar schnell, es verändert sich und es scheint, als habe nichts mehr Bestand."

Der MGV Einigkeit war viele Jahre spezialisiert auf Konzerte in Seniorenheimen. Im Haus Vogelsang oder im Seniorenpark "carpe diem" waren die Sänger regelmäßig zu Gast. Das letzte Konzert fand im Dezember 2015 im Haus Regenbogen statt. Willi Meckelburg, der im März 86 Jahre alt wird, wartet mit seiner Ehefrau Elfriede (84) nun auf den Frühling. Dann geht es in ihren Schrebergarten, der mit dem Anbau von Gemüse richtig genutzt wird. Ob sich die ehemaligen Sänger weiter regelmäßig treffen werden, ist noch offen. "Mit zunehmendem Alter wird es ja immer schwieriger", sagt Meckelburg. "Irgendwann spricht keiner mehr darüber", sagt er und klappt ein altes, handschriftlich geführtes Protokollbuch über die Vereinssitzungen zu. "Was aber bleibt, sind ganz viele schöne Erinnerungen."

Quelle: RP
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