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Wermelskirchen
Der Osterhase tankt Kraft in Eichholz

Wermelskirchen: Der Osterhase tankt Kraft in Eichholz
Der Hase wird häufig mit dem Kaninchen verwechselt. FOTO: Probst (Archiv)
Wermelskirchen. Wermelskirchens Hegeringvorsitzender Norbert Drekopf freut sich über jeden Hasen, den er in der Natur beobachtet. Die Zahl von "Meister Lampe" nimmt in der Region langsam zu - sein stärkster Gegner ist die Landwirtschaft. Von Stephan Singer

Bewiesen ist es nicht, denn eine Visitenkarte hat er nicht hinterlassen. Aber allem Anschein nach hat der Osterhase für die anstrengende Tour zum Verteilen der Osternester an die Kinder im Garten des Wermelskirchener Hegeringvorsitzenden Norbert Drekopf in den vergangenen Tagen reichlich Kraft getankt. Dort in Eichholz, wo man in der Dämmerung Fuchs und Hase beim Gute-Nacht-Sagen beobachten kann, ließ sich der junge, noch nicht ausgewachsene Feldhase die ersten warmen Frühlingssonnenstrahlen auf das Fell scheinen.

"Der Junghase hatte eine Rückenlänge von vielleicht 25 bis 30 Zentimetern. Er ist so jung, dass er zu dieser Jahreszeit noch von dem Muttertier gesäugt wird", sagt Norbert Drekopf. Sobald die ersten Sonnenstrahlen hervorkamen, drückte er sich an die immer gleiche Stelle im Beet zwischen die gerade sprießenden Blumen. "Sonderliche Angst vor Menschen oder deren Bewegungen zeigte er nicht. Ich habe sogar zwischenzeitlich mit dem Hochdruckreiniger gearbeitet - das hat den jungen Hasen überhaupt nicht gekümmert", sagt Drekopf.

FOTO: Hertgen Nico

Für den Vorsitzenden des Hegerings, der aus persönlicher Leidenschaft tagtäglich in Wald und Flur unterwegs ist, ist dieser regelmäßige Hasenbesuch nichts Besonderes - Drekopfs Anwesen grenzt an Wiesen und Felder. Nichtsdestotrotz begeistern solche Erlebnisse selbst den erfahrenen Kenner nachhaltig: "Ich werde nie vergessen, wie allabendlich ein Hase auf unsere Terrasse hüpfte, dort verweilte und durch die Fensterfront guckte. Ganz so, als wollte er sehen, was wir im Fernsehen schauen."

Kaninchen und Hasen werden gerne verwechselt, weiß Drekopf. Und das besonders in der Osterzeit bei Dekorationsartikeln und Süßigkeiten bemühte Klischee von den steil in die Luft ragenden Ohren (der Fachmann spricht von "Löffeln") der Hasen ist in der Regeln gar nicht korrekt. "Erst einmal ist der Hase deutlich größer als das Kaninchen. Ein entscheidender Unterschied ist, dass ein Kaninchen einen Bau zum Verkriechen hat. Der Hase hingegen kauert sich auf Wiesen und Feldern in eine Sasse auf den Boden und legt die Ohren flach in den Nacken. So ist er sehr gut getarnt, im wachsenden Gras verschwindet er vollkommen", beschreibt Drekopf den auf der Flucht äußerst schnellen Sprinter. Der am frühen Morgen und am Abend in der Dämmerung aktive Hase verlasse sich weniger auf sein Gehör, sondern vielmehr auf seine guten Augen, die ständig in Bewegung sind, selbst wenn das Tier regungslos in der Sasse hockt. Allerdings sei der Hase deutlich unbeständiger als beispielsweise Rehwild, dass verlässlich zu einer bestimmten Tageszeit an einer wiederkehrenden Stelle auftauche.

Die Jäger der Region seien erfreut, dass "Meister Lampe", wie der Hase in Fabeln genannt wird, wieder auf dem Vormarsch ist. "Wir haben hier eine wirklich positive Entwicklung der Hasenpopulation. Bei eigentlich jedem Ansitz beobachten wir wieder welche. Das ist ein schönes Bild. Wir schießen kaum Hasen, wir freuen uns, dass er da ist", betont Norbert Drekopf, der sich noch an Treibjagden in den 1970er- und 1980er-Jahren erinnert, die sich gezielt auf die Feldhasen richteten: "Die Bestände schrumpften beträchtlich, die Hasenjagd lohnte sich nicht mehr."

In unserer Region hilft der Hasenzahl gerade auf die Sprünge, dass der natürliche Feind des Langohrs, der Fuchs, an Tollwut sowie Räude litt und sein Bestand dadurch verringert wurde. Aus der Sicht von Norbert Drekopf ist jedoch auch klar: "Die großflächige Landwirtschaft verdrängt die Hasen. Die zunehmende Anzahl von Elstern, Krähen und Greifvögeln trägt ebenso ihren Teil bei."

Diese Entwicklung sei deutschlandweit festzustellen. Der Leiter des Hegerings Wermelskirchen fügt hinzu: "Diese Sauerei, dass Gülle aus Holland auf unseren Feldern ausgefahren wird, ist schlimm. Kriegt ein Hase das auf den Kopf, verendet er daran."

Quelle: RP
 
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