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Wermelskirchen
Der neue Seminarist trägt noch Krawatte

Wermelskirchen: Der neue Seminarist trägt noch Krawatte
Michael Schiller ist der neue Seminarist in den katholischen Gemeinden in Wermelskirchen. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Michael Schiller wird in den katholischen Kirchengemeinden zum Priester ausgebildet. Sein Weg zum Traumberuf war lang und steinig. Von Eva Budde-Jandt

Sein Weg war eigentlich schon vorgezeichnet: Der neue Seminarist der katholischen Kirchengemeinden St. Michael/St. Apollinaris in Wermelskirchen, Michael Schiller, der innerhalb der nächsten drei Jahre hier unter seinem Mentor, Pfarrer Knab, seine Ausbildung zum Priester vervollständigen wird, wurde in einer aus Oberschlesien stammenden Familie im streng katholischen Glauben erzogen. Schon als Baby muss der kleine Michael während der Messe - "nein, bitte, es heißt ,Heilige Messe'" berichtigt Schiller - so ruhig gewesen sein, dass seine Mutter gefragt wurde, ob denn in dem Kinderwagen überhaupt ein Baby drin sei.

Mit acht Jahren ging er zur Erstkommunion, mit 16 folgte die Firmung, jahrelang war er Messdiener, später Leiter, half in seiner Gemeinde in der Jugendarbeit. Als aber der neue Pfarrer seiner Heimatgemeinde St. Gertrud in Düsseldorf-Eller, Joachim Decker, im Jahr 2000 dem 17-jährigen Messdiener auf den Kopf zusagt: "Du wirst mal Priester!", wehrt der junge Mann erschrocken ab: "Im Leben nicht!"

Das Priesteramt sei für ihn, auch geprägt von seinem familiären Umfeld, immer mit sehr hoher Würde verbunden gewesen. "Als Jugendlicher habe ich mir nicht vorstellen können, diese Würde irgendwann selbst tragen zu können", berichtet Schiller. Allerdings hätten ihn die Worte des Pfarrers nicht mehr losgelassen und ihn tief im Innersten getroffen.

Wie es doch dazu kam, dass er das Priesteramt wählte, fasst Schiller in diesem Satz zusammen: "Ich folge einer Berufung!" In diesem "-Ung" stecke ein lang andauernder Prozess. Dass der noch immer anhält, merkt man als sein Gegenüber sofort, wirkt doch der sympathische, hübsche, blonde 33-Jährige in Hemd und Krawatte kaum so alt, wie er auf dem Papier ist, und macht eher den Eindruck eines Bürotätigen oder BWL-Studenten.

Ja, stimmt, das wollte er auch mal werden. Eine Arbeit im Büro machen, Architekt vielleicht oder irgendwas mit Wirtschaft. Die Krawatte ist davon (noch) übriggeblieben. Doch bald werde er als Priesterkleidung keine Krawatten mehr tragen, sondern das Kollarhemd mit dem weißen Stehkragen - auch alltags. "Es soll zeigen, ,Gott ist unter uns'", verdeutlicht Schiller. "Was ist, wenn das Flugzeug, in dem ich sitze, droht abzustürzen und da möchte jemand beichten? Da ist es wichtig, dass ein Priester erkennbar ist."

Michael Schillers Weg zu seinem jetzigen Traumberuf war lang und steinig. Aber vielleicht machte ihn die lange Prüfung gerade deswegen so überzeugt von dieser "Berufung". Es begann mit dem ersten Abiturversuch: Er misslang. "Hast du doch etwas anderes mit mir vor, Gott?", fragte er sich danach nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal. Also führte ihn sein Weg zunächst doch zu einer kaufmännischen Ausbildung im Generalvikariat des Erzbistums Köln. Danach gelang das Abitur im zweiten Anlauf und das Theologiestudium schloss sich direkt an. Wieso er das Abitur beim ersten Mal nicht geschafft habe? "Es war einfach noch nicht so weit, es fehlte mir die Reife", erklärt Schiller mit bewundernswerter Selbstreflexion.

Seine Ernsthaftigkeit und Wahrhaftigkeit zeigt sich auch in einem anderen Punkt. Ob er nie Familie haben wollte, eine Partnerin? - natürlich, er habe selbst drei Geschwister, Familie, Kinder, das habe ihm immer vorgeschwebt, war sein Ideal. Am liebsten wollte er "eine Fußballmannschaft Kinder", sagt er lachend. Ob es nicht schwer ist, diese Pläne aufzugeben? "In dem Moment, in dem ich mich entschieden hatte, war das kein Thema mehr", sagt Michael Schiller. Er spricht das große Wort gelassen aus und wirkt dabei durch und durch ehrlich. Ach, er hätte es einfach nicht vermisst und hätte auch keine Lust gehabt, sich in der Zeit des Studiums irgendwie auszuprobieren, wie manch anderer. Die Ehrlichkeit, das ist sein ganz großes Thema. "Ich kann einfach nicht lügen", sagt er, ein wenig schmunzelnd. Aber während eines Theologiestudiums eine Freundin zu haben, das wäre ihm eben wie Lügen vorgekommen. Noch würde es ein Zurück geben, denn erst im Juni 2017 empfängt Schiller die Diakonenweihe und danach muss er im Zölibat leben.

Quelle: RP
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