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Wermelskirchen
Der Milchpreis fällt ins Bodenlose

Wermelskirchen: Der Milchpreis fällt ins Bodenlose
FOTO: thinkstock / Okea
Wermelskirchen. Ein Liter Milch kostet beim Discounter derzeit nur noch 46 Cent. Weil der Milchpreis fällt und fällt, sind viele Landwirte in ihrer Existenz bedroht. Für die "Milchregion" Bergisches Land ist das fatal. Von Jessica Balleer

Der Milchpreiskampf, den sich die Discounter und Supermärkte in Deutschland momentan liefern, ist wirtschaftlich betrachtet das tiefste Tal, das die Milchbauern seit Jahrzehnten durchstehen müssen. "Das ist kein Strukturwandel, sondern ein Strukturbruch", sagt Peter Lautz, Vorsitzender der Kreisbauernschaft im Rheinisch-Bergischen Kreis. "Einige Familienbetriebe werden wohl aufgeben müssen." Denn in den vergangenen Monaten ist der Preis pro Liter um satte 25 Prozent gesunken. Eine fatale Entwicklung für die "Milchregion" Bergisches Land. Der Rheinisch-Bergische Kreis liegt in einer ausgeprägten Grünlandregion, "Hier lebt man vom Milchpreis. Die Kreisbauernschaft ist Ansprechpartner für 650 Landwirte, der überwiegende Teil produziert Milch. Weil Molkereien die Milch billiger anböten, würden die Einzelhändler die günstigeren Einkaufspreise an die Kunden weitergeben. Betriebe vergrößerten sich. Molkereien erhöhten die Kapazitäten. Doch die wollen die Leistung jetzt nicht drosseln. Der Rohstoffwert in Nordrhein-Westfalen für Rohmilch liegt bei 25 Cent pro Kilogramm ab Hof. Bei der Bio-Milch sieht es etwas besser aus, allerdings sind hier auch die Produktionskosten für die Landwirte aufgrund der strengen Auflagen deutlich höher.

Dass der Markt und die Aussichten für die Zukunft dann aber anders aussähen, davon ist der Wermelskirchener Landwirt Torsten Mühlinghaus überzeugt. Er sieht die Molkereien in der Pflicht. Alle zwei Tage rollen die Tankwagen der Molkereien bei Mühlinghaus an. "Arla" oder "Friesland Campina" heißen die Abnehmer. Unter 25 Cent pro Liter zahlen sie derzeit.

Laut Mühlinghaus wären mindestens 40 Cent nötig, um tiergerechtes, nachhaltiges Wirtschaften zu gewährleisten. "Was momentan passiert, ist Raubbau." Selbst die allerbesten Betriebe könnten so nicht überleben. "Man redet von 8,50 Euro Mindestlohn, wir machen hier aber Ein-Euro-Jobs", sagt der Besitzer von knapp 100 Kühen. Die Hilferufe von den Bauernhöfen in den Kommunen sind nicht nur auf Landesebene, sondern auch bei den Bundespolitikern angekommen. Agrarminister Christian Schmidt (CSU) plant noch in diesem Monat einen "Milchgipfel" mit allen Beteiligten. Der Landwirt setzt keine Hoffnung in die Politik, weil dort keine Fachleute säßen.

"Die Molkereien und die Landwirte müssen sich zusammensetzen." Er misstraut den so genannten "Experten" spätestens, seitdem sie den Milchbauern versprachen, es werde bald mehr Milch gebraucht, als sie produzieren könnten. Ölpreisverfall, Russland-Embargo und die Wirtschaftskrise in China brachten diese Blase zum Platzen. "Es ist zu viel Milch auf dem Markt, europaweit und weltweit", sagt Peter Lautz vom Kreisbauernverband. Das ist eine Folge der Abschaffung der "Milchquote": Bis 1. April 2015 regulierte sie die Produktionsmenge von Milch pro Jahr und Betrieb. Es ist passiert, was passieren musste. "Aber die Mehrheit der Bauern wollte dieses freie Unternehmertum", sagt Lautz. Das Auf und Ab sei nicht neu. Dass der Preistrend so langanhaltend nach unten gehe, besorgt die Verantwortlichen. Lautz sieht zwei Möglichkeiten: Zwischen Milcherzeugern und Molkereien muss eine Lösung gefunden werden. Oder die Politik muss eingreifen. "Die Probleme beschränken sich ja nicht auf den Kreis, wir reden hier über einen weltweiten Markt."

Quelle: RP
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