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Serie Was Macht Eigentlich...?
Der Luis Trenker von Wermelskirchen

Serie Was Macht Eigentlich...?: Der Luis Trenker von Wermelskirchen
Heinz Voetmann hat einige Berge bereits erwandert. Davon zeugen die vielen Bilder in seiner Wohnung. FOTO: P. Meuter.
Wermelskirchen. Heinz Voetmann war von 1969 bis 1994 Bürgermeister der Stadt. Seine große Leidenschaft war bis vor Kurzem das Bergwandern. Der bald 89-Jährige besteigt heute keine Gipfel mehr, ist aber immer noch gerne "bürgernah" zu Fuß unterwegs. Von Stephan Singer

Wermelskirchen Im wörtlichen Sinn hat Heinz Voetmann in seinem Leben manchen Berg erklommen, übertragen gesehen kann er viele politische Gipfel für sich verbuchen: So ist der Ehrenbürger mit einer 25-jährigen Amtszeit (1969 bis 1994) der Bürgermeister mit der bisher längsten Dienstzeit in Wermelskirchen gewesen. Heute besteigt Heinz Voetmann keine Berge mehr. "Meine Oberschenkel machen da nicht mehr mit, da muss ich wohl meinem Alter Tribut zollen", sagt der Christdemokrat, der am kommenden Dienstag, 2. August, seinen 89. Geburtstag feiert.

Vor drei Jahren erklomm Heinz Voetmann noch das knapp 4200 Meter hohe Breithorn (Zermatt, Schweiz) in den Walliser Alpen, das er sich in seiner Bergsteigerlaufbahn mehrfach als Ziel erkor. Zu diesen Herausforderungen zählte ebenso der berühmte Watzmann - nicht umsonst handelte sich der gebürtig aus Kalkar stammende Voetmann den Spitznamen "Luis Trenker von Wermelskirchen" ein. "Die Berge fehlen mir sehr", sagt Voetmann - genauso vermisst der Witwer seine Frau Elisabeth, von der er sich vor zwölf Jahren verabschieden musste.

Auch wenn die Beine in den Bergen nicht mehr ganz so funktionieren, beginnt er jeden Tag um sechs Uhr morgens auf dem Laufband im Keller, abends geht's zudem noch auf den Crosstrainer - Voetmann will möglichst fit bleiben. Er lässt es sich nach wie vor nicht nehmen, seine Erledigungen zu Fuß zu besorgen. Das ist ihm wichtig: "Schon in meiner Zeit als Bürgermeister habe ich das so gemacht, ich wollte für die Menschen ansprechbar sein", unterstreicht Voetmann, der nicht verstehen kann, dass Kommunalpolitiker mit dem Auto in der Innenstadt unterwegs sind. Mit Kopfschütteln betrachtet er terminierte Sprechstunden: "Ich brauchte nie Sprechstunden. Der Bürger muss mit seinem Anliegen direkt kommen können." Noch heute werde er häufig angesprochen: "Das freut mich. Scheinbar habe ich nicht alles falsch gemacht. Ich habe eine bürgernahe Politik gemacht." Dieses Credo schreibt der gelernte Werkzeugmacher-Meister und nach Fortbildungen spätere Berufsschul-Studiendirektor den aktuell politisch Aktiven ins Stammbuch: "Glaubwürdiges Handeln ist wichtig. Das fehlende Vertrauen in die Politik ist ein Übel unserer Zeit."

Aus dem politischen Tagesgeschäft hält sich der Privatier, der 1964 bis 1994 dem Stadtrat und von 1975 bis 1990 dem Landtag angehörte, heraus: "Wer selbst nicht mehr gestaltet, sollte nicht mitreden. Es gibt zu viele, die hinterher alles besser wissen." Allerdings findet er mit Blick auf die Sanierung der Rathausfassade kritische Worte: "Ich habe Sorge, dass ich die Fertigstellung nicht mehr erlebe. Es sind immer wieder die gleichen Probleme und es wundert mich, dass das nicht abstellbar ist."

Das Bürgerzentrum ist eines von Heinz Voetmanns politischen "Babys": "Ich habe das damals gegen viele Widerstände durchgesetzt." Bei seinem Ansinnen Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre ging es nicht nur darum, die verschiedenen Standorte der Stadtverwaltung zusammenzulegen: "Die Vereine hatten keinen Ort mehr für ihre Aktivitäten. Da wollte ich Abhilfe schaffen." Dass die Vereine heute für die Nutzung städtischer Einrichtungen Gebühren zahlen müssen, ärgere ihn nach wie vor: "Das ist nicht gut für die Stadt. Die Vereinswelt ist das Rückgrat der Gesellschaft." Die Vereine müssten um ihre Existenz kämpfen, und die Einnahmen aus den Gebühren seien für die Stadt nicht die Welt.

Als Bürgermeister bildete Heinz Voetmann mit dem damaligen Stadtdirektor Siegfried Störtte ein starkes Duo. Immer noch stehen die beiden "Haudegen" regelmäßig in Kontakt und fühlen sich freundschaftlich verbunden: "Wir haben uns blind verstanden, und das bleibt so", berichtet Voetmann.

Mit Unterstützung einer Reinigungskraft schmeißt er seinen Haushalt selbst. Voetmann, der einst tagein tagaus in Sachen Politik unterwegs war, hat das Kochen und Backen für sich entdeckt. Die Wermelskirchener können ihn nach wie vor bei Veranstaltungen oder Versammlungen antreffen: "Wenn ich eingeladen werde, nehme ich den Termin meist wahr", sagt der frühere Bürgermeister.

Quelle: RP
 
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