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Wermelskirchen
Der riesige Bohrer in Unterburg ist da

Wermelskirchen: Der riesige Bohrer in Unterburg ist da
Ab dem heutigen Dienstag kommt der große Bohrer auf der Baustelle in Unterburg zum Einsatz. FOTO: Martin Kempner
Wermelskirchen. Halbzeit an der Baustelle Mühlendamm: Ab dieser Woche wird das Fundament für die neue Brücke vorbereitet. Trotz der Vollsperrung fahren sich immer wieder Pkw fest, Kradfahrer nehmen Schleichwege. Von Fred Lothar Melchior

Das große Bohrgerät kam schon ganz früh: Gegen 7 Uhr traf die Maschine an der Baustelle ein. "Ab Dienstag geht die Bohrung los", erläuterte Stephan Tiffert, Polier der Ettlinger B + H Bau GmbH. Die Firma hat bereits in "Beverly"-Nähe die Behelfsbrücke über den Eschbach gebaut. Jetzt bereitet die Firma den Abriss der maroden Brücke vor, die bisher zur Straße Mühlendamm in Unterburg führte.

Wegen der Demontage ist die Eschbachstraße in der vergangenen und in dieser Woche (bis voraussichtlich Freitagabend) für den Durchgangsverkehr gesperrt - von einigen Unverzagten immer noch unbemerkt. Immer wieder fahren sich Autos fest. Und ein Kradpolizist ging Beschwerden der Anlieger nach, denn Motorradfahrer suchten sich verbotene Schleichwege.

Auf der Baustelle selbst war es da schon deutlich ruhiger. Telekom-Mitarbeiter sorgten dafür, dass am Mühlendamm auch während des Abrisses telefoniert und gesurft werden kann. Auch ein Unitymedia-Kabel musste noch neu verlegt werden. Die Leitungen waren zwangsweise eine Zeit lang tot.

Wie geht es weiter? In der letzten Juli- und der ersten August-Woche bereitet B + H das Fundament der neuen Querung vor - mit zunächst zwölf Löchern auf der Eschbachstraße. Jedes hat einen Durchmesser von 0,75 Metern, ist bis zu acht Meter tief und wird später mit Beton aufgefüllt. Wenn auch auf der Seite Mühlendamm ausgeschachtet ist, kann - ebenfalls in der ersten August-Woche - die alte Brücke demontiert werden. "Wir zersägen sie in sieben jeweils etwa 1,5 Tonnen schwere Teile", erläutert Stephan Tiffert. Die neue Brücke soll Anfang Oktober stehen.

Damit der Bohrer keine Versorgungsleitungen trifft, waren die Stadtwerke bis vergangenen Donnerstagabend aktiv. "Gas- und Wasserleitungen sowie Informationskabel mussten neu verlegt werden", beschreibt Thomas Schaaf von der SWS Netze GmbH die Arbeiten. "Sie wären sonst in der späteren Bohrwand verlaufen." Alleine das Gasrohr ist 25 Zentimeter dick. Der Abwasserkanal wird später angepackt.

Der Brückenneubau ist nur ein Teil des Mammutprojekts in Unterburg. Wupperverband und Stadt kümmern sich zudem um den Hochwasserschutz und die Sanierung der desolaten Uferbefestigungen des Eschbachs. Die bröckelnden Wände sind der Grund, dass die Straße schon lange nur einspurig befahren werden darf. "Das ist keine Trockenmauer", betont Manfred Müller von den Technischen Betrieben (TBS) und zeigt auf die losen Steine in Nähe der Brücke. "Der Bach hat immer mehr Steine freigespült. Das Wasser läuft dann unter die Straße."

Über deren Zustand machen sich die Anlieger schon lange Sorgen. Während der Bauarbeiten sehen sie jetzt den Sand und Lehm unter der relativ dünnen Asphaltdecke. "Die Eschbachstraße ist für Pferdegespanne gebaut worden", kommentieren Manfred Hugenschmidt und Tanja Kaiser. Sie wohnen direkt an der Baustelle und ärgern sich vor allem über die Busse der Stadtwerke, seit die Linie bis zum Burger Bahnhof verlängert wurde. Seit die Straße wegen der Bauarbeiten gesperrt wurde, sei das "Wohnklima aber klasse", freuen sich beide. Ein Urteil, das viele Anwohner teilen. "Erholsam ruhig" sei es, sagt Carmen Hillen, die Inhaberin vom Burger Büdchen, vor dem jetzt - auf der Fahrbahn - Stühle und ein Tisch aufgebaut sind.

Schräg gegenüber beim Eiscafé fragt man sich, ob der gute Besuch dem warmen Wetter, der Baustelle oder beidem geschuldet ist. Ein Besucher aus Odenthal, der Touristen aus Norwegen und Holland mitgebracht hat, bemerkt: "Das ist ungewohnt." Auch für den Postboten: Er braucht wegen des Umwegs über Remscheid jetzt eine halbe bis eine dreiviertel Stunde länger.

Etwa zehn Millionen Euro kosten die Umbauten in Unterburg. Welche Anteile auf die Stadt Solingen und den Wupperverband entfallen, sei noch nicht klar, sagt Karsten Ditscheid, der das Projekt bei der Nachbarstadt betreut. "Von der ersten Bauphase können wir aber eine Menge lernen." Alle Arbeiten sollen Ende 2017 fertig sein.

Quelle: RP
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